Der Glaube an eine bessere und gerechtere Welt war das Lebensthema des evangelischen Theologen Jürgen Moltmann. Seine „Theologie der Hoffnung“ prägte Generationen von Pfarrerinnen und Pfarrern.
Am Mittwoch (8. April) wäre Jürgen Moltmann 100 Jahre alt geworden, einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der jüngeren Kirchengeschichte. Seine 1964 erschienene «Theologie der Hoffnung» wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und hat Christen weltweit beeinflusst. Zentrales Thema von Moltmanns Denken ist schon früh die globale ökologische Krise. Er starb vor zwei Jahren, am 3. Juni 2024, in Tübingen.
Moltmann wurde durch den Zweiten Weltkrieg tief geprägt. Als junger Luftwaffenhelfer in der Alster-Flakbatterie erlebt er im Juli 1943 den Feuersturm der Bombennächte über Hamburg, bei dem ein Schulfreund neben ihm zerfetzt wird. Mit 19 Jahren gerät er in britische Kriegsgefangenschaft, wo er sich intensiv mit religiösen Fragen auseinandersetzt. Er war mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel verheiratet, die 2016 starb.
Vom Pfarrer zum Professor
Moltmann wurde als Sohn einer kirchenfernen Lehrerfamilie am 8. April 1926 in Hamburg geboren und war zunächst Pfarrer in Bremen und danach Professor für Dogmengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, ehe er 1963 nach Bonn berufen wurde. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte er in Tübingen. Er steht in einer Reihe mit großen theologischen Denkern wie Wolfhart Pannenberg (1928-2014), Johann Baptist Metz (1928-2019), Hans Küng (1928-2021) und Eberhard Jüngel (1934-2021).
Sein Erstlingswerk «Theologie der Hoffnung» von 1964 galt damals als Aufbruch in der Theologie. Zwischen 1980 und 1995 legt er die Kernthemen christlicher Theologie in fünf Bänden neu aus: die Lehre von Gott, der Schöpfung, von Jesus Christus, vom Heiligen Geist (Pneumatologie) sowie der Lehre von den letzten Dingen im Leben jedes Menschen, der ganzen Welt und des Kosmos (Eschatologie).
Über sein Werk „Theologie der Hoffnung“ sagte Moltmann anlässlich der Verleihung des „Tutzinger Löwen“ im Jahr 2017: „Ich glaube, mein Buch ‚der gekreuzigte Gott‘ hat mehr Hoffnung verbreitet als „Die Theologie der Hoffnung“. Das gilt jedenfalls für mich persönlich.“ Und weiter: „Die Auferweckung des gekreuzigten Christus macht das ganze Leben zu einem festlichen Leben, zu einem gotterfüllten Leben und zu einem Sterben in die Freude Gottes hinein.“
Interview mit Jürgen Moltmann im Kirchenmagazin 3E:
Lesetipp:
„Jürgen Moltmann – Leidenschaft für das Leben – Dum
spiro spero.“ Texte zu Person & Werk. Herausgegeben von Jürgen
Moltmann und Michael J. Rainer.
Mit Beiträgen von J. Moltmann, L. da Costa Bastos, H. Bedford-Strohm, C. Conzetti, E. Gräb-Schmidt, I. Kjølsvik, S. Lösel, G.M. Martin, E. Moltmann-Wendel, S. Moltmann-von Braunmühl, M.J. Rainer, C. Rivizumwami, R. Strunk, M. Volf, M. Welker und S.-S. Yu.
Erschienen und erhältlich im LIT-Verlag.

