Pop- und Rocksongs greifen seit Jahrzehnten biblische Motive auf. Der Theologe Uwe Birnstein erklärt, warum Künstler wie Bob Dylan, Leonard Cohen oder Taylor Swift damit Zugänge zum Glauben eröffnen können.
Der Theologe Uwe Birnstein sieht in Pop- und Rocksongs eine Brücke zum christlichen Glauben. Künstler wie Leonard Cohen, Bob Dylan oder U2 würden biblische Geschichten nicht einfach wiederholen, sondern kreativ auf ihre eigenen Lebenserfahrungen übertragen. „Das fasziniert mich“, erzählt Birnstein im Interview mit dem Pfarrblatt Bern. Dadurch werde sichtbar, dass die Bibel von Themen handelt, die Menschen bis heute bewegen: Liebe, Scheitern, Hoffnung und Neuanfang.
Besonders beeindruckt Birnstein, wie Künstler biblische Motive neu interpretieren: „Musikerinnen und Musiker erzählen biblische Geschichten oft fantasievoller weiter als wir Theologinnen und Theologen.“ So deute Leonard Cohen in „Suzanne“ die Geschichte Jesu poetisch weiter, während Bob Dylan in „Highway 61 Revisited“ die Abraham-Erzählung mit seinem eigenen Aufbruch verbinde. „Die Musiker pusten den Staub von der Bibel“, sagt Birnstein. „Sie zeigen, dass die biblischen Geschichten keine Museumsstücke sind, sondern bis heute etwas mit unserem Leben zu tun haben.“ Besonders überrascht habe ihn die Beschäftigung mit Weltstar Taylor Swift. „Ich hatte sie lange unterschätzt und selbst Vorurteile übernommen. Erst beim genauen Hinhören bemerkte ich, wie selbstverständlich sie Motive aus ihrer christlichen Prägung mit Erfahrungen von Liebe, Enttäuschung oder Scheitern verbindet“, sagt Birnstein.
Für den Theologen kann Popmusik ein Ort spiritueller Erfahrung sein. Der Glaube lasse sich nicht auf Kirche und Theologie, Ethik oder Moral beschränken. Vielmehr könnten Songs Menschen helfen, eine eigene Sprache für ihre Glaubensfragen zu finden. „Als ich […] erfuhr, dass Bob Dylan ‚Blowin‘ in the Wind‘ mit einer aufgeschlagenen Bibel schrieb, bestätigte mich das in meinem Eindruck: Popmusik und Glaube greifen viel stärker ineinander, als viele denken.“ Wer lange keine Bibel mehr gelesen habe, dem empfiehlt Birnstein den U2-Klassiker „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“. Der Song erzähle von einer Suche, die nie ganz abgeschlossen sei – so wie auch der Glaube ein lebenslanger Weg bleibe.
Uwe Birnstein ist evangelischer Theologe, Journalist, Musiker und Buchautor („Hits from Heaven: Mit Pop- und Rocksongs durch die Bibel„).
>>> zum kompletten Interview mit Uwe Birnstein im Pfarrblatt Bern.
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