Aus Sicht der Pädagogikprofessorin Margit Stein nehmen religiöse Streitigkeiten an Schulen immer weiter zu. Lehrkräfte fühlten sich überfordert.
Mobbing an Schulen ist aus Sicht der Pädagogikprofessorin Margit Stein weitverbreitet. Oft gebe es einen religiösen Kontext, zum Beispiel mit Bezug auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan. Bei Studien zu religiös motivierten Konflikten in Schulen habe ein Drittel der Befragten von solchen Auseinandersetzungen berichtet, zum Beispiel im Kontext mit Fasten, Kleiderordnungen und anderen kontroversen Themen wie Gleichgeschlechtlichkeit und Sexualkunde. „Und ein Viertel der Befragten hat diese Konflikte als radikalisiert wahrgenommen“, sagte die Professorin von der Universität Vechta dem Portal „ZDFheute“. Die Polarisierung sei durch die derzeitigen Kriege auch an den Schulen stärker geworden.
Zuspitzung im Fastenmonat Ramadan
An einer Gesamtschule in Kleve am Niederrhein sollen während des noch laufenden Fastenmonats Ramadan nicht fastende Kinder mit ihrem Pausenbrot fastende muslimische Mitschüler provoziert haben. Auch sollen fastende Kinder andere aufgefordert haben, ihr Pausenbrot wegzuwerfen und auch zu fasten.
„Was da in Kleve wohl passiert ist, ist eigentlich ein typisches Beispiel für das, was uns auch in unserer Forschung oft begegnet“, sagte Stein in dem Interview. Es gebe an Schulen interreligiöse Konflikte und intrareligiöse Konflikte, also auch zum Beispiel innerhalb der muslimischen Community. Schülerinnen und Schüler würden beispielsweise gemobbt, weil sie vermeintlich zu wenig streng fasten oder kein Kopftuch tragen.
Lehrkräfte mischen sich „ungern ein“
Lehrkräfte seien bei diesen religiösen Konflikten sehr ängstlich, „mischen sich da ungern ein, wenn der Konflikt von einem muslimischen Schüler ausgeht, weil sie sich, so sagen sie, im Islam nicht auskennen“, erklärte Stein, „Aber darum geht es gar nicht, was der Schüler denkt, was falsch oder richtig ist.“ Es gehe darum, pädagogisch immer Mobbing zu unterbinden. „Jeder kann glauben, was er möchte, aber er darf anderen das nicht aufoktroyieren. Es geht darum, die Freiheit des anderen zu achten“, sagte Stein.
Margit Stein ist Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta. Ihre Arbeitsbereiche umfassen unter anderem die Entwicklung von Werthaltungen und gesellschaftlichem Engagement, Religiosität, Migration, Interkulturalität und Radikalisierung.
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@Seltsam:
Schon aus zeitlichen Gründen kann ich die Sache nicht vollständig darstellen.
Deshalb fehlen Ihnen als jemand, der nicht dabei war, wichtige Informationen, die für eine angemessene Bewertung notwendig sind.
Zum Beispiel war der Teilnehmer, der sich so positiv über die Zeugen Jehovas geäußert hat, selber kein Zeuge Jehovas, hat aber schon ein „Bibelstudium“ mit ihnen gemacht.
Und mein Einwand war nur ein Zwischenruf und musste deshalb mit meinen zwei Worten kurz und knapp sein. USW. …
Letztlich wollte ich vermitteln, dass ich durchaus für eine einfühlsame Missionierung bin und ich versuche, mich selber daran zu halten.
Liebe Grüße
Aku
Vielen Dank, dass Sie trotz Zeitknappheit noch mal geantwortet haben. An Ihrer guten Motivation zweifle ich nicht, ich fand es einfach bemerkenswert, dass ein kurzer Zwischenruf so heftige Reaktionen auslösen kann, also die Gefahr von Missverständnissen in sich trägt, vielleicht gerade weil er so kurz ist. Daran zeigt sich, wie schnell Kommunikation schief gehen kann wie hilfreich es sein kann, selbst und gerade bei kurzen Zwischenrufen eine abwertende Formulierung zu vermeiden, sondern kreativ zu sein, wie man es kurz aber sachbezogen ausdrücken kann.
“ Ich finde das nicht schlimm, enthalte mich aber, meinerseits eine Prognose über ihre Zukunft zu machen, es würde nichts bewirken, ich will aber ja in Kontakt bleiben. Eher versuche ich, immer besser zu verstehen, wie sie ticken und fand es z.B. schon gut, wie eine der beiden Frauen meine Sicht spontan mit „Interessant“ kommentierte und die andere sie schief anguckte und schnell darüber hinwegging. “
Danke, Seltsam, ich finde Ehrlichkeit immer gut.
Mir scheint aber, dass Sie die beiden Zeuginnen Jehovas missverstanden haben.
Außerdem , wie viel Aufrichtigkeit steckt darin, wenn man zugibt, dass man zu verstehen versucht, wie “ die Leute ticken “ ?
Man mag sich noch so sehr verstecken , verbiegen, oder anpassen, meistens kommt das eigentliche Wesen zum Vorschein.
Zu einer Kommunikation in so einem Forum gehört doch, dass andere mitlesen, d.h. man kann voneinander lernen, dabei werden aber auch Dinge präsent, die weniger gut sind. Es kommt also darauf an, dass man andere wertschätzt, um eine gute Kommunikation zu pflegen.
Den Begriff „Ticken“ kann man ja tatsächlich sehr verschieden deuten, insofern hätte ich es besser ausdrücken können. Ich wollte mich möglichst kurz fassen, weil ich hier schon so sehr viel gepostet habe. Ich verwende den Begriff einfach als Zusammenfassung dafür, wie ein Mensch sich wohl selbst sieht, was ihn antreibt, was ihm wichtig ist. Dazu gehört für mich auch, nachzufragen um mehr zu erfahren. Das kann ja ganz anders sein, als ich gedacht habe.
Dabei verstecke ich mich in solchen Gesprächen nicht, ich sage schon meinen Glauben, aber ich kennzeichne eben meine Sicht als meine Sicht und setze Glaubensaussagen bewusst nicht absolut. Also ich sage „… ich glaube es so und so…“ und sage extra nicht „…so i s t es und nicht anders….“ Dass ich dann bei meinem Glauben bleibe, halte ich nicht für Verstecken. Aber das Gegenüber hat dann leichter die Gelegenheit zu sagen, „…aus meiner Sicht ist es aber eben anders…“ Dann haben wir nicht sofort Streit miteinander, sondern haben nur verschiedene Meinungen, Ansichten, Weltanschauungen.
Danke,
Sie sind sehr höflich.
“ Ich verwende den Begriff einfach als Zusammenfassung dafür, wie ein Mensch sich wohl selbst sieht, “
Natürlich war mir das klar, aber es ist trotzdem ein Begriff, der recht abfällig konotiert ist.
Es ging mir darum, zu zeigen, dass Perfektion eben so ihre Tücken hat, denn man kann es missverstehen,
“ Dazu gehört für mich auch, nachzufragen um mehr zu erfahren. Das kann ja ganz anders sein, als ich gedacht habe. “
Nur dass man hier kaum Antworten erhält, aber da heißt es wohl : `Der Ton macht die Musik`, wobei der schrille Ton hier allzu oft die gepflegte Kommunikation zu stören scheint.
“ Aber das Gegenüber hat dann leichter die Gelegenheit zu sagen, „…aus meiner Sicht ist es aber eben anders…“
Dagegen ist nichts einzuwenden, nur gelingt das leider nicht immer, weil eine Diskussion hier nicht auf einem solch hohen Niveau, wie Sie es beschreiben, statt findet. Bis auf gelegentliche Ausnahmen, die es natürlich auch gibt.
“ (…) aber ich kennzeichne eben meine Sicht als meine Sicht und setze Glaubensaussagen bewusst nicht absolut. “
Das wäre auch nicht angebracht, denn über absolute Wahrheiten lässt es sich nicht gut diskutieren, b.z.w. es findet darüber bestenfalls ein Schlagabtausch statt, der vllt. sehr hitzig endet.
“ Dass ich dann bei meinem Glauben bleibe, halte ich nicht für Verstecken. “
Nein, eine Haltung, oder Meinung beizubehalten, ohne dabei auszuflippen, ist eine Stärke,.
„Verstecken “ kann auch Strategie sein, auf der Suche nach etwas Verbindendem.
“ Verschiedene Meinungen , Ansichten , Weltanschauungen “ sind vor allem dann ein Ärgernis, wenn sie die Kommunikation behindern, weil die Toleranz fehlt.
Und der gemeinsame Nenner nicht durch populistische Tendenzen torpediert wird
@Seltsam:
Echte Christen lieben Gott und die Menschen!!!
Das ist sehr viel mehr als etwas stehen zu lassen!!!
Echte Christen können durch das Wirken des Heiligen Geistes in ihnen sogar die größten Sünder und Verbrecher als Menschen lieben, ohne die Sünden und Verbrechen stehen zu lassen!!!
Wahre Liebe zu Gott und den Menschen zeigt sich gerade darin, dass man die Wahrheit in Liebe vermittelt und nicht alles stehen lässt!!!
Eine andere Sichtweise ist natürlich kein Verbrechen.
Aber trotzdem kann ein LIEBEVOLLER DIALOG NOTWENDIG SEIN, damit möglichst JEDER zur Erkenntnis der Wahrheit kommt.
Liebe Grüße
Aku
Mit „ Stehen-lassen“ habe ich mich auf die Erfahrung bezogen, das eben viele Menschen sofort bewerten wollen, also auch z.B. im Gespräch ein fremde Religion oder eine andere Weltsicht einfach sofort als falsch oder sündig taxieren (vielleicht weil sie sich davon in Frage gestellt fühlen). Dann kann aber keine Diskussion, kein Dialog entstehen. Das kann man ja sicher leicht verstehen, denn wer möchte schon als Gesprächsgrundlage erleben, bereits verurteilt zu sein. Eine wertschätzende Atmosphäre ist Einstiegsvoraussetzung für einen Austausch, da sind wir ja einig. Es ging konkret im Artikel und ebenso in meinem Kommentar um die Konflikte an Schulen, die Konflikte zwischen Menschen, die überhaupt gar nicht im konstruktiven Austausch sind. Da erst mal eine Basis zu schaffen, ist eine große Aufgabe. Dabei kann es in diesem Kontext des Miteinanders an Schulen nicht um Missionierung gehen. Aber mit Stehen-lassen ist ja nicht gemeint, keine eigene Meinung zu haben oder sagen zu dürfen. Es geht ja gerade darum, sich über die eigene und die fremde Sichtweise auszutauschen. Den eigenen Glauben soll man nicht unter den Tisch fallen lassen, aber eben als das sagen, was er ist – der eigene Glaube. Dem eigenen Drang aber zu widerstehen, das Gegenüber sofort zum eigenen Glauben bekehren zu wollen, kann ein Zeichen von Demut sein, von wahrer Liebe. Wie gesagt, ich spreche von Konfliktsituationen, die gerade dadurch entstehen, dass Menschen zunächst oft noch nicht einmal bereit sind zuzuhören. Also ganz weit am Anfang eines angestrebten Dialoges.
Was Sie als Ziel vor Augen haben, ist natürlich für mich als Christ verständlich, aber es führt kein Weg daran vorbei, dem Gegenüber seine eigene Weltsicht wertschätzend zuzugestehen. Und dann außerdem zu realisieren, dass die eigene Glaubenssprache, die vertraute Bibelsprache nicht unmittelbar verstanden wird. Um da überhaupt verstanden zu werden, muss man einfühlsam wahrnehmen, wie denn das Gegenüber meine Worte versteht. Wenn dann mein eigene Glaube einladend und ermutigend wirkt, ist es ein Geschenk.
@Seltsam:
Mit LIEBE und WERTSCHÄTZUNG lasse ich Ihre Aussagen stehen!!! ♥️ ♥️ ♥️
Ich möchte nur etwas aus meinem Leben erzählen:
Meine Kommunikation mit anderen Menschen ist von der jeweiligen Situation abhängig.
Zum Beispiel rede ich mit einem Menschen, der eine geistige Einschränkung hat, TEILWEISE ANDERS als mit einem Theologie-Professoren.
Obwohl für mich beide als Menschen gleichwertig sind!!!
Aber die persönlichen Lebensumstände sind teilweise unterschiedlich.
Zurzeit mache ich bei einem mehrwöchigen Glaubenskurs mit.
Ein Teilnehmer hat sich schon mehrfach positiv über die Zeugen Jehovas geäußert. Ich habe das immer stehen gelassen und keine Kritik geäußert. Diese Woche hat er sich wieder positiv über die Zeugen Jehovas geäußert und ich habe wieder nichts gesagt.
Aber eine andere Person hat gemeint, dass die Zeugen Jehovas sich gut in der Bibel auskennen würden.
Und daraufhin sagte ich nur: „Oberflächlich betrachtet!“
Dann schrie mich der Teilnehmer, der sich positiv über die Zeugen Jehovas äußerte, an, und nannte meine Aussage „abwertend“.
Ich wollte dann ein paar Mal meine Aussage belegen, aber der andere Teilnehmer wollte nichts davon hören.
Also habe ich längere Zeit gewartet, damit sich die Gemüter beruhigen konnten.
Schließlich konnte ich nach etwas Zeit meine Aussage doch noch belegen.
Ich bin also keineswegs der Meinung, dass man die Bibel den Menschen um die Ohren schlagen soll und bemühe mich durchaus, den Glauben an den Herrn und Retter Jesus Christus mit LIEBE zu bezeugen!!!
Aber ich bin auch nur ein fehlerhafter Mensch.
Liebe Grüße
Aku
@ Aku: Vielen Dank für Ihr Beispiel. Offensichtlich hat der Herr Ihre Einwendung sofort als Angriff auf sich gesehen. Das geschieht ja oft und überall im Alltag, dass Menschen etwas als Angriff verstehen, das nicht unbedingt so gemeint sein muss. Dann geht es inhaltlich nicht weiter, sondern man hängt fest in (oft gegenseitigen) Verletzungen. Hilfreich ist es, die eigenen Aussagen auch als eigene Sichtweise deutlich zu machen, etwa in der Art: „Ich sehe das anders“ , „Aus meine Sicht sehen die Zeugen Jehovas die Botschaft der Bibel nur unzureichend“ oder „Ich möchte die Deutung der Bibel durch Zeugen Jehovas in Frage stellen“ oder ähnliches. Auf jeden Fall würde so eine Aussage mehr Raum geben für das Gegenüber, er würde sich vielleicht nicht persönlich angegriffen fühlen. Gerade die Zeugen Jehovas sind ja in ihrem Engagement oft sehr intensiv, insofern mag der Vorwurf von Oberflächlichkeit dort besonders hart treffen (und es ist auch aus meiner Sicht eine ziemlich abwertende Wendung) Denn es ging Ihnen, so lese ich heraus, ja nicht darum, dies persönliche Engagement zu kritisieren sondern die Auslegung und Deutung der Bibel. Diese Ihre Absicht war aber in Gefahr unterzugehen. Manchaml muss es erst um den guten Kontakt gehen, bevor es um die Sache selbst gehen kann.
Deine Methode, das immer deutlich als persönliche Meinung zu kennzeichnen, ist sicherlich eine gute.
Ich frage bei so etwas gern nach, bitte um konkrete Beispiele und gehe dann auf diese ein. So bleibt es oft auch sachlicher.
Aber genau wie ihr beide denke auch ich nicht, dass man seine eigene Ansicht verschweigen sollte.
Wobei ich Diskussionen mit ZJ etwas fruchtlos finde. Allerdings lehnen sie eh oft Diskussionen mit Noachiden wie mir ab. Bei einer ihrer Strassenmissionen sind sie sogar schon mal weggerannt. :-))
Sachlich Nachfragen mache ich ja auch, aber dann kommt man ja irgendwann auf die kontroversen Punkte, wo die Sachlichkeit oft gefährdet ist. Mir geht es darum, die Sachebene und die Gefühlebene sauber auseinander zu halten. Die eigenen Aussagen nicht absolut zu setzen sondern als eigene Sichtweise kenntlich zu machen, soll ja gerade dem sachlichen Austausch helfen, konstruktiv zu bleiben (bzw. erst zu werden.) Inhaltlich geht es mit Zeugen Jehovas ja wirklich nicht allzu tief. Sie haben ein Raster an vorgefertigten Antworten parat. Gerade, wo ich meinen Glauben bekenne, sehen sie mich in der Gefahr verloren zu gehen und sagen das auch. Ich finde das nicht schlimm, enthalte mich aber, meinerseits eine Prognose über ihre Zukunft zu machen, es würde nichts bewirken, ich will aber ja in Kontakt bleiben. Eher versuche ich, immer besser zu verstehen, wie sie ticken und fand es z.B. schon gut, wie eine der beiden Frauen meine Sicht spontan mit „Interessant“ kommentierte und die andere sie schief anguckte und schnell darüber hinwegging.
Zeugen Jehovas sind wirklich ein besonderer Fall. Ich habe mir längere Diskussionen mit ihnen abgewöhnt, u.a. auch aus den von Dir genannten Grund, dass es eben nicht tief gehen kann.
Ich bin bei Glaubensdiskussionen im realen Leben vor allem neugierig. Insbesondere wenn ich eine Glaubensrichtung nicht oder kaum kenne.
Mit Akzeptanz habe ich da meist keine Probleme. Mein eigener Glauben ist nicht missionarisch. Meine Andachtsgruppe ist ebenfalls nicht missionarisch sondern begegnet sehr unterschiedlichen Glaubensrichtungen immer respektvoll.
Eigentlich habe ich nur 2 Triggerpunkte: Antisemitismus und wenn ein Dritter irgendwie geschädigt wird.
PS: Ich bin ja Noachide. ZJ sind streng genommen ebenfalls Noachiden, da sie die 7 noachidischen Weisungen weitestgehend befolgen. Sie mögen aber gar nicht hören, dass ein Nicht-ZJ ihnen sagt, dass sie nach seinem Glauben alles wesentliche richtig machen. 🙂
PPS: Natürlich habe ich reichlich Kritik an den ZJ, die teilweise auf sehr persönlichen Erfahrungen ( eine frühere Freundin wurde ZJ) basieren.
Wenn man mit diesem, immer größer werdenden Problem, richtig umgehen würde und es genügend echte CHRISTen gäbe, könnte das eine gute Möglichkeit zur Diskussion über Religion etc. führen … Ansonsten wird es immer mehr zum Sprengstoff in unsrer Gesellschaft. Weil dies ähnlich bei politischen Themen, leider schnell fanatisch wird. HERR erbarm Dich über die wachsen-de Blindheit in USA und Europa …
„…leider schnell fanatisch wird…“ In diesem Punkt stimme ich Ihnen zu, dass es sowohl bei politischen als auch religiösen Themen allzu schnell fanatisch wird. Wie würde nach Ihrer Meinung eine gute Diskussion aussehen, z.B. im religiösen Bereich? Würden Sie mir zustimmen, das es für solche konstruktive Diskussion notwendig wäre, die jeweils andere Sichtweise wertschätzend wahrzunehmen und sie nicht sofort als ungläubig zu canceln? Sondern zunächst als fremde Sichtweise stehen zu lassen ohne sie als gut oder schlecht zu bewerten?
„Jeder kann glauben, was er möchte, aber er darf anderen das nicht aufoktroyieren. Es geht darum, die Freiheit des anderen zu achten“, sagte Stein.“ – Genau das halte ich auch für das Entscheidende. Dazu müssen Lehrkräfte sich nicht weiter im Islam auskennen. Sie müssen die Mobbingopfer, die Angegriffenen wirksam schützen, sich also einmischen und nicht wegsehen. Dabei wird es wohl in der akuten Situation nicht um argumentative Kommunikation gehen, sondern um klare Direktiven. Natürlich wäre es nützlich zu wissen, dass es im Koran heißt: „ Es gibt keinen Zwang in der Religion.“ Doch diese Vorgabe wird ja oft versucht mit anderen Versen auszuhebeln und in akuten Situationen wohl nichts nützen. Die Lösung liegt aber keinesfalls darin, den Islam an sich in Frage zu stellen oder Muslime davon wegbringen zu wollen. Sondern auf die Hintergründe, die Beweggründe zu sehen, also es zum Thema zu machen und nicht auf den nächsten Vorfall zu warten.
Jugendliche, besonders männliche sind argumentativ kaum zu erreichen, egal ob islamisch oder nicht. Und ich denke, heute sind viele junge Menschen von existenzieller Angst beeinflusst, die sie aber eben als männliche Jugendliche niemals zugeben würden. Sicher kommen bei Migranten noch mal weitere Existenzängste hinzu, die sie von zuhause mitbringen. Überforderung kann jeden Menschen ab einem gewissen Punkt gewaltbereit machen, davon darf sich niemand freisprechen (auch Christen nicht, das erwähne ich lieber noch mal extra)
Wieder einmal geht es um Kommunikation, also z.B. im Klassenverband oder im geschützten Rahmen beide (!) Seiten zu Wort kommen zu lassen, bzw. als Lehrende unterstützend zu helfen bei einem sachlichen wertschätzenden Austausch. Das kommt ja an Schulen sowieso zu kurz, konstruktive Kommunikation zu lernen, gegenseitige Wahrnehmung zu lernen, gegenseitige Wertschätzung zu lernen (letztlich wohl utopische Ziele, ist mir bewusst)
Wenn ich den Artikel lese, denke ich, es zeigt nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, und das Medium ist austauschbar: mal ist es das Feindbild „Ungläubige“, mal das Feindbild Islam, mal das Feindbild „woke“, mal das Feindbild „die da oben“, mal das Feindbild „die Ausländer“ usw. usw
Viele Menschen reagieren auf die ihnen zu komplizierte und bedrohlich wirkende Gegenwart mit Regression zur Angstreduzierung: klare Schwarz-Weiß-Muster zur einfachen Orientierung, Bewertung des Gegenübers in nur 2 Kategorien: richtig oder falsch, Rückzug auf die eigene Gruppe, Ruf nach sofortiger und eindeutiger Lösung, und was es da sonst noch für Mechanismen gibt.
Frustration aushalten geht nicht, Rücksicht nehmen geht nicht, selbst Warten können geht oft nicht (zeigt sich z.b. in Wartezimmern bei Ärzten)
Mehrdeutigkeit geht nicht, Offenheit geht nicht, Zuversicht geht nicht.
Ich kann deiner Analyse nur zustimmen.
Aber der Fall in Kleve zeigt auch noch ein Problem: Unsere Mediengesellschaft und wie sie kleinste Themen aufbauscht, wenn es nur ein Triggerthema ist.
Was war passiert: Ein paar Fünftklässler haben sich gestritten, eine Lehrerin vielleicht nicht gerade pädagogisch perfekt reagiert. 2 Mütter haben das dramatisiert.
Beides ist Alltag. Das erste gab es schon immer, so sind Fünftklässler. Sie streiten auch nicht immer politisch korrekt.
Diese überfürsorglichen Mütter sind ein eher neueres Problem. Aber heute wohl auch eher die Regel.
Was wurde daraus: Fast alle Medien berichteten über den Streit der Fünftklässler (und bauschten da kräftig auf), der Landtag beschäftigte sich damit, Wissenschaftler*innen nahmen Stellung usw.
Das ist doch verrückt.
Sicherlich gibt es solche Probleme. Neu sind sie auch nicht.
Aber Kleve ist da ein schlechtes Beispiel. 2 Mütter haben sich an BILD gewandt und schon wurde das gross aufgebauscht und ging dann auch noch durch viele weitere Medien.
Vor Ort in der Schule untersuchte man den Fall durch die Schulaufsicht und konnte da kein grosses Problem entdecken.
Fünft-Klässler haben sich ein bisschen gegenseitig provoziert und 2 Mütter haben wohl helikoptermässig den großen Skandal für ihre kleinen Lieblinge gesehen und nichts besseres gewusst, als sich an BILD zu wenden.
Kleve ist ein Beispiel so gut wie jedes andere.
Die zwei zitierten Mütter haben sich nicht nur an die Bild gewandt ( könnte mit der Verfügbarkeit und Bürgernähe der Bild zusammenhängen ), sondern in erster Linie an die Schule und das Schulministerium in Düsseldorf, das sich nun darum kümmert.
“ Vor Ort in der Schule untersuchte man den Fall durch die Schulaufsicht und konnte da kein grosses Problem entdecken. “
Solche tendenziösen Sätze sind , deiner Meinung nach, “ schöne Möglichkeit des Austausches “ ?
„. Das ist doch verrückt.“,
schreibst du , deine Sichtweise ist “ verrückt“.
Die Sache an sich mag etws aufgebauscht sein, weil nichts wirklich schlimmes passiert ist, aber es ist ein Thema, das relevant ist
. „Grundlage des Schullebens an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen ist ein respektvolles Miteinander. Daher nimmt das Schulministerium die geschilderten Vorwürfe ernst“, hieß es aus dem Schulministerium in Düsseldorf. Der Sachverhalt müsse aufgeklärt werden.“
WElt.de
Wenn du meinst, dass wenn sich ein paar 11jährige gegenseitig politisch unkorrekt gegenseitig äußern, dass das zig Zeitungen aufgreifen müssen, BILD (Bürgernähe? Meinst du, das beschreibt dieses Revolverblatt?) quasi den Katastrophenfall ausruft und sich damit der Landtag beschäftigt, dass das normal ist, dann haben wir beide sehr unterschiedliche Vorstellungen von Wichtigkeit.
Das gehört vor die Klassenkonferenz unter Einbeziehung der Schulsozialarbeit. Und das ist absolut ausreichend.
Natürlich gibt das Ministerium bei dem Presseecho ein paar Worthülsen von sich.
Ich verstehe deine Aufregung nicht.
Nehmen wir das “ Revolverblatt“ ? Ich lese es nicht, aber ich denke, wenn man etwas publik machen möchte, dann dürfte es ein guter Ansprechpartner sein.
Schulen sind solchen Konflikten gegenüber eher abgeneigt, so wäre das Thema vllt. schnell abgehackt worden.
“ Natürlich gibt das Ministerium bei dem Presseecho ein paar Worthülsen von sich. “
Warum nennst du das „Worthülsen “ .
Findest du , “ respektvolles Miteinander “ sei eine “ Worthülse „, also sinnentleert und bedeutungslos ?!
Ich verstehe die Aufregung nicht um einen Fall, der das einfach nicht hergibt.
Hast Du Dir mal überlegt, was da auch über die beteiligten 11jährigen jetzt hereinbricht? Hat du schon mal erlebt, wie z.b. BILD mit Kindern umgeht? Ich schon.
Und es waren die typischen Worthülsen des Ministeriums. So antwortet man, wenn man irgendwas sagen muss.
„Jeder kann glauben, was er möchte, aber er darf anderen das nicht aufoktroyieren. Es geht darum, die Freiheit des anderen zu achten“, sagte Stein.“
Das ist der eigentliche Aufhänger, um den sich hier alles dreht, auch für mich.
Das “ Triggerthema „, das du meinst , ist mir wohl entgangen.
Meintest du den Ramadan ?
Es ist wirklich unklar, was du meinst.
Mir geht es darum, dass sich hier mehrere 11jährige (!!!) gegenseitig verbal an einer Schule etwas angemacht haben. Und was daraus dann gemacht wurde.