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Stuttgarter Schulderklärung: Mutig, aber lückenhaft

Vor 80 Jahren bekannte die evangelische Kirche ihre Mitverantwortung für das Leid des Zweiten Weltkriegs. Das Dokument sorgte für heftige Empörung im In- und Ausland.

Zum 80. Jahrestag der Stuttgarter Schulderklärung hat die Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, an die historische Verantwortung der Kirche erinnert. Die Erklärung vom 19. Oktober 1945 sei eine „bleibende Mahnung für Christinnen und Christen“, so Fehrs. Besonders das Eingeständnis, „nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt“ zu haben, sei bis heute verpflichtend.

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Fehrs würdigte die Erklärung als „mutig und lückenhaft zugleich“. Der Satz „Durch uns ist unendliches Leid über viele Länder und Völker gebracht worden“ sei ein starkes Zeichen gewesen – gerade gegenüber der deutschen Bevölkerung, die selbst unter Krieg und Vertreibung gelitten habe. Gleichzeitig kritisierte sie, dass das Leid des Holocaust in der Erklärung nicht erwähnt wurde.

Gegen Gewalt, Leid und Ungerechtigkeit eintreten

Auch heute noch aktuell sei der Satz „Nun soll in unserer Kirche ein neuer Anfang gemacht werden“, der auf den Widerstandskämpfer Martin Niemöller zurückgeht. Fehrs betonte: „Wir haben uns immer wieder neu des entschiedenen Eintretens gegen Gewalt, Leid und Ungerechtigkeit zu vergewissern.“ Die EKD verweist in diesem Zusammenhang auf ihre neue Friedensdenkschrift, die am 10. November offiziell vorgestellt wird.

Die Veröffentlichung Stuttgarter Schulderklärung im Oktober 1945 sorgte teils für empörte Reaktionen im In- und Ausland. Manchen ging die Erklärung nicht weit genug: Kritiker monierten, dass zwar von „Mitverantwortung“ gesprochen wurde, aber nicht von konkreter Schuld – zum Beispiel einzelner Kirchenvertreter. Auf der anderen Seite waren viele Deutsche damals noch nicht bereit, Schuld anzuerkennen. Sie betrachteten die Erklärung als Affront. Nur vier von 28 evangelischen Landeskirchen machten sich die Erklärung ausdrücklich zu eigen.

Historisch betrachtet war die Stuttgarter Schulderklärung nur ein erster Schritt zur Aufarbeitung der Schuld und der Verstrickung der evangelischen Kirche mit dem NS-Regime.

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3 Kommentare

  1. In Deutschland brauchte es Jahrzehnte bis die unermessliche Schuld des deutschen Volkes an den Juden und den Völkern Europas klar benannt wurde. Scheibchenweise wurde Abbitte geleistet und Papiere geschrieben die zumindest im Ansatz dem schändlichen Handeln gerecht wurden.
    Auch die Kirchen hatten sich weder während der Naziherrschaft noch danach mit Ruhm bekleckert, einzelne Geistliche ausgenommen.
    Mich wundert es sowieso, wie man wie selbstverständlich davon ausgehen darf, beim lieben Gott ist das alles vergeben und vergessen.
    In meiner Bibel steht „wer Israel“ antastet, tastet meinen Augapfel an“. Ich bin überzeugt das gilt auch heute noch ! Jeder Einzelne und jede Regierung dieser Welt sollte sich das hinter die Ohren schreiben!
    Judenhass und Israelhass kommen aus derselben Quelle und viele trinken daraus. Klüger ist es Israel zu segnen “ ich will segnen die dich segnen“ !

    • Ich finde es sinnvoller, immer eine konkrete Situation und ein konkretes Handeln zu beurteilen und nicht ideologisch blind ein Handeln immer zu unterstützen, vor allem, wenn es gravierend gegen Völker- und Menschenrecht verstößt.

      Bezüglich Israel denke ich allerdings, dass wir Deutschen nicht in der 1. Reihe der Kritiker stehen müssen, auch wenn die Kritik berechtigt ist. Aber unsere Regierungen sind ja auch zurückhaltend. Und überraschend, dass der CDU-Kanzler Merz hier bisher am deutlichsten war mit der Israelkritik..

  2. Stuttgart Schulderklärung vielleicht aktualisieren

    Vor 80 Jahren bekannte die evangelische Kirche ihre Mitverantwortung für das Leid des Zweiten Weltkriegs. Das Dokument sorgte dort für heftige Empörung im In- und Ausland. Zum 80. Jahrestag der Stuttgarter Schulderklärung hat die Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, an die historische Verantwortung der Kirche erinnert. Die Erklärung vom 19. Oktober 1945 sei eine „bleibende Mahnung für Christinnen und Christen“, so Fehrs. Besonders das Eingeständnis, „nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender auch geliebt“ zu haben, sei bis heute verpflichtend. Fehrs würdigte die Erklärung als „mutig und lückenhaft zugleich“.

    Der Satz „Durch uns ist unendliches Leid über viele Länder und Völker gebracht worden“ sei ein starkes Zeichen gewesen – gerade gegenüber der deutschen Bevölkerung, die selbst unter Krieg und Vertreibung gelitten habe. Gleichzeitig kritisierte sie, dass das Leid des Holocaust nicht erwähnt wurde. Meine Meinung: Dann könnte als starkes mutiges Zeichen doch diese Erklärung mit dem entsprechenden Schuldbekenntnis den jüdischen
    Menschen gegenüber, doch nochmals entsprechend aktualisiert erfolgen. Dies wird bekannten schwarz-braunen sehr rechten Kräften hier niemals gefallen, aber Kirche/n ist sind nicht dafür in der Welt, sich überall durch zu winden. Vor allem könnte solche Aktualisierung die Nachhaltigkeit, fest hinter den jüdischen Menschen zu stehen, nochmals ausdrücken. Es wären drei Voraussetzungen zu überprüfen: Kann solch neuerliche Erklärung mehr schaden als es nützlich wäre? Auch wäre zu prüfen, ob nicht die Katholische Kirche diese Erklärung ökumenisch auch mit unterschreibt. Es sollte sodann ebenso überlegt werden, die ACK in diese Aktion einzubeziehen, auch die hiesigen Gemeinden des Islam und anderer Religionen. Es wäre ein sehr starkes Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus. Alle Religionen sollten sie da auch wirklich völlig einig sein. Es kann ja andererseits kein unüberwindbares Arbeitsproblem sein, ein solches Papier zu erstellen und in den Institutionen ebenfalls abzustimmen.

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