Nach außen alles im Griff, innen drin voller Zweifel – Psalm 119 zeigt: Solche Momente gehören zum Glauben dazu. Und man muss sie nicht verstecken.
Von Oliver Helmers
Manchmal lese ich in meiner Bibel und stolpere über Texte, die ich verwirrend finde. Psalm 119 gehört für mich definitiv dazu. Ich lese ein paar Sätze und denke: Was hat sich der Beter dabei gedacht? 176 Verse und kein Ende in Sicht. Aber es ist nicht nur die Überlänge, auch der Inhalt: Mal klingt es nach Begeisterung, dann wieder nach Verzweiflung.
Die lateinischen Begriffe „Desparatio“ (Verzweiflung) und „Esperatio“ (Hoffnung) liegen eng beieinander – diese Worte eines Theologieprofessors habe ich noch im Hinterkopf. Und ja, so scheint es auch hier zu sein: In einem Moment schwärmt der Beter über seinen Glauben („Glücklich die Menschen, die sich zu Gott halten“) und in der nächsten Sekunde liegt er wieder ganz am Boden („Meine Seele weint vor Kummer“). Ja, was denn jetzt? Stabilität sieht anders aus!
Chaotisch wie das Leben
Kein Wunder, dass manche Ausleger Psalm 119 ein „buntes Mosaik“ genannt haben. Und das war keineswegs immer positiv gemeint. Im Gegensatz zu Psalm 23, der die Hörer auf eine Wanderung mitnimmt, ist Psalm 119 alles andere als wunderbar geordnet und rund. Er wirkt eher zerrissen, sprunghaft und chaotisch. Schaut man allerdings genauer hin, steckt in dieser scheinbaren Unordnung
große Kunst. Denn Psalm 119 ist ein alphabetisches Gedicht. 22 Strophen, jede folgt einem Buchstaben des hebräischen Alphabets, von Aleph bis Taw. Und jede Strophe hat acht Verse, die alle mit demselben Buchstaben beginnen. Das ist kein Zufall, sondern Absicht. Der Beter strukturiert seine Sehnsucht nach
Gott entlang der Buchstaben – von A bis Z, könnte man sagen.
Alles, was er erlebt, alles, was er denkt und fühlt, findet in dieser Ordnung Platz. Mich beeindruckt das. Während ich beim Lesen manchmal ratlos bin („Wie soll man sich da durchkämpfen?“), spüre ich zugleich: Der Beter kämpft ja selbst. Er ringt um Worte, um Glauben und mentale Stabilität. Und er ordnet sein Ringen zwischen die Buchstaben, als hätte er das Bedürfnis, seine Zerrissenheit in eine göttliche Struktur einzubetten …
Wenn ich darauf achte, merke ich, wie vertraut mir diese innere Bewegung ist. Auch mein eigener Glaube ist selten geordnet. An einem Tag bin ich voller Gottvertrauen und am nächsten spüre ich nur Müdigkeit und Distanz. Mal weiß ich genau, warum ich glaube. Dann wieder fühle ich mich leer, und Gott scheint mir weit weg. Vielleicht ist genau das im Psalm aufgeschrieben: dieses Auf und Ab, das Spannungsfeld zwischen Lob und Klage, Zuversicht und Zweifel. Der Beter versucht, seinem Glauben Form zu geben, auch wenn seine Seele schwankt.
Er bringt seine Zerrissenheit sortiert zu Papier – und versucht sich dabei immer wieder an den Halt zu klammern, den er für sich gefunden hat. Psalm 119 ist, wenn man so will, der Psalm eines Mannes, der nicht aufgibt. Er schwankt, das ja. Aber er bleibt eben auch dran. Er hält das Gespräch mit Gott offen. Und gerade das macht ihn mir so sympathisch.
Die Bibel ist keine fertige Antwort
Ich glaube, viele Menschen kennen dieses Schwanken, auch wenn sie selten darüber sprechen. Nach außen stehen wir oft da wie Menschen, die alles im Griff haben – Beruf, Familie, Glauben. Aber innerlich wissen wir: Es gibt diese Tage, an denen wir dringend Halt bräuchten. Tage, an denen Bibelverse fremd klingen und Gebete hölzern wirken.
Nicht immer ist es einfach zu unterscheiden, ob es sich nur um eine vorübergehende Phase handelt oder ob man sich bewusst auf die Suche nach Hilfe und neuen Wegen machen sollte, um Gottes Nähe (wieder) zu finden. In jedem Fall finde ich es aber tröstlich, dass auch ein Beter aus der Bibel solche Zeiten kennt und seine Unsicherheit nicht verdrängt, sondern in sein Gebet hineinschreibt – Buchstabe für Buchstabe.
Für ihn war Gottes Wort nicht eine fertige Antwort, sondern eine Sehnsucht. „Lehre mich, Herr, den Weg
deiner Gebote.“ Das ist kein stolzes Wissen, sondern ein ehrliches Bitten: Hilf mir, dass ich dich nicht verliere. Je länger ich Psalm 119 lese, desto weniger empfinde ich ihn als chaotisch. Im Gegenteil – er wirkt auf mich zunehmend wie ein Abbild des Lebens selbst. Niemand glaubt von A bis Z in gleichmäßigem Ton. Wir alle schwanken.
Wir brauchen Worte, um dieses Schwanken auszuhalten. Vielleicht ist dieser Psalm genau dafür da: Er erinnert mich daran, dass Glaube kein gerader Weg ist, sondern ein Gespräch, das weitergeht – auch dann, wenn man ins Stammeln kommt. Ein immer wieder neu festhalten und – ich liebe diesen Ausdruck – „Vertrauen fassen“.
An Gott dranbleiben inmitten der Widersprüche
Und vielleicht ist das sogar die tiefste Botschaft dieses scheinbar überlangen, manchmal ermüdenden Psalms: Zwischen Aleph und Taw ist Platz für alles – für Begeisterung, Müdigkeit, Vertrauen, Zweifel und den stillen Wunsch, dass Gott bleibt, auch wenn ich mich selbst verloren habe. Wenn ich so lese, dann klingt Psalm 119 plötzlich ganz menschlich. Gar nicht mehr überzogen, gar nicht mehr „frommer Überschwang“. Sondern wie das Tagebuch eines Menschen, der lernen will, Gott zu lieben – mitten in seinen Widersprüchen. Und ich merke: So will ich auch glauben. Nicht glatt, nicht fehlerlos. Sondern ehrlich.
Oliver Helmers ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aldingen.
Dieser Artikel ist in dem christlichen Männermagazin MOVO erschienen. MOVO ist eine Zeitschrift des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.
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Gott handelt nicht gegen eigene Naturgesetze
Vielleicht ist die ganze Angelegenheit auch in wechselnden Stimmungen geschriebene Texte der Bibelautoren begründet. Es sind eben, insofern es sich um Glaubenserfahrung und innere Gottesbegegnung geht, dann doch eben auch Überlieferungen von Menschen. die – wie beschrieben – ihren Text codieren – Stimmungen beschreiben die sie selbst haben – es sind und bleiben keine Botschaften, die so wörtlich vom Himmel fallen. Selbstverständlich steht dies nicht im Widerspruch dazu dass die Bibel immer Gottes Wort ist. Genauso ist Gottes Wort, was die Berufschristen in jeder Kirche predigen, aber es unvollkommen aus dem Mund jener Menschen kommt. In Gott selbst – und in seinem Geist – insbesondere wenn er uns bewegt, sehe ich stets die völlige Vollkommenheit. Aber keinesfalls immer in seinen Boten und dies bedeutet nicht sie seien unzuverlässig, aber sie sind immerhin Menschen. Daher ist es legitim und zielführend, die ganze Bibel auszulegen an Jesus Christus und seinen Worten und Werk. Dies scheint mir genauso schwierig, oder trotzdem auch genauso einfach zu sein. Ich glaube und vertraue hier in erster Linie nur Gott und dann auf jenes was ich lese. Aber dies steht daher nicht immer, unbedingt und zwangsläufig im Widerspruch zu dem, was hier unser Himmel mir sagen möchte. Wenn ich dies so schreibe trage ich so ein Gefühl mit mir, dass andere Mitchristen diese meine Worte wieder nicht verstehen können oder möchten. Dabei schreibe ich dies in dem Wissen, dass mein Inhalt eigentlich auch pure Selbstverständlichkeit sein darf. Wenn ich das Prinzip der Wortwörtlichkeit betreibe, muss ich mit den Widersprüchen leben, oder ich biege alles so hin, damit es passt. Zahnersatz sitzt manchmal locker, aber mit der Bibel, wenn sie uns schon aus sehr guten Gründen heilig ist, sollte man sorgsamer umgehen, also niemals beliebig. Das einfache Beispiel ist die Beschreibung von Petrus, der über das Wasser gehen kann, solange er Vertrauen in Jesus hat. Ich vermute mal sehr laienhaft, dies sei Sinnbild für Vertrauen. Genauso wie bei dem Berg der notfalls zum Propheten geht, statt umgekehrt. Und selbstverständlich glaube ich, dass ich große Dinge erleben kann, wenn ich Gott jedenfalls vertraue und er Großes tut. Aber es wäre furchtbar unlogisch, falls Evangelikale dies glauben wollen, dass Gott auch unsere Naturgesetze gestaltete und sie nicht einfach außer Kraft setzt. Viele Wunder wird man nie erklären können, aber es gibt keine Wunder, die es nicht geben könnte. Niemand kann fliegen, Jesus hat so niemals Arme wieder eingesetzt, oder Köpfe. Er sagte vielmehr kurz vor seiner Kreuzigung „wer das Schwert gebraucht, wird auch durch das Schwert umkommen“! Kausalität ist Gottes Wille. Dass der Baum im Herbst seine Blätter abwirft, ist ein großes Wunder, dass jener Baum dies weiß, auch wenn es durchaus erklärlich ist. Eben weil Gott die Welt und damit alles Sein erschuf und alle Funktionen. Albert Einstein war davon sehr überzeugt, dass Gott niemals würfelt. Aber so einfach ist es niemals, denn in der Quantenphysik löst sich jede Kausalität – zumindest (nur) für unseren Verstand – leider ebenfalls auf. Allerdings funktionieren Quantencomputer nie mit Quanten (sich überlappenden denkbaren Wahrscheinlichkeiten). Da kommt schlicht unser Gehirn an Grenzen und Gott verschließt diese. Es kann niemand Unendlichkeit verstehen. Oder Gott ist höher als alle unsere gute Vernunft.
Wenn Gott strikt nur innerhalb der Naturgesetze handelt, was bleibt dann von der zentralen Hoffnung des Glaubens? Wie erklären Sie unter dieser Logik die Auferstehung von Jesus Christus am dritten Tag – und unsere eigene? Dann wird die Auferstehung plötzlich zu einer schönen, aber erschreckend schwachen Vorstellung: kein kraftvolles Handeln Gottes, sondern ein Bild, das wir mühsam hineininterpretieren müssen. Die Hoffnung wird klein, fast mitleiderregend – und genau hier zeigt sich, wie sehr Ihr Argument die biblische Botschaft entkräftet.
Gerne meine an Adrian formulierte Antwort
Nein, eben nicht. Die Auferstehung Jesu, oder auch unsere Auferstehung, ist doch als Wille Gottes auch ein Naturgesetz, obwohl es so zu bezeichnen vielleicht etwas irregeleitet wäre. Nicht alles was ich hier vernünftig äußere, will doch den Glauben als großes Vertrauen überhaupt nie demolieren. Mir hat in jungen Jahren ebenso der sehr guter Hinweis eines Theologen geholfen, der mir dort empfahl, die falschen Krücken des Glaubens sehr mutig wegzuwerfen. Wenn ich mich ganz dem Willen Gottes freiwillig und gerne hingebe, habe ich öfters die Erfahrung gemacht, dass hieraus sehr echte Freiheit erwächst. Ich denke dann entsteht Urvertrauen, dass diese Bezeichnung verdient. Aber wenn ich überall immer böse Theologen oder andere vermute, die aus dem Apfel des Glaubens angeblich die sehr faulen Stücke herausschälen, dann bliebe eines Tages wirklich nichts mehr übrig. Aber mein Glaube darf nicht das Gegenteil von Vernunft sein, denn ich halte die Überzeugung für vernünftig, dass die Existenz Gottes notwendig war für die Existenz des Seins und weil es Gott gibt, dessen Wesen nie jemand erklären könnte, kann ich nie tiefer fallen als in seine Hände. Was will ich also mehr. Ich muss den Glauben nicht retten, ich muss Gott nicht retten und ich brauche keine Krücken. Gott rettet mich nur aus Liebe und er hat es bereits getan. Selbst manche Theologen, die einige für geradezu atheistisch halten, sind immer sehr fromme Leute gewesen. Vielleicht liegt dies zumeist daran, dass theologisch ein Mythos kein Märchen ist. Nur ist es für einige Menschen leider auch schwierig, nie richtig einordnen zu können, aus welchen guten Gründen die Bibel immer ausgelegt werden muss, zumal wenn man Jesus und seine Worte ernstnimmt und dieses die Perspektive auf mein Gottesbild positiv verändert. Ich brauche die Existenz Gottes nicht zu retten, umgekehrt wird ein Schuh hieraus. Aber ich denke, dass jeder Mensch als Christin oder Christ immer das Recht besitzt, durch seine eigene Glaubensbrille auch ein subjektiv eigenes Gottesbild zu haben. Dies glaube ich zuversichtlich, hält der Schöpfer aller Dinge aus. Damit meine ich keine metaphysische Interpretation des Glaubens, sondern die wesenhaft ist für das Göttliche, nämlich seine Liebe. Für mich ich Ethik wichtig, wobei ich nicht meine, in dieser Frage dürfe es keine Meinungsverschiedenheiten geben. Wobei Ethik nie bedeutet Werkgerechtigkeit zu praktizieren, sondern Jesu Willen nur aus Dankbarkeit gerne auch zu tun.
Zwischen „Naturgesetz“ und „Wahrscheinlichkeit“ – Wo bleibt das Wort Gottes?
Beim Lesen Ihrer verschiedenen Beiträge – insbesondere im Kontext Ihrer Antwort auf den Artikel „Kann man wirklich an die Auferstehung glauben?“ vom 5. März – drängt sich mir ein wesentlicher Punkt auf: Sie versuchen, den christlichen Glauben mit den Naturgesetzen und der menschlichen Vernunft zu harmonisieren. Doch dabei verstricken Sie sich in Widersprüche.
In Ihrem Kommentar vom 7. März bezeichnen Sie die Auferstehung noch als „wahrscheinlich“. Nur zwei Wochen später, hier im aktuellen Artikel, deklarieren Sie sie plötzlich zum „Naturgesetz des Willens Gottes“. Merken Sie nicht, dass Sie damit das Evangelium in eine bloße Theorie verwandeln, die sich je nach argumentativem Bedarf biegt? Ein Gott, der nur „wahrscheinlich“ gehandelt hat, ist ein Gott, dem man nicht sterbend vertrauen kann. Wenn die Auferstehung nur ein „sinnbildliches“ Ereignis ist, dann ist auch unsere Rettung nur sinnbildlich – und damit wirkungslos gegen die reale Macht von Sünde und Tod.
Gott lässt sich nicht von unserer Logik einfangen. Wenn er Naturgesetze aushebelt – man denke an Gideons Vlies (Richter 6) oder den zurückweichenden Schatten (2. Könige 20) –, dann tut er das, um sich als der Herr zu erkennen zu geben, der eben nicht an unsere Kausalität gebunden ist. Gott beweist seine Gottheit gerade dadurch, dass er gegen jede „Wahrscheinlichkeit“ das Grab sprengt.
Indem Sie biblische Wunder zu „Sinnbildern“ herabstufen, machen Sie die menschliche Vernunft zum Richter über das Wort Gottes. Das ist die klassische Theologia Gloria – der Versuch, Gott durch das eigene Denken und „innere Zusammenhänge“ zu begreifen, anstatt ihn dort zu suchen, wo er sich uns wirklich offenbart: im Skandal des Kreuzes. Aber Gott offenbart sich nicht in unseren logischen Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Am Kreuz bricht jede menschliche Kausalität zusammen.
Der christliche Glaube beginnt dort, wo der Mensch erkennt, dass er am Ende seiner Möglichkeiten steht. Wir werden nicht durch „subjektive Gottesbilder“ gerettet, sondern allein durch das externe Wort, das uns von außen trifft (extra nos): „Dir sind deine Sünden vergeben.“
Es geht nicht darum, Gott vor dem Tribunal unserer Vernunft zu rechtfertigen. Gott muss nicht gerettet werden – wir müssen es. Und diese Rettung geschieht nicht durch unsere Einsicht, sondern allein durch den Glauben an den Christus, der die Toten lebendig macht und das Ruhende aus dem Nichts ruft.
Wenn ich deine Posts so lese, scheinst du Gewissheit zu suchen. Es muss so und so sein, insbesondere wenn es in der Bibel steht. Bekommt das logische Risse, würde alles ins Rutschen geraten.
Ich will der Gewissheit etwas anderes mal gegenüber stellen: Vertrauen
Vertraue einfach in Gott. Auch wenn manches nicht stimmig ist. Es gibt keine Sicherheit der Erlösung, auch nicht für Christen. Aber man kann Gott vertrauen, dass er schon alles richtig macht.
Dazu gibt es sogar eine Jesusstelle: Glaubt wie die Kinder.
Kinder sind keine Theologen und haben sicherlich auch nicht die ganze Bibel im Kopf. Und sie fragen und hinterfragen gern. Aber die haben in aller Regel ein Grundvertrauen.
Die Sicherheit der Erlösung ist keine Frage der persönlichen Stimmung, sondern eine Frage der Wahrhaftigkeit Gottes.
Wie jeder wiedergeborene Christ kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, dass ich erlöst bin. Nicht, weil ich schlau bin, sondern weil Gott mir die Rettung unmittelbar nach dem Sündenfall versprochen (Genesis 3,15) und mit Jesus am Kreuz ein unumstößliches „Es ist vollbracht!“ zugesprochen hat. Ich muss nicht „ins Blaue hinein“ hoffen – ich weiß genau, wem ich vertraue: Jesus Christus.
Wenn Jesus die Kinder als Maßstab setzt, meint Er nicht deren Naivität, sondern das pure Empfangen. Ein Kind lebt allein von der Zusage des Vaters. Wer diese Sicherheit ablehnt und durch ein vages „Gott macht das schon“ ersetzt, macht Gott zum Lügner, der Sein eigenes Wort nicht hält. Ein Gott, der sich nicht festlegt, rettet niemanden.
Ich muss mein Leben auch nicht mühsam mit der Bibel „zusammenhalten“ oder sie als Physikbuch missbrauchen. Ob Gott die Welt in Millisekunden oder Milliarden Jahren erschuf, ist mir egal – ich kenne den Schöpfer, und dieser Schöpfer ist mein Erlöser. Das genügt.
Ich mache Gott nicht zum Lügner. Ich glaube nur nicht, was die Christen über ihn sagen und glauben.
Das ist ein Unterschied.
Sie sagen, Jesus habe keine Körperteile wiederhergestellt? Lukas 22, 50–51 widerlegt das prompt: Er heilte das Ohr des Knechts des Hohenpriesters mit einer Berührung. Wunder, die „menschlich unmöglich“ scheinen, gehören also doch zu seinem Handeln – genau das, was Ihr Argument völlig unterläuft.
Sie sprechen von „besonderer Erkenntnis“, die den Glauben festigen soll. Die Bibel selbst weist jedoch in eine andere Richtung: Nicht unsere Erkenntnis macht uns frei, sondern Christus selbst. Wie es in Johannes 8,36 heißt: „Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.“
Der Glaube gründet nicht auf inneren Einsichten oder verborgenen Zusammenhängen, sondern auf Gottes Zusage – auf dem, was er für uns getan hat. Wir sind nicht deshalb gewiss, weil wir alles verstehen, sondern weil Gott handelt und sein Wort hält.
Wiedergeborene Christen leben daher nicht aus immer neuer „Erkenntnis“, sondern aus der Verheißung: dass wir durch den Heiligen Geist versiegelt sind (Epheser 1,13). Diese Gewissheit kommt von außen zu uns – nicht aus uns selbst.
Gerade darin liegt die Freiheit des Evangeliums: Wir müssen uns die Wahrheit nicht erarbeiten. Sie wird uns geschenkt.
Entschuldigung, ich habe leider versäumt, meinen Kommentar direkt als Antwort an Herrn Reichelt zu posten.
Simple Antworten führ(t)en dazu, dass die Kirchen und Gemeinden immer leerer werden. Im christlichen Glauben geht es nicht um ein Leben nach dem Tod (das gab es seit jeher), sondern um befreites, glückliches Leben hier auf dieser Erde. DAS ist das Evangelium. Alles andere ist Weltflucht!
Zum Glück kann man den Glauben festigen, durch Erkenntnis der Wahrheit. Leider werden Wahrheiten kaum in den Kirchen und Gemeinden vermittelt, da man da doch recht anspruchslos ist: Man kommt ja eh´in den Himmel… Pustekuchen! Menschen sollten sich um Erkenntnis der Wahrheit bemühen, die ALLEIN frei macht! – „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“, sagt Jesus. Damit aber meint er nicht die „Banalität“, dass Menschen an ihn glauben. Nein, es geht um innere Zusammenhänge!
Woher kommt denn immer diese Idee, es ginge um die Erkenntnis bestimmter Zusammenhänge?
Jesus selbst ist die Wahrheit (Joh 14,6); Ihn zu (er-)kennen macht frei (von Sünde und ihren Folgen).
Aber das ist einigen anscheinend zu „einfach“. Gnostische (Irr-)Lehren kamen schon in den ersten Gemeinden auf.
Unser Erkenntnis ist (auch biblisch) nur minimales Stückwerk
Lieber Stefan.Gottsucher.De: Es geht, zumindest mir nicht, um irgendwelche gnostische Irrlehren, sondern dass man die Bibel auslegen müsste, weil sie unerklärlich Dinge nicht erklärt, aber in Bildern ausdrückt. Gott wird ja auch nicht erklärt wie der Dornbusch am Gottesberg funktioniert, in dem sich Gott auch deutlich zu erkennen gibt. Außerdem können wir durchaus, wenn auch nur in geringer Reichweite, die Wirklichkeit dieser Welt real betrachten. Aber leider nur durch die enge Brille unseres Gehirns und selbst das Auge leitet nur 1% seiner Reize an unser Gehirn weiter. Allerdings jenes Denkorgan ist auch ein Geschenk Gottes, aber es nötigt uns per Reichweite sehr viel gute Demut ab. Niemand könnte Gott insofern erkennen, in dem er aus ihm eine Formel macht. Dann wäre er nie Gott, nur Projektion unserer jeweiligen Vorstellung. Die innere Wahrheit Gottes, seinen Heiligen Geist, oder mögliche menschliche Verliebtheit in Gott, liegt nie auf der Ebene von Erkenntnis, sondern der Beziehung. Es ist so wie bei der Beschreibung von Liebe. Für den Nihilisten ist dies einfach nur ein bioelektrischer Vorgang im Gehirn. Für mich ist Liebe (Gottes) die Grundlage dafür, dass wirklich alles existieren. Weder der bioelektrische Vorgang im Gehirn (auch als Bewusstsein) ist in letzter Konsequenz erklärbar, hier genauso wenig wie Gott selbst. Wir können Gott nur subjektiv erkennen, nämlich in einer inneren Begegnung, die aber eine besondere Qualität von Wahrheit deshalb besitzt, weil beispielsweise Blinde niemals die Farben sehen, aber Sehenden jene Gabe haben. Geistlich Blinde können Gott nicht erkennen und niemand kann ihnen einen bösartigen Vorwurf machen. Der banale Lutheraner glaubt (auch wenn es nie völlig logisch ist), dass Gott zu finden darin besteht, dass auch dieses Wollen und Vollbringen, wie alles Tun und Denken von uns, immer eine Ursache im Wollen Gottes hat. Wenn Gott nie gewollt hätte, dass ich ihn finde, hätte ich es auch nicht getan. Aber dies ist zugegeben eher Philosophie und niemals wirkliche Erklärung. Aber diese Gedanken sind daher nicht gnostisch, weil sie keine Geheimlehre wären, niemals einer Einweihung bedürfen, oder gar Bemühungen solcherart, die heute in Psychosekten noch stattfinden.
Bekanntlich ist das Universum voller Subjekte/Objekte und ihrer Beziehungen miteinander. Wahrheit habe ich, wenn ich zumindest Subjekte/Objekte unterscheiden kann. Einfaches Beispiel, einen Baum von einem Strauch. Aber nun gibt es viele Bäume und Sträucher und kaum einer wird sie alle kennen, aber immerhin einige. Dann wird er sagen, das ist eine Eiche, aber das eine Buche usw. Um bei den Bäumen zu bleiben, sie sind ein Bestandteil eines Ökosystems. Auch hier kann ich einiges wissen, das mit der Realität übereinstimmt. Und so ist es auch mit der Bibel, die Hinweise auf die Realität gibt, aber nicht selbst die Realität ist. Und Wahrheit habe ich also dann, wenn „das Wort“ in der Realität verorten kann und z.B. die Beziehungen dieser Realität zu ihrem „Ökosystem“ erkenne. Wenn z.B. von einer unsterblichen Seele gesprochen wird, dann beinhaltet dieses Sprachen, dass die Seele bereits VOR der Geburt existiert und auch nach dem physischen Tod existeren MUSS. Alles ander ist unlogisch und damit Unsinn.