Dr. Thomas de Nocker berät Bistümer und Landeskirchen. Er fordert mehr Tempo bei notwendigen Veränderungen – und die werden „richtig wehtun.“
Wenn Sie einen radikalen Veränderungsprozess für die Kirche ausrufen dürften: Welcher bisher „heilige Gral“ müsste zuerst infrage gestellt werden – und warum?
Thomas de Nocker: Ich bin ganz vorsichtig, die Kirchensteuerfrage zu stellen. Die Kirchensteuerfrage ist nicht das Grundübel. Ohne sie wäre gar kein Geld mehr im System. Kirche versteht sich sehr, sehr stark als eine fast staatliche Organisation. So lange sie sich als eine Art Institution versteht, die auf Ewigkeit angelegt ist mit dem Berufsbeamtentum und langwierigen Regelungen, ist das ein Problem. Die bloße Fusion eines Kirchenkreises dauert fünfzehn Jahre. Diese Zeiträume haben wir heute eigentlich nicht mehr zur Verfügung. Kirche muss an Tempo zulegen, um in den radikalen Veränderungen, die eigentlich nötig sind, nicht unter die Räder zu kommen.
Die Kirche beklagt einen rapiden Mitgliederverlust, aber gibt es Ihrer Erfahrung nach Strukturen, die diesen Trend sogar (unbewusst) beschleunigen? Welche blinden Flecke tauchen in Beratungsgesprächen am häufigsten aus?
(spontan) Ein Problem ist, dass immer versucht wird, es allen Leuten recht zu machen. Wenn die Kirche ein Automobilunternehmen wäre, würde sie heute noch den Trabant produzieren, weil es ja noch Personen gibt, die dieses Auto gerne fahren, die den Trabi wertschätzen. Kirche sitzt im Bild gesprochen noch in Arbeitsgruppen und überlegt synodal, ob das Thema Elektromobilität nicht doch eines wäre, welches man vielleicht in den nächsten Jahren mal auf die Tagesordnung setzen sollte. Kirche ist herausgefordert, mutige Entscheidungen zu treffen. Das ist schmerzhaft. Kirche wird Leute vor den Kopf stoßen müssen, die sich engagieren, die Mittel mitbringen, die sonntags noch in den Gottesdiensten sitzen. Der Knackpunkt ist: Man will Veränderung, aber man scheut den Konflikt.
„Kirche muss an Tempo zulegen, um in den radikalen Veränderungen, die eigentlich nötig sind, nicht unter die Räder zu kommen.“
Machen Sie es mal konkret …
In einem Ort im Westmünsterland sollte vor einigen Jahren eine von zwei Kirchen geschlossen werden, weil nur noch Bedarf für eine vorhanden war. Eine Bürgerinitiative ging auf die Barrikaden. „Diese Kirche ist wichtig!“ „Da sind wir getauft worden!“ „Da haben wir geheiratet!“ Doch in diese Kirche ging niemand mehr, die kostete nur noch Geld. Die Bürgerinitiative sammelte Spenden und Sponsorengelder. Acht lange Jahre wurde dieses Gebäude künstlich am Leben erhalten, dann ging der Initiative das Geld aus. Für einen hohen sechsstelligen Betrag wurde sich Zeit gekauft, ohne dass eine Perspektive oder ein Konzept vorhanden war.
Sie beraten seit Jahren Bistümer und Landeskirchen: Gibt es Innovationen aus der freien Wirtschaft, die die Kirche dringend übernehmen – und eine, die sie besser niemals übernehmen sollte?
(lacht) Was man übernehmen sollte, ist die Wirksamkeit in den Blick zu nehmen. Das ist nicht neu und auch nicht einfach. Kirche muss sich ehrlich machen. Ein Beispiel. Wir haben eine Jugendkirche. Die kostet im Jahr 700.000 Euro. Mit 6 Stellen erreichen sie vielleicht 70 Jugendliche. Ist das gut investiertes Geld, wenn wir damit theoretisch auch zehn Kitas unterhalten können? Wir brauchen ehrliche Diskussionen darüber, wie wir die begrenzten finanziellen, zeitlichen Ressourcen einsetzen. Was man nicht übernehmen darf, ist das Ganze in eine Exceltabelle zu stecken.
Was ist Ihrer Meinung nach die derzeit größte Illusion, die kirchliche Leitungsgremien in Veränderungsprozessen hegen?
Die eine Illusion ist, dass es eine Lösung gibt, die keinem weh tut. Man wird Entscheidungen treffen, mit denen man sich unbeliebt macht. Durch einen guten Prozess und gute Dialoge kann man die Konflikte abschwächen, aber Schmerzen bleiben. Es funktioniert nicht, dass wir so lange darüber reden, bis uns Gott allen das Gleiche sagt. Die andere Illusion ist, dass wir meinen, die Kirchensteuern fließen nach der Wirtschaftskrise wieder. Nein! Die Zeiten sind vorbei, wo wir mit Geld die Probleme lösen. Der finanzielle Rückgang verläuft zeitversetzt zum Mitgliederrückgang. Doch er wird wie eine Welle über die Kirche hereinbrechen.
„Die eine Illusion ist, dass es eine Lösung gibt, die keinem weh tut.“
Sie arbeiten an der Schnittstelle von Theologie und Betriebswirtschaft. Wo gerät die Kirche beim Thema Change-Management in die größte Loyalitätsfalle gegenüber Traditionen?
Ein ehemaliger Kölner Generalvikar hat vor 20 Jahren in einem Interview gesagt: Wir haben beim letzten Sparprozess eigentlich alles so gelassen, wie es ist, denn der Heilige Geist hat doch mitgewirkt bei dem, was wir so alles machen. So kann man sich auch ganz leicht aus der Bredouille reden. Kirche hat immer den Blick darauf, was ist. Und alles, was ist, hat Bestandsschutz. Doch Kirche muss die Frage stellen: Würden sie heute noch, wenn Sie nichts hätten, dieses Bildungshaus ins Leben rufen, diese Kirche bauen, diesen Gottesdienst feiern …? Wenn die Entscheidung dann lautet: Würden wir eigentlich nicht machen, dann ist die entscheidende Frage doch: Warum ist es noch da, wenn es nicht gebraucht wird? Wenn alles, was da ist, Bestandsschutz hat, kann sich Kirche nicht weiterentwickeln. Ein Jugendpastor hätte für einen Jugendgottesdienst gerne eine Nebelmaschine. Der Haushalt der Pfarrei liegt bei mehreren Millionen Euro. Das Geld geht drauf für Sekretärinnen, Hausmeister, Gebäudeunterhaltung. Für die Anschaffung der Nebelmaschine ist dann kein Geld da, weil man nicht den Willen aufbringt, eine der sieben leeren Kirchen zu verkaufen. Und das nächste Problem ist …
Oje! Probleme, Probleme, Probleme!
Leider! Stellen Sie sich vor, der junge Pastor würde jetzt die Nebelmaschine kaufen. Und dann würde das Konzept des Jugendgottesdienstes nicht aufgehen. Dann heißt es dort jetzt immer bei neuen Ideen: Du hast vor zehn Jahren 1.000 Euro für eine Nebelmaschine versenkt. Neun von zehn Innovationen gehen schief. Wir brauchen unbedingt eine Kultur des Probierens und pastorale Fuckup-Nights, Abende, an denen wir uns das Scheitern erzählen. Nur so kommt Kirche voran.
Wenn Sie für eine Woche Bischof oder Präses sein könnten: Welche entscheidende Maßnahme würden Sie sofort anstoßen, um die Kirche zukunftsfähig zu machen?
Ich will nicht tauschen. (lacht) Diese Jobs sind so anspruchsvoll. Wenn Sie Geschäftsführer eines Unternehmens sind, haben Sie viel Macht. Sie können große Entscheidungen treffen, Leute anstellen und entlassen. Der Jahresabschluss führt Ihnen vor Augen, ob Sie erfolgreich waren oder nicht. Kirchliche Führungskräfte hingegen müssen immer auf den Konsens achten, denn die Zahlen lassen sich nicht so einfach in Verlust und Gewinn umrechnen. Es ist total herausfordernd diesen Job zu machen, weil sie nur Softpower haben und in ganz vielen Gremien sitzen, die ihnen dann auch noch Steine in den Weg legen.
Von daher einfach weiter so?
(vehement) Nein, auf keinen Fall! Ich will niemanden entmutigen, aber ich würde noch deutlicher betonen, wo wir gerade stehen und den Angestellten, den Ehrenamtlichen und Gläubigen die Illusion nehmen, dass alles so bleiben kann, wie es ist. Ich bekomme ganz oft Doppelbotschaft zu hören: „Ja, wir werden weniger. Wir haben weniger Geld, weniger Personal, weniger Räume zur Verfügung. Ja, es wird schlimm, ABER trotzdem werden wir ein kraftvoller Player in der Gesellschaft sein.“ Nein! Wir werden in zwanzig Jahren Kirche in Deutschland nicht wiedererkennen. Wir werden kleiner und müssen vieles aufgeben. Das wird richtig wehtun.
Eine Nachfolge Christi ist auch möglich, wenn wir 10 Milliarden Euro weniger Kirchensteuer haben.
Das klingt ziemlich radikal?
Ist es auch! Doch eine Nachfolge Christi ist auch möglich, wenn wir 10 Milliarden Euro weniger Kirchensteuer haben. Das machen uns doch die Kirchen in vielen anderen Ländern der Erde vor.
Was ist für Sie die Ursache dieses tiefgreifenden Wandels? Wird zu wenig evangelisiert, zu schlecht gepredigt?
Nein, so einfach ist es nicht. Vor hundert Jahren wurde nicht mehr evangelisiert oder besser gepredigt. Nein, wir stecken in einer gesellschaftlichen Transformation. In den 50ern waren die Kirchen eine sozial verpflichtende Organisation. Da hat sich niemand gefragt, ob er in die Kirche geht. Mein Vater besuchte als Kind natürlich jeden Sonntag den Gottesdienst. Für mich gehörte es noch dazu, Messdiener zu sein. Das ist heute nicht mehr so. Die Tradition, das Muss, hat sich total aufgelöst. Gegen die Wahlmöglichkeit, die uns die freiheitliche Gesellschaft jetzt anbietet, kann Kirche nichts machen. Die Frage danach ist, wo ergeben sich Haltlinien. Und die haben punktuell etwas mit Qualität, Beziehung, Einsatz … zu tun. Und darüber können wir ins Gespräch kommen.
Wo steht die Kirche in zwanzig Jahren?
Papst Franziskus hat Kardinäle ernannt aus politisch unbedeutenden Bistümern. Er wollte damit deutlich machen: Hey, in euren kleinen Diözesen wird total viel Gutes gemacht. Er hat damit Kirchen, die an den Rand gedrängt werden, die wenig Mittel haben, die arm sind, in den Fokus gestellt. Kirche kann auch dort wirkmächtig, friedensstiftend, sinnstiftend und sozial prägend sein, wo sie klein ist. Natürlich wird am Ende im theologischen Sinne alles gut, das entbindet uns jedoch nicht davon, strategisch nach vorne zu schauen und mutige Entscheidungen zu treffen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Rüdiger Jope.
Dr. Thomas de Nocker ist BWL-Professor und leitet ein Beratungsunternehmen, das sich auf Kirche spezialisiert hat. Das katholische Sein sog er mit der Muttermilch auf. Als Kind gehört Messdienersein für ihn dazu. Als Missionar auf Zeit in Südafrika lernte er den christlichen Glauben nochmals ganz anders und persönlich zu buchstabieren.
Veröffentlichung auf Jesus.de mit freundlicher Genehmigung von Basecamp Magazin.

Stammtischbruder hat Recht. Die Kirche braucht Verkündiger der Botschaft Jesu. Menschenfischer mit einem brennenden, bekehrten Herzen.
Die Menschen müssen gelehrt werden was Sünde, Busse und Umkehr bedeuten. Den Menschen muss reale Hoffnung gegeben werden und die gibt es nur in Christus. Genauso wie Schuld und Unvergebenheit. Das muss in den Predigten verkündet werden. Dazu muss der Heilige Geist eingeladen werden. Also zurück zu den Anfängen. Zurück zur Urgemeinde. Zurück zu Jesus Christus!
„Kirche wird Leute vor den Kopf stoßen müssen“. Jesus war kein Softie, sondern hat die Menschen oft vor den Kopf gestossen.
„Verkündige das Wort, tritt dafür ein, zur Zeit oder Unzeit, widerlege, tadle, bitte, in aller Geduld, wo die Lehre es gebietet!“ ist ein der Aufruf aus der Bibel, aus dem 2. Timotheusbrief (4,2), auch wenn es unbequem oder unpassend erscheint. Ich habe Predigten erlebt, in denen nicht einmal der Name Jesus Christus erwähnt wurde. Da brauchen wir uns nicht wundern, dass die Kirchen sich auflösen!
Antwort an Von Heyking
Jesus war das liebende Angesicht Gottes. Wenn Sie Jesus als Anti-Softi beschreiben, dann vergessen sie, dass Gott als kleines Baby in einer Krippe auf die Welt kam (kleine Babys sind hilflos) und am Kreuz die Todesstrafe erlebte, er war (aus bewusster Entscheidung) wieder hilflos. Auch unser wiederkommender Christus wird nie mit Gewalt und himmlischen Heeren kommen, sondern als milder Herrscher, der nicht zum Gericht, sondern zur Erlösung erscheint. Das ganze Neue Testament verkündigt wie mit einem roten Faden, dass es bei Gott nicht um menschliche Macht geht, nie um Gewalt und Gott immer nur Liebe ist und so ein unendliches Universum erschuf und erhält. Das Kreuz ist unsere Erlösung und es ist eine in der Form sehr gewaltlose. Schlussbemerkungen: Erstens kann man sehr von Gott und Jesus reden, wenn man dies nicht religiös formuliert. Zweitens ist mir aber in meiner Praxis in Gottes Bodentruppe und Laie in 55 Jahre keine Predigt untergekommen, die Gott oder Jesus unerwähnt gelassen hat. Ich muss mit meinem Leben und mit den Worten Zeugnis vom Glauben ablegen, aber es steht mir nicht zu andere Menschen zu tadeln. Dies wäre auch kein Erfolgsweg, Reklame für die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu machen. Man sollte dies leben und es ist nicht immer einfach.
Lest mal die Prophetie aus Valdres, aus den 60er Jahren.
Die Prophetie einer 90 jährigen, tiefgläubigen Christin.
Wir müssen als Kirche an die Hecken und Zäune
Dr. Thomas de Nocker hat zwar gut formuliert, aber ich fand nirgends nur eine wirklich eigene Idee (auch von ihm), wo, an welchen Stellen und zudem mit welchem Ziel, konkret die großen Noch-Volkskirchen an Haupt und Gliedern reformiert werden müssten. Dies mit dem Wegfall bereits der Kirchensteuer darf man heute noch nicht sanktionieren, dann wäre wirklich keinerlei Geld mehr im System in Ev. Landeskirche und bei den Geschwistern der Katholischen Kirche. Ergo müsste der Staat, der jetzt nach dem sogenannten Subsidiaritätsprinzip vor Freien Trägern zurücktritt, dann alle Sozialstationen, Krankenhäuser und die Sozial- und Gemeinwesenarbeit nur selbst bewältigen. Es ist inhaltlicher Selbstläufer, dass dieses der Staat niemals möchte, auch nicht die Christinnen und Christen. Wenigstens nicht jetzt schon. Aber selbstverständlich ist auch stets Nachfolge Jesu möglich ohne jegliche Kirchensteuer. Aber es geht hier nicht um hohe Ideale, sondern die Macht des Faktischen, dass auch jeder kirchliche Arbeitgeber heute keinen Ast absägt, auf dem er selbst und die unzählige Mitarbeiter/innen sitzen. Dass Kirche zu langsam ist in ihren Prozessen – geschenkt – dies hat er mit Staaten gemein und ist soziologisch bedingt: Lange Züge brauchen viel Energie, um vollständig in Fahrt zu gelangen.
Nur paar wichtige Ideen, die ich hier fast wie die Wiederholung von der Wiederholung der Wiederholung immer wieder ausführe. Kirche/n müssen geistlich und organisatorisch immer reformiert werden. Aus einer – bei den Noch-Volkskirchen – fast vollständigen Komm-Struktur, muss diese hier durch eine Geh-Hin-Struktur DRINGEND ergänzt sein. Viele Kerngemeinden sterben, was soziologische Gründe (nicht nur Glaubensgründe) hat. Es gibt vielfach keinerlei Gemeinschaft durch Gruppen, Kreise, feste Angebote, durchaus aber überörtliche gutes Arbeiten, doch fehlt Menschen stets Gemeinschaft. Daher ist wichtig die Heiligen Hallen öfters zu verlassen, dort zu arbeiten (oder auch zu leben), wo die Menschen leben, arbeiten, ihre Freizeit verbringen, oder Urlaub machen. Es geht um die Hecken und Zäune, die Präsenz bei den Armen und wir brauchen nicht nur Tankstellen für die Elektromobilität, sondern geistig-geistliche Tankstellen. Was Menschen lieben und lange Zeit vergessen wurde, sind so geistliche Angebote wie Segnungen und Salbungen, Taufen als Feier für alle an Seen, Flüssen, am Meer oder im Schwimmbad. Man könnte sehr viel machen, mit etwas auch an Phantasie und Mut, was (fast) kein Geld kostet. Die Bruderschaft Taize und ihre jungen Leute haben immer schon mit armen Menschen in vielen Ländern auf Zeit zusammen gelebt, nicht um sie zu erziehen oder zu verändern, sondern alle Lasten zeichenhaft mit zu tragen. Alle Christen und Christinnen sind auch zum Dienst in der Welt. Die Fußwaschung Jesu (eigentlich eine Aufgabe in der Antike für Diener) war sehr zeichenhafte Zuwendung. Die Kirche Jesu Christi durch alle Konfessionen und Kirchenformen braucht neue Geistliche Formen, mehr als Gebäude oder Geld. Dies ist alles in einer vernetzten Welt nur wirklich möglich, wenn die unnötigen theologischen Gräben zugeschüttet werden und man hier wirklich Ökumene praktizierte. Die Jesuiten haben dies fast prophetisch in den 1970er Jahren vorhergesagt für die Zeit nach der Kirchensteuer, wenn ganz viele offene Gruppen bestehen, in denen Christinnen und Christen ihren Glauben ökumenisch und exemplarisch leben. Als Licht in unserer Welt.
Es ist sogar in diesem Zusammenhang wesentlich, dass hier Evangelische Orden bzw. Kommunitäten neuer Form gegen jeden Trend wachsen. Die kleine Prise Urgemeinde wäre segensreich, nicht fundamentalistisch und dogmatisch, sondern wenn Menschen hier vieles miteinander teilten.
Ich habe zu wenig Einblick in die katholische Kirche. Aber für die evangelischen Kirchen empfehle ich: Die örtlichen Gemeinden müssen gestärkt werden. Sie brauchen die Finanz- und Personalhoheit. Also: Ca 50% Kirchensteuer gehen in die Gemeinden, aber derzeit durch einige Siebe. Die Kirchengemeinden sollten für ihre Ausgaben und Schwerpunktsetzungen 50% der Mittel direkt bekommen. Das würde gewiss die Bezirksebenen schwächen bzw. auflösen, weil die Gemeinden dann entscheiden könnten und müssten, was sie im Verbund mit anderen wirklich gemeinsam wollen. Ich gehe davon aus, sie würden das Meiste nicht mehr finanzieren wollen. Und sie sollten selbst bestimmen können, wen sie für welche Aufgaben in den vollzeitlichen Dienst nehmen wollen. Auch müssten Ummeldungen von Gemeinden zu Gemeinden dauerhaft möglich sein und auch bei allen Zuweisungen entsprechend berücksichtigt werden.
Guter Anfang, @Hr Steeb,
aber warum nur 50% fuer die Oertlichen? Wieso nicht 70, 80, oder 90%? Vielleicht mit 50% anfangen und dann jedes Jahr 5% mehr, bis eine Transition von 90-95% erreicht ist? Aber wird nicht klappen (Pensions- und andere Verpflichtungen) und wo hat man schon mal gehoert, dass die Froesche den eigenen Sumpf trocken legen wuerden? 😂😂😂
Bei Freikirchen werden eher nur 4-8% fuer die Verbandsgeschichten abgefuehrt bzw Kopfpauschalen je Mitglied. Fast alles wird also subsidiaer von der Ortsgemeinde eingesetzt. Wesentlich robusteres System. Wer Quatsch macht, geht ein; die Schafe ziehen weiter …
LG Joerg
Gute Worte und gute Gedanken! Aber immer noch hängt es am Geld und weniger am Glauben. Ich bin in der Kirche, aber auch in einem christlichen Verein tätig der sich für Neuevangelisation stark macht. Das interessante dabei: Im Verein bekommen wir keine Kirchensteuer, aber haben immer so viel wie wir brauchen. Wir haben zwischenzeitlich mehrere Angestellte und arbeiten sehr erfolgreich. Der Herr versorgt uns … so einfach ist das.
Wenn ich dagegen mein Engagement in der Kirche betrachte: Es ist viel Geld da und es wird verschwendet für viel Unsinn. Da bekommt ein Pfarrer sein Denkmal für eine sechstellige Summe während man kein Interesse hat den Auftrag von Jesus zu erfüllen. Man gibt sich gigantische Satzungen, die aufwendig erarbeitet sind und trotzdem nicht das Papier wert sind auf dem sie gedruckt sind. Warum? Weil es politische Satzungen sind die Unsinn enthalten der so nicht gelebt werden kann. Schöne Worte die nicht stimmen weil man sie nicht einfordern kann.
Es wird viel Geld und Kraft verschwendet ohne das man ein sinnvolles Ergebnis bekommt. Und es ist auch nicht Auftrag der Kirche so etwas zu tun. Aber das will man nicht einsehen.
Ökumene, solide Kernkompetenzen und Glaubenswissen
Lieber EinFragender: Sicherlich hätte selbst Jesus (als Menschensohn) auch keinerlei Vorstellung von unseren Noch-Volkskirchen gehabt, die doch jedenfalls ursprünglich 90% aller Deutschen von der Wiege bis zur Bahre als Mitglieder umfassten. Nach einer Studie der 1970er Jahre über beide Großkirchen waren diese durch das (schnöde??!!) Geld stabil, auch weil kaum einer ausgetreten ist. Damit wiederum konnten in Trägerschaft Kitas, Sozialstationen, Diakonie/Caritas sowie die Krankenhäuser betrieben werden, wobei nicht die Kirchensteuern allein zur Finanzierung ausreichten. Dies knüpfte einen Regelkreis, dass Menschen auch mit dem Evangeliums erreicht werden konnten, auch in Kitas – zudem über Elternarbeit – über Konfi-Arbeit, Kasualien, Kultur usw.. Heute sind noch bis zu 3% in Kerngemeinden (Gottesdienstbesucher, Ehrenamtliche, Menschen in Kreisen, Gruppen und Initiativen), präsent, wo Menschen ihren Glauben exemplarisch leben. Lose Verbindungen gibt es zu mehr als 20% Bürger/innen hier auch bei Gottesdiensten an hohen hohen Feiertagen usw. Man mag dieses Ergebnis dann vielleicht hierdurch aber doch als zu gering einschätzen, es funktioniert aber anders als bei den Kirchen etwa in den USA, in der jeder wie in einem Verein Mitglied wird. Allerdings sind hier wir Deutschen aus sehr gutem Grund wachsam, dass nämlich Großspender in vereinsartigen Kirchen, in der jede Gemeinde ihre Pfarrer/innen selbst bezahlt, sich Einfluss auf das Wesen von Kirche und Gläubigkeit verschaffen könnten. Die Magabewegung wäre bei uns unmöglich. Die Staatskirche Hitlers war zu kriminell. Daher hat Kirchlichkeit ihren guten Sinn in einem Gegengewicht zum Staat, aber dann immer in einer Form kritischer Partnerschaft.
Oder wiederum anders wie bei Freikirchen, die auch im Verhältnis zu ihrer kleinen Mitgliederzahl auch nicht mehr Menschen für einen gelebten Glauben gewinnen können. Heute sind noch zutreffend bis zu 3% Kerngemeinde, aber situativ oder mit Erreichen der Volljährigkeit, sind durch den Wandel der Haltung zur Kirche leider nun sehr wellenartigen Austrittsbewegungen zugange, vielfache Austritte zudem mit Volljährigkeit. Dies alles wird die Kirchensteuer hier nicht verewigen können, weder die Kirchensteuer oder eine Freiwilligenkirche kann aber das Wunder vollbringen dass die Gotteshäuser an jedem Sonntag voll sind und alle Christen werden. Es waren sogar in Zeiten des Dritten Reich die Kirchen voller als heute, aber man kann von den Zahlen der Leute auf unseren Kirchenbänken nicht direkt auf eine echte Frömmigkeit schließen, da doch der Führer des Dritten Reiches nur das System der Unmenschlichkeit aufbauen sowie erhalten konnte, weil es so viele kleine (fromme??) Rädchen im Getriebe gab. Wo manche also zwei Herren dienten, also einer dem Ungeist. Es ist hier kein Königsweg. Wir Christen werden immer eine Minderheit bleiben. Aber wir sollten – in der Zeit mit und ohne Kirchensteuer – unsere Gräben zwischen den Frömmigkeitsstilen tunlichst bald überwinden. Eine Möglichkeit ist immer auch mehr Ökumene zu praktizieren und alle Kirchen dann in einem großen Netzwerk verbinden, in einer Einheit in der Vielfalt. Denn ein Zeugnis vor der Welt ist immer unsere Grundeinigkeit im Glauben und nicht jeder Streit über den Bart des Propheten erscheint sinnvoll. Auch alle Christinnen und Christen sowie Kirchen sollten an die Hecken und Zäune dieser Welt gehen. Wir benötigen also eine real gute „Geh-Hin-Struktur“. Dort wo die Menschen wohnen, arbeiten, ihre Freizeit und auch den Urlaub verbringen, sollten Christinnen und Christen auch teils mit ihnen leben.
Für eine Eindämmung der Bürokratie kann sie nie voll abgeschafft werden, sondern sie müsste hier der Künstlichen Intelligenz überlassen. werden. Aber immer ist eine Jesusnachfolge ohne Institutionen möglich, aber alle Menschen und Christen brauchen stets eine Gemeinschaft. Sehr gute theologische Ausbildung wäre sinnstiftend. So wie man an der Würstchenbude Pommes und Currywurst isst, sollte aber das festliche geistliche Mahl mit ebenso gesunder Kost immer notwendig sein – also die solide theologische Gelehrsamkeit und die Kernkompetenzen von Seelsorge und Predigt. Leider aber wissen oft Christinnen und Christen aller Frömmigkeitsformen wenig über ihren eigenen Glauben und vor allem daher, (aber nicht wegen wesentlich absurder Ideen) ist unproduktiver Streit in jesus.de. Kirchlichkeit braucht stets auch die Reformation an Leib und Gliedern.
Kirchensteuer; “ ohne sie wäre kein Geld im System“. So ist es. Bricht das Kirchensteuersystem weg, ist der Laden in vier Wochen erledigt. Und dann gäbe es neue Chancen! Aber wenn man,wie dieser Management -Fachhochschulprofessor , das nur andeutet, musss man eben ziemlich alberne und läppische Ideen entwickeln….kein Wunder, dass der Laden inhaltlich so fertig ist, wenn solche Leute ihn “ beraten“. Warum gibt es denn in den Ländern ohne Staatskirche engagierten Glauben und lebendige Gemeinschaften? Ganz einfach: dort geht es um Nachfolge , in den Staatskirchen geht es um Geld .Und man könnte bescheiden an eine historische Person erinnern, die einmal sagte “ ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“……
Das System der Staatskirchen hat in Europa halt 1600 Jahre aus Sicht der Kirchen hervorragend funktioniert und Macht, Geld und Einfluss gesichert. Da fällt es schwer, sich umzustellen.
Nur steht hinter dem Staatskirchensystem eben auch die Vorstellung der unmündigen Mitglieder, die man leiten muss und denen man befehlen kann. Und das ist eben vorbei. Seien wir froh drüber.
Schöne Feiertage wünsche ich.
Eigentlich spiegelt dieses Gespräch in doppelter Hinsicht das Dilemma der Volkskirchen wieder.
Finanzen, Gebäude, Programme, Mitgliederzahlen scheinen das Problem zu sein, sieht das der liebe Gott im Himmel eigentlich genauso?
War es überhaupt jemals Gottes Plan ein Land mit Kirchen und Klerikern zu überziehen, eine Christenheit zu schaffen, die dem Namen nach auf Christus getauft ist, aber reichlich wenig vom Evangelium und der Nachfolge versteht?
Hat das was wir Kirche nennen noch etwas gemein mit den christlichen Gemeinden die im Neuen Testament beschrieben werden?
Ist das aufgemotzte religiöse System der katholischen Kirche mit ihren Prunkbauten, Prunkgewändern und lebensferner Liturgie im Sinne unseres Glaubengründers? Oder ist er eher den politisch linken, woken, zeitgeistigen Protestanten zugeneigt, eine Art NGO, diese Mischung aus Greenpeace und LGBTQ- Aktivisten mit religiösem Anstrich?
Um es kurz zu machen; Was unser Land und die Kirche braucht ist eine Rückbesinnung auf den Kern der christlichen Botschaft, Christus der gekommen ist um Sünder selig zu machen. Mir ist bewusst, das ist nicht was die Leute hören möchten, Sünder will ja keiner mehr sein.
Allenfalls noch ein wenig Selbstoptimierung ist erwünscht. Etwas Lebenshilfe, mit ein paar psychologischen Tricks gespickt, um den Wohlfühlpegel anzuheben, gerne auch mit bewährten Bausteinen aus dem Zenbuddhismus angereichert.
Die Kirche braucht nicht mehr Geld, nicht mehr Mitglieder, nicht mehr Management-Ideen.
Was wir brauchen ist mehr von Gott !