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Präses Latzel: „Die Welt ist überfordert mit sich – weil sie nichts als sich kennt.“

Zum Anlass der Landessynode 2026 hat Präses Latzel sieben Impulse vorgetragen – jeder beschäftigt sich mit einer anderen Herausforderung der Kirche in der heutigen Zeit.

In Bonn hat am vergangenen Freitag die Landessynode 2026 des Rheinlands begonnen. Präses Dr. Thorsten Latzel ordnete dabei verschiedene Herausforderungen in den kirchlichen Kontext ein. Hier ist das Wichtigste aus den Impulsen zusammengefasst:

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Die Bewahrung der Schöpfung

Auch wenn die Bewahrung der Schöpfung, von Ökologie, Klima und Arten, politisch derzeit in den Hintergrund rückt, ist sie für den Präses eine der zentralen Herausforderungen der Menschheit. „Wir brauchen ein fundamental anderes Selbstverständnis. Eine neue Schöpfungs-Spiritualität“, führte Präses Latzel aus. „So wie bei der Fastenzeit brauchen wir eine Zeit geistlicher Umkehr im Blick auf die Schöpfung: Wofür lebe ich? Was brauche ich wirklich? Was hinterlasse ich Positives?“


Diakonie gegen Einsamkeit

Der Präses betonte die Notwendigkeit eines neuen Lebensstils: Gemeinschaft wider die wuchernde Einsamkeit, Gerechtigkeit im Kampf gegen die noch immer zu große Armut in der Gesellschaft. Aber auch die Zuwendung zu Körper, Leib und Seele im diakonischen Verständnis: „Diakonie steht für eine heilvolle Verwandlung von Krankheit, Sucht und Problemen. Die diakonische Dimension spielt für uns als kleiner werdende Kirche eine zentrale Rolle. Wir leben als dankbar Beschenkte, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.“

Vertrauen wiederherstellen

„Vertrauensverlust ist eine der größten Herausforderungen für die liberale Demokratie“, so Präses Latzel. Für die Vertrauenskrise und Bedrohung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Systems gebe es verschiedene Ursachen. Wichtig sei, was die Kirche diesem Prozess entgegensetzen könne: „Das Wesen der Kirche besteht darin, eine in Christus gründende Vertrauensgemeinschaft zu sein.“ Augenfällig werde dies im hohen sozialen Engagement von Kirchenmitgliedern – über die Kirche hinaus. Im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext sei in der Vergangenheit Vertrauen in die Kirche massiv missbraucht und zerstört worden. „Prävention, Intervention und Aufarbeitung haben bei der Evangelischen Kirche im Rheinland daher allerhöchste Priorität.“

Feindesliebe

Angesichts der verschärften Sicherheitslage und der neuen Wirklichkeit des Krieges trat Präses Latzel für einen verantwortungsethischen Realismus, Widerstand gegen die Willkür von Großmächten und zugleich eine neue Friedensfähigkeit ein. „Wir müssen Entfeindung lernen.“ Mit den weltweit gigantischen Rüstungsausgaben steuere die Menschheit komplett in die falsche Richtung. Das Geld fehle im Kampf gegen Armut und Klimawandel. Zum friedensethischen Engagement gehöre auch, dass sich die Kirche bei der Wehrpflichtdebatte aktiv einbringe, alternative Dienste stärke und junge Menschen in ihren Gewissensentscheidungen seelsorglich beratend begleite.

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Trennung von Gott und Religion

Religion ist nach Latzel insgesamt herausgefordert durch Säkularisierung einerseits und politische Instrumentalisierung andererseits. Die Frage nach Gott stelle sich für viele nicht mehr, auch nicht in der modifizierten Form der Sinnfrage. Man könne auch ohne Gott ein glückliches, gesundes, moralisches Leben führen. Die täglichen Nachrichten zeigten aber: „Die Welt ist überfordert mit sich – weil sie eben oft nichts als sich mehr kennt.“ Dabei brauche es eine deutliche Differenzierung von Religion und Gott: „Religion mag nicht notwendig sein. Aber Gott ist es. Als die eine, allumfassende schöpferische Liebe.“ Eine andere Herausforderung sei die Instrumentalisierung von Religion, die sich an verschiedenen Stellen weltweit zeige – etwa bei Islamisten, der Legitimierung des Ukraine-Krieges durch die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche oder bei den Evangelikalen in den USA, die Trump als messianische Figur feiern und seine Großmachtpolitik stützen. Präses Latzel widersprach scharf diesem Missbrauch von Religion. Seine klare Haltung: „Imperialismus wie Nationalismus lassen sich nicht christlich rechtfertigen. Sie sind schlicht ein Ausdruck menschlicher Gier, sprich: Sünde.“

Hoffnung

„Unser Gemeinwesen ist auf Hoffnung angelegt“, so ein für Latzel entscheidender Leitgedanke. Zukunftsmut werde auch bei den notwendigen Reformprozessen in der Kirche gelebt und begegne einem vielfältig in den Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Entwicklung hin zu einer kleineren Kirche, die weiter für andere da ist. Das schließe auch schmerzhafte Abschiede von Wichtigem und Wertvollem ein, etwa im Finanzprozess der Landeskirche. Entscheidend sei jedoch, „dass Menschen uns als relevant für ihr Leben erfahren, dass sie Trost, Hilfe erfahren, dass wir Hoffnung vermitteln“.

Menschlichkeit

„Warum wurde Gott Mensch? Damit wir es – um der gesamten Schöpfung willen – auch tun. Gott wird Mensch, damit wir das mit unserem Menschsein auf die Reihe bekommen.“ In der Menschwerdung zeige sich das wahre Wesen Gottes als sich selbst hingebende, allumfassende Liebe. Das widerspräche zutiefst der menschlichen Selbstüberhebung, sich für die Mitte des Universums zu halten. „Gerade in Zeiten des Umbruchs, in denen die Maßstäbe der Menschlichkeit verschwimmen, ist es wichtig, daran zu erinnern.“
 
 Hier geht es zum ungekürzten Präsesbericht.

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8 Kommentare

  1. Eine schöne Rede von Herrn Latzel mit den sieben Punkten, eine sehr schöne Rede. Schade nur, dass ihr keine Taten folgen werden.
    Aber das war ja auch nicht Sinn der Sache – es ging wohl eher darum, die Synodalen zu beeindrucken …

  2. Gott liebt das Leben

    Liebe Roswitha Steffens, um auf Ihren zweiten Satz zurück zu kommen: Ich lese derzeit die Jahrzehnte alten Bücher von Hoimer von Ditfurth, hier beispielsweise mit dem Titel „der Geist fiel nicht vom Himmel“! Da wurde mir so völlig klar, dass man eigentlich blind, taub und stumm sein muss, um willentlich nicht mit logischem Denken sowie auch Liebe begreift, dass das wunderbare Leben nicht – wie in einem alten Sinnbild beschrieben – zufällig nach dem Urknall entstand, weil Millionen Affen in Milliarden Jahren sinnlos auf Schreibmaschinentasten schlugen – heute sind es die Computertasten – und dann entstand am Ende noch nicht einmal eine Seite eines Romanes. Ein bewusst atheistisch schreibender Astrophysiker machte dies am Ende seines Buches geradezu in seinen Schlusskommentaren ratlos. Es war so, vor 13,7 Milliarden Jahren explodierte ein kleiner Punkt unendlicher Dichte und mit fast Null Ausdehnung und heute treffen wir auf eine wunderbare Villa, wo uns die Kellner zu einem herrlichen Büffet einladen. Der Autor wollte hier ausdrücken, dass er nicht versteht, wie so etwas bis ins Kleinste geplante und letztlich im Innenleben völlig Unverständliches auch in seiner Funktion, so etwas wunderbares wie unsere Natur erschuf. Immerhin ist heute theologisch unstrittig, dass die erste Offenbarung Gottes durch die Natur erfolgte, dann durch das Volk Israel und zuletzt durch die Menschwerdung Gottes. Wenige Fragen hat daher Gott schon beantwortet: Das Sein existiert nur, weil es wichtiger ist als das Nichts. Unphilosophisch: Gott liebt uns und genauso alles Leben. Leider tut es bei diesen Formulierungen mir in der Seele weh, wie wenig wir Gott lieben, seine Werke und die Mitmenschen. Wir sind erlösungsbedürftig.

    • Gott ist die Liebe, die sich in ein Menschenherz ergießt, um es für sich zu öffnen, sodass sie in Jesus das Leben findet, nach dem er sich so sehr sehnte. Die Ewigkeit ist kein Vergnügen für den Menschen, solange sie sich aus den falschen Gründen ergibt. Sie wird jedoch zum unendlichen Reichtum, sobald sich ihre Ordnung in seiner geistigen Entwicklung offenbaren kann.

  3. Ist das nicht alles schrecklich diesseitig?
    Eindeutig theologisch falsch ist sein Satz: „Warum wurde Gott Mensch? Damit wir es – um der gesamten Schöpfung willen – auch tun. Gott wird Mensch, damit wir das mit unserem Menschsein auf die Reihe bekommen.“
    Jesus, die sichtbare Offenbarung Gottes wurde Mensch um uns zu erlösen, denn das Diesseits ist vergänglich, die Ewigkeit bleibend.

    • Ist nicht Jesus gerade in diese „schrecklich-irdische Diesseitigkeit“ gekommen? Wo Sie meinen, es sei eindeutig theologisch falsch, sage ich, Hr Latzel betont einen wichtigen Aspekt der Menschwerdung und dadurch lehnt er ja die anderen Aspekte überhaupt nicht ab, ist also nicht theologisch falsch. Und vor allem nicht christlich falsch. Möglicherweise verstehen Sie die Erlösung ja nur aus Ihrer eigenen Sicht heraus, nicht komplett so, wie sie Gott gemeint hat (so wie letztlich jeder Mensch, ich auch) Ich denke, es wäre schlecht von der Kirche, wenn sie auffordern würde, nur einfach fromm dazusitzen, die Bibel rauf und runter zu lesen, bischen Almosen für die Diakonie zu geben und sonst vor allem nur auf das Jenseits zu warten.

    • Die Klimakrise zu vergessen ist lebensgefährlich

      Lieber Ekkehard: Was ist an Latzels Predigt einseitig diesseitig? Gleichzeitig kann ich aber hier deutlich sagen, jeder darf den christlichen Glauben gerne als sehr kurze Zusammenfassung plakativ zusammenfassen. Allerdings wenn wir doch wohl alle an die Bibel glauben (auch wenn sie immer ausgelegt werden muss am Neuen Testament), so ist ihre Existenz als Glaubensbuch doch sicherlich von Gott so gewollt und sie stellt uns in ihrem Reichtum auch heute vor wesentliche Fragen und größte Aufgaben. Ich kann notfalls durch ein Schlüsselloch in ein Zimmer sehen, aber den vollen Blick erhalte ich, wenn ich im Glauben als große Hoffnung auf Gott und Erlösung, auch die schöne Reichhaltigkeit der Welt wahrnehme. Mich hat hier die erste Bemerkung im Text aufmerksam gemacht, die dann lautet: „Auch wenn die Bewahrung der Schöpfung, also von Ökologie, Klima und Arten, politisch derzeit in den Hintergrund rückt, ist sie für den Präses eine der zentralen Herausforderungen der Menschheit. >Wir brauchen ein fundamental anderes Selbstverständnis. Eine neue Schöpfungs-Spiritualität, (führte Präses Latzel) aus. „So wie bei der Fastenzeit brauchen wir eine Zeit geistlicher Umkehr im Blick auf die Schöpfung: Wofür lebe ich? Was brauche ich wirklich? Was hinterlasse ich Positives?“< Ich halte dies für sehr essentiell, denn wenn wir auf diesem Planeten als Menschheit überleben wollen, dann darf das Klima nicht an die zweite, die dritte oder gar letzte Stelle der Prioritätenliste rücken. Wir kennen und wissen wenig von anderen Planeten, aber auf unserer guten Erde hat unsere Natur ein wunderbares Netzwerk erschaffen, Wunderwerke Gottes und sogar der hirnlose Baum weiß völlig genau, wann er im Herbst die Blätter abwerfen muss. Natur und Leben ist etwas, was uns anvertraut ist, solange wir hier auf Erden leben. Dies ist unser Auftrag seit dem Garten in Eden.

      • Der Fokus auf der Menschwerdung Jesu liegt lt. Mt. 20, 28 darin,“ dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele“ Und Johannes der Täufer beschreibt Jesus so: Joh. 1,29: „das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Es geht um Erlösung, etwas das wir Menschen nie selbst tun können. – Damit habe ich nicht gesagt, was „Seltsam“ vermutet: nur fromm da zu sitzen und die Bibel zu lesen. Über die Aufgaben der Christen geben die NT-Briefe deutlich Auskunft.

  4. Gerade kämpfe ich in mir als Mensch um sein Geburtsrecht!

    Als biologisches Wunderwerk einer Natur, die in Gott beschlossen hat, wer sich damit auseinandersetzen muss, was das eigentlich für die Menschheit bedeutet, ist dieses Wunderwerk aus Zeit und Raum wohl einer geistigen Überlegenheit geschuldet, die sich aus ihrem Herz ergibt.

    Was unterscheidet den Menschen in seinen geistigen Grundlagen von ihrem Geburtsrecht, das bereits durch Jesus vorweggenommen ist, um von dem Vaterherz (Gott) gefunden zu werden, der ihm (Jesus) mit seiner Geburt ihr (Mutterherz) als sein Geburtsrecht vermitteln kann?

    Das würde bedeuten, die Wiederauferstehung von Jesus ist als Geburtsrecht der Menschheit verewigt, die sich aus seiner Geburt und ihrer Einheit zusammensetzt und Gott als Vater aller Gläubigen als ihre Mutter hervortritt. Im Grunde findet die Ewigkeit im Dialog mit der Kirche als Staat ihren Anspruch, sodass sie als größt mögliche Gemeinschaft das Herz tilgen kann, dem sie verbunden bleibt.

    Lange Zeit dachte ich, Gott ist dieses Herz, doch nun glaube ich, es gibt viele Herzen, die im Einklang mit Gott die Zeit erfüllen konnten, die es, dieses Herz brauchte, um sein Geburtsrecht für die Mutter einzusetzen, der es geschuldet ist. Die Kirche als Mutter und der Staat als Vater einer Generation Jesus, die sich in ihrem Wunsch nach seinem Leben in der Sehnsucht wiederfindet, die von der Liebe zu Gott gestillt werden konnte. Bis meine Zeit im Umgang mit ihren Voraussetzungen beschlossen war, blieb mir das Leben, dem ich wirklich alles verdanke, was ich liebe, treu.

    Mit dieser Erkenntnis schrieb ich auf, was mir blieb, damit es nicht verloren gehen möge. Dank sei Gott, dem Herrn und allen Menschen, die wie ich an das glauben, was sie (noch) nicht sehen können und anerkennen, dass diese Grenze nicht überschritten werden kann. Diese Grenze im Glauben führt die Menschheit im Umgang mit ihrer geistigen Herausforderung an die Sprache(n) heran, deren Anzahl sich aus einem Menschen ergibt, der sich in ihrem Verständnis um sein Vertrauen bemüht und dabei erfolgreich für Jesus wirbt.

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