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Der Segen des Sabbats

Der Rhytmus ist klar: Sechs Tage arbeiten, einen Tag ruhen. Das biblische Konzept des Ruhetags umfasst aber viel mehr, als nur untätig zu sein.
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Von Sergej Karelson

Mark Driscoll, ein Pastor aus den USA, forderte seine Zuhörer in einer Predigt dazu auf, regelmäßig einen PowerNap zu Gottes Ehre zu machen. Das erschien mir seltsam, denn nach meinem Verständnis war ein guter Christ jemand, der hart und unermüdlich für Gottes Reich arbeitet. Schlafen kann man schließlich noch in der Ewigkeit. Hier auf der Erde galt es zu ackern und im Zweifel lieber auszubrennen. Mark Driscoll führte in seiner Predigt das Konzept des Sabbats aus. Etwas, das mir zwar nicht komplett neu war, aber doch irgendwie fremd erschien. Dabei ist der Sabbat ein Thema, dem wir bereits auf den ersten Seiten der Bibel begegnen und das sich bis zum Ende durchzieht.
Am Anfang der Bibel wird Gott uns als kreativer Schöpfer einer sehr guten Welt voller Frieden und Harmonie vorgestellt (1. Mose 1). In sechs Tagen erschafft er das Licht, die Sterne, die Erde, die Tiere und schließlich den Menschen, quasi als krönenden Abschluss (1. Mose 1,26 f.). Interessanterweise hört der Schöpfungsbericht hier aber nicht auf. Es wird noch von einem siebten Tag berichtet. Allerdings steht dieser in totalem Kontrast zu den bisherigen Tagen, an denen Gott kreativ und aktiv war. Am siebten Tag beendet er nämlich sein Werk und ruht sich aus (1. Mose 2,1–3). Dies mag auf den ersten Blick nach einer unwichtigen Randnotiz aussehen. Der siebte ist jedoch der einzige Tag, von dem explizit erwähnt wird, dass Gott ihn segnet und heiligt.

Ausruhen und Feiern

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Das hebräische Wort für „ausruhen“ lautet shavat, wovon sich Sabbat ableiten lässt. Sabbat bedeutet dabei nicht nur ablassen von der Arbeit, sondern vielmehr eine völlige Ruhe. An anderer Stelle wird die Sabbatruhe mit dem Wort „erquicken“ beschrieben (2. Mose 31,17). Der Vergleich von verschiedenen Bibelübersetzungen hilft, das Wort besser zu verstehen. So übersetzt die Elberfelder Bibel dieselbe Passage mit „ausruhen“ und „Atem schöpfen“, während die Menge-Bibel die Worte „ausruhen“ und „feiern“ gebraucht.

“Wenn Gott seinen Segen ausspricht, dann drückt er damit aus, dass er in einer besonderen Beziehung zum Gesegneten steht.“

Menges Übersetzung „ausruhen und feiern“ scheint ungewöhnlich. Im Duden wird „feiern“ als ein Fest, das würdig begangen wird, definiert. Es ist geprägt von fröhlicher und jubelnder Gemeinschaft. Das passt zu Gottes Wesen. Schließlich gibt Gott den Israeliten immer wieder Vorschriften, dass sie Feste feiern sollen, um sich an ihn und seine Verheißungen zu erinnern. Und auch die zweite Wiederkunft Jesu wird mit einem Fest begangen werden. In der Offenbarung, Kapitel 19, wird beschrieben, wie eine fröhliche Feier stattfindet, nachdem Jesus seine Widersacher besiegt hat.

Gott segnet den Sabbat

Der siebte Tag war also ein Tag, an dem Gott seine Arbeit vollendet und dann geruht hat. Zwar wissen wir nicht warum, aber eins ist klar – er lässt seine Arbeit liegen. Er erquickt sich, schöpft neuen Atem und feiert, indem er sein Werk in fröhlicher Gemeinschaft genießt.
Gott segnet und heiligt den Sabbat. Wenn Gott seinen Segen ausspricht, dann drückt er damit aus, dass er in einer besonderen Beziehung zum Gesegneten steht. Dieser gesegnete siebte Tag nimmt folglich eine einzigartige Stellung in seiner Schöpfung ein. Heilig sein heißt, anders zu sein und sich zu unterscheiden. In der Bibel werden Menschen, Dinge und Orte nur dann so bezeichnet, wenn Gott sie heilig nennt. Das heißt, sie werden abgesondert und sind zum Dienst an Gott bestimmt. Der Sabbat ist also der Tag, den Gott für sich selbst von allen anderen Tagen unterschieden hat.
Es ist erst dieser siebte Tag, der die Schöpfung Gottes vollendet. Ein Tag der die Arbeit unterbricht und vorschreibt, zur Ruhe zu kommen, Atem zu schöpfen, aufzutanken und in Gemeinschaft zu feiern. Als Ebenbilder dürfen wir Menschen es Gott gleichtun und in diesem Rhythmus leben: sechs Tage arbeiten und am siebten Tag ausruhen und die Gemeinschaft mit dem Schöpfer feiern.

Mehr als Ausruhen

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Aber die Geschichte läuft anders. Der Mensch wird ungehorsam gegen Gott und die Beziehung zu ihm zerbricht. Die ganze Schöpfung gerät in eine Spirale von Chaos, Sünde und Tod. Auch die Arbeit und der Sabbat werden davon betroffen. Arbeit, durch die Menschen Gott verherrlichen sollten, wird zur Last. Die vorgeschriebene Ruhe wird dann aus Verlustangst oder Habsucht geopfert, um die Produktivität zu steigern. Im besten Fall verkommt der Sabbat zu einer Zeit, in der der Mensch nicht wirklich ruht. Im Bestreben, auch hier das Maximum rauszuholen, wird er vollgepackt mit allerlei Freizeitaktivitäten oder Ablenkungen, sodass niemand wirklich Atem schöpft, und sich paradoxerweise erst der Montag wieder nach Erholung anfühlt.

“Der Sabbat diente als Zeichen zwischen Gott und seinem Volk, als Erinnerung dafür, dass es nur einen wahren Gott gibt.“

Doch selbst in einer gefallenen Welt ist Gott der Sabbat wichtig. So wichtig, dass er das Sabbatgebot in den Zehn Geboten für das Volk Israel verankert hat (2. Mose 20,10 f.). Und Gott meint es verdammt ernst. Eine Missachtung dieses Gebotes wird sogar mit dem Tod bestraft (2. Mose 31,14 f.).
In einer Welt voller Unfriede, Chaos und Unruhe verpflichtet Gott sein Volk, die Sabbatruhe zu halten. Denn es geht um mehr als nur Auszuruhen. Der Sabbat diente als Zeichen zwischen Gott und seinem Volk, als Erinnerung dafür, dass es nur einen wahren Gott gibt.

Wer ist dieser Gott?

Neben dem wöchentlichen Sabbat gab es auch das Sabbatjahr. Die Israeliten sollten ihre Äcker jedes siebte Jahr brachliegen lassen (3. Mose 25,1–7). Das bedeutet, ein Jahr lang keinen Ertrag. Ganz schön riskant, wenn man Geschäftsmann ist. Gott hat aber versprochen, sie zu versorgen (3. Mose 25,19–22). Das Sabbatjahr war für die Israeliten also eine Erinnerung daran, dass Gott sie trägt. Es war auch eine Vertrauensprüfung. Würden sie die Füße hochlegen und Gott zutrauen, dass er sie versorgt? Würden sie sich ganz abhängig machen von Gott?
Außerdem wurde von Gott das Erlassjahr eingeführt (3. Mose 25,8–55). Nach sieben Sabbatjahren (49 Jahre) sollte das Erlassjahr (50. Jahr) gefeiert werden. Wenn jemand sein Land oder sich selbst als Sklave verkauft hatte, um seine Schulden zu begleichen, dann bekam er sein Land zurück und seine Schulden wurden getilgt, sodass er freigelassen wurde. Das heißt, jede Generation sollte einmal erleben, wie man durch Gnade aus der Sklaverei (von Schulden) befreit wird und Besitz zurückgeschenkt bekommt.
Beim Sabbat geht es also um mehr, als zur Ruhe zu kommen. Das Konzept des Sabbats ist vollgepackt mit verschiedenen Andeutungen. Die Israeliten sollten sich dadurch immer wieder fragen: Wer ist der Gott, der euch heiligt? Wer ist der Gott, der euch versorgt? Wer ist der Gott, der euch von Schulden und aus der Sklaverei befreit?

Und dann kommt Jesus …

… und stellt alles auf den Kopf. Er heilt Menschen am Sabbat, was verboten war. Heilen war schließlich Arbeit. Jesus macht deutlich, dass er der Herr über den Sabbat ist (Matthäus 12,8). Damit stellt er sich Gott gleich. Aber er geht noch einen Schritt weiter.

“Jesus bietet eine Ruhe, die im Kontrast steht zu der weltlichen Angst, etwas zu verpassen oder zu verlieren – wie Geld, Ansehen, Spaß oder das eigene Leben.“

In einer leidenschaftlichen Predigt zu Beginn seines Dienstes stellt er klar, dass er gekommen ist, Armen die gute Botschaft zu verkünden, Gefangene zu befreien, Zerschlagene in Freiheit zu führen und ein Jahr der Gnade des Herrn auszurufen (Lukas 4,18–21). Er ist die Erfüllung einer Prophezeiung, die das ultimative Erlassjahr und vollkommene Ruhe versprochen hat.
Jesus macht den Menschen auch ein Angebot. Er wird sie erquicken und Ruhe geben, wenn sie zu ihm kommen (Matthäus 11,28). Jesus bietet hier keine Wellnesstage an. Er spricht von einer Ruhe, die man hat, wenn man endlich beim himmlischen Vater angekommen ist. Wenn man sich Gottes Gunst nicht mehr erarbeiten muss. Eine Ruhe, die man empfindet, wenn man von der Meinung anderer Menschen nicht mehr abhängig ist. Eine Ruhe, die man spürt, wenn man die unerschütterliche Identität als Gottes Kind erlebt. Jesus bietet eine Ruhe, die im Kontrast steht zu der weltlichen Angst, etwas zu verpassen oder zu verlieren – wie Geld, Ansehen, Spaß oder das eigene Leben. Es ist eine Ruhe, die selbst in Krisenzeiten besteht. Eine Ruhe, die es nur in der Beziehung zu Gott durch Jesus gibt.

Eine neue Dimension

Das facettenreiche Bild des Sabbats wird in Christus Realität. Paulus bestätigt das, indem er darauf hinweist, dass der Sabbat nur ein Schatten von Christus ist (Kolosser 2,16 f.).
Durch Jesus erhält der Sabbat eine neue Dimension. Es geht nicht mehr nur darum, an einem bestimmten Tag seine Arbeit ruhen zu lassen. Es geht darum, sich bewusst Zeiträume zu schaffen, in denen man seine Aktivitäten einstellt und sich dem Wesen Gottes bewusst wird. Wer ist dieser Gott, der uns heiligt? Wer ist der Gott, der uns versorgt? Von dem wir in allem abhängig sind? Wer ist der Gott, der uns aus der Sklaverei der Sünde befreit und durch Christus unsere Schulden erlässt? Wenn wir unsere Augen schließen im Bewusstsein und Vertrauen, dass unser Leben in der Hand eines absolut souveränen Gottes liegt, und wir in ihm alles haben, was wir brauchen, ist das ein Zeichen geistlicher Stärke und Reife. Wir drücken damit aus, dass wir selbst nicht Gott sind, und dass die Welt sich auch ohne uns weiterdreht.

“Es geht darum, sich bewusst Zeiträume zu schaffen, in denen man seine Aktivitäten einstellt und sich dem Wesen Gottes bewusst wird.“

Dabei muss der Sabbat keine vollen 24 Stunden umfassen. Man kann jegliche Zeit, die sich im Lauf des Tages bietet, bewusst nutzen, um zur Ruhe zu kommen. Das tägliche Warten am Bahnsteig kann so zu einem Ort der Ruhe werden, an dem man sich der Wahrheiten und Segnungen Gottes bewusst wird. Lass dich herausfordern, dem Reflex, aufs Smartphone zu schauen, zu widerstehen, und mach dich stattdessen bewusst auf die Suche nach wahrer Ruhe. Wer weiß, welchen tiefen Frieden du dort finden wirst? In diesem Sinne ist wohl auch ein PowerNap zur Ehre Gottes mehr als okay.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Dran Next erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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