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Abtreibungsstreit: Chef-Gynäkologe verlässt Klinik in Dannenberg

Der Streit um Abtreibungen in der Elbe-Jeetzel-Klinik im niedersächsischen Dannenberg ist beendet. Der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Thomas Börner, werde die Klinik auf eigenen Wunsch mittelfristig verlassen, teilte der Mutterkonzern Capio am heutigen Donnerstag mit.
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Börner hatte erklärt, keine Schwangerschaftsabbrüche nach der „Beratungsregelung“ in der Fachabteilung unter seiner Leitung zu dulden. Schwangerschaftsabbrüche widersprächen seiner christlichen Überzeugung. Dies hatte er bereits bei seinem Bewerbungsgespräch deutlich gemacht. Abtreibungen aufgrund einer medizinischen Indikation, also im Fall einer gesundheitlichen Gefährdung der Mutter, sollten weiterhin möglich sein.

Thomas Börner (Foto: Elbe-Jeetzel-Klinik)

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Nach der Verfügung des Arztes hatte es Kritik von Politik und Verbänden gegeben. Unterstützung bekam Börner unter anderem durch die Deutsche Evangelische Allianz. Der Chefarzt hatte sich auf das sogenannten Schwangerschaftskonfliktgesetz berufen. Danach darf niemand zu der Mitwirkung an einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen werden. Er trage außerdem Verantwortung für seine Abteilung, hatte Börner betont. Im Übrigen stünden alle Mitarbeiter hinter seiner Entscheidung.

Der Capio-Konzern hatte argumentiert, er akzeptiere zwar die persönliche Entscheidung des Chefarztes. Börner dürfe diese aber nicht zur Maxime für seine Abteilung machen. Als weltanschaulich neutrale Einrichtung sei Capio zuerst dem gesetzlich vorgeschriebenen Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen verpflichtet. Börner hatte dagegen in einem Interview mit dem NDR erklärt, dass ein Chefarzt die Richtung für die Abteilung vorgebe. „Es wäre inkonsequent zu sagen: Ich persönlich mache es nicht, aber mein Oberarzt soll es machen.“

Kritik an Kirchen und Diakonie

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Capio-Geschäftsführer Martin Reitz betonte am Donnerstag, die nun getroffene Regelung sei „sehr einvernehmlich“ mit allen beteiligten Ärzten getroffen worden. „Fortan übernehmen andere, sehr erfahrene angestellte Fachärzte für Gynäkologie den medizinischen Eingriff.“

Wie die Nachrichtenagentur „idea“ berichtet, hat die Entscheidung des Klinikbetreibers auch Konsequenzen für den Chef der Elbe-Jeetzel-Klink, Markus Fröhling. Er hatte sich in der Sache hinter seinen Chefarzt Thomas Börner gestellt. Börner erklärte nun gegenüber „idea“, dass der Capio-Konzern den Klinikleiter von seiner Arbeit freigestellt habe.

Der Gynäkologe übte auch Kritik an evangelischen und katholischen Kirche sowie der Diakonie. Von ihnen wünschete er sich „mehr Einsatz für den Lebensschutz“. Zwar müssten im Umgang mit Frauen in Schwangerschaftskonflikten immer individuelle Lösungen gefunden werden, seiner Meinung nach könnten die Kirchen jedoch „lebensbejahender“ auftreten.

Kritik an der aktuellen Entwicklung äußerte auch der Verein „Ärzte für das Leben“. Erst kürzlich habe es einen ähnlichen Fall in den Schaumburg Kliniken in Obernkirchen-Vehlen gegeben. Dort habe die Klinik auf Druck der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Cornelia Rundt (SPD), eingewilligt, in ihrem Krankenhaus Abtreibungen nach der „Beratungsregelung“ durch externe Ärzte durchführen zu lassen. „Beide Fälle zeigen eine gefährliche Tendenz der Politik, die Gewissensfreiheit der Ärzte durch die Hintertür auszuhöhlen“, schreibt Professor Paul Cullen, Vorsitzender des Vereins in einer Pressemitteilung. „Denn wenn ein Krankenhaus oder eine Krankenhausgruppe durch solche Umgehungsmaßnahmen gezwungen werden kann, an Maßnahmen teilzunehmen, die sie aus moralischen Gründen zutiefst ablehnen, bleibt von dem viel gepriesenen ethischen Handlungsspielraum nicht viel übrig“.

Quelleepd

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