Menschenwürde, Aufklärung, Christentum: Kirchenhistoriker Volker Leppin erklärt, warum das moderne Europa ohne biblische Tradition nicht denkbar ist.
Die Vorstellung von der Würde des Menschen stammt laut dem Kirchenhistoriker Volker Leppin aus der biblischen Tradition. Diese Tradition bilde die Grundlage für die Menschenrechtsdiskussionen des 18. Jahrhunderts und den modernen Rechtsstaat, sagte Leppin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das moderne Europa mit Aufklärung, Wissenschaft und Sozialstaat wäre ohne das Christentum nicht entstanden.
Leppin, der an der US-Elite-Universität Yale lehrt und zuvor an der Universität Tübingen arbeitete, beschreibt in seinem neuen Buch «Gottesspuren» eine «Entzauberung» der Welt durch die Aufklärung. Das Bewusstsein, «dass Gott überall sein und mir an jeder Ecke begegnen kann», sei verloren gegangen, sagte er. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sei Gott für die Menschen sehr präsent gewesen. Heute sei er in den westlichen Gesellschaften für viele nur noch «irgendwo ganz weit weg im Himmel».
Mehr Raum für Religion
Eine säkulare Gesellschaft müsse der Religion Raum geben, sich zu entfalten, fordert der evangelische Theologe. Der heutige Säkularismus sei mit 250 Jahren eine relativ kurze Erscheinung in der Menschheitsgeschichte. Er laufe Gefahr, andere Kulturen und die eigene Vergangenheit zu verdrängen.
Die Aufklärung sei dennoch unverzichtbar. Sie habe entscheidend dazu beigetragen, religiös begründete Gewalt einzudämmen. Leppin betont, er wolle nicht hinter die Aufklärung zurückfallen. Sein Ziel sei es, «die Dinge, die von der Aufklärung verdrängt wurden, wieder in den Blick zu rücken».
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