Pfarrer Justus Geilhufe erlebt in der sächsischen Provinz ein kirchenfernes Umfeld – und gleichzeitig eine überraschende Offenheit für den Glauben.
Justus Geilhufe ist gebürtiger Dresdner und arbeitet als Pfarrer im sächsischen Freiberg – in einer Region, in der viele Menschen seit Generationen ohne kirchliche Sozialisation und Bezug zum christlichen Glauben leben. Kirche ist für sie „ein leeres Blatt“, erklärt er im Interview mit dem SPIEGEL. Geilhufe begreift dies als Chance: „Viele begegnen mir mit Neugier“, erzählt er. „Die wollen dann keine Unterhaltung, keine niedrigschwelligen Angebote, die wollen Schwarzbrot. Wenn sie merken, dass man da nicht richtig liefern kann und mit seinem Glauben rumdruckst, dann sind sie auch wieder weg.“
In seinem Instagram-Profil gewährt der Pfarrer Einblicke ins kirchliche Leben: Taufen, Konfirmandenarbeit, Seelsorge, Predigtvorbereitung. „Das ist dann für die im Osten super interessant, die sonst gar keinen Kontakt zur Kirche haben.“ Viele würden sich für die Einblicke bedanken, sagt er.
Anpacken statt Gejammere
Was ihn an manchen seiner Mitbürger im Osten störe, sei das „Gejammere“. Er habe das Gefühl, dass viele Menschen im Osten nach der Wende nie mit einer positiven Identität in der neuen Freiheit angekommen seien und jetzt einem DDR-Kult frönten und Putin bejubelten. Selbst nicht mit anpacken – aber meckern: „Merkel war scheiße, Merz ist jetzt auch scheiße, der Kretschmer ist scheiße, das Dorffest ist scheiße, eigentlich ist alles scheiße.“
Der Pfarrer positioniert sich für ein positives Bild des Ostens – und gegen die AfD. Den Rechten bietet er dabei persönlich wenig Angriffsfläche, glaubt er. „Ich bin […] konservativ, habe bald drei Kinder, ich bin verheiratet mit einer blonden Frau, die als Arbeiterkind aus dem Westen Ärztin in einem Landkrankenhaus im Osten geworden ist.“ Vieles, was der Partei eigentlich gefalle. Und doch teile er keine gemeinsamen Werte mit der AfD. Politische Arbeit werde von der AfD nicht selten mit TikTok gleichgesetzt, sagt er. „Die Leute werden das irgendwann merken, nämlich dann, wenn eben über Jahre hinweg nicht mehr die Gelder kommen, die die vorherigen Volksvertreter aus Brüssel und Berlin herangeschafft haben.“
Kann Geilhufes Vision einer „ostdolce Vita“ Menschen zurück in die demokratische Mitte holen? „Keine Ahnung“, sagt der Pfarrer. „Aber man kann ja einfach mal machen.“
Das komplette Interview finden Sie bei Spiegel online (Paywall).

Soll sich der Pfarrer gegen die AFD positionieren da hab ich gar kein Problem damit, ich kann aber auch freikirchliche Prediger stehen lassen die eine gewisse Nähe zu dieser Partei halten. Die Dämonisierung der „Rechten“ insgesamt halte ich für überzogen und hat Züge einer Phobie. Berechtigte, auch scharfe Kritik an den extremen Rändern dieser Partei aber für angemessen. Interessieren würde mich was er unter „Schwarzbrot“ versteht? Die Erwähnung seiner blonden Frau, was vermutlich wiederum ein Seitenhieb auf die AFD sein soll finde ich etwas billig !
„Schwarzbrot“ ist „feste Speise“ (z.B. 1.Korinther 3:1-3; Hebräer 5:12-14)!
Liebe Grüße
Aku
Schwarzbrot ist Glauben exemplarisch leben
Lieber Stammtischbruder: Die Dämonisierung der Rechten, die rechtsradikal sind, würde ich nicht als Dämonisierung beschreiben, sondern eher als notwendige dringende Warnung. Hier sei nur hingewiesen darauf, wie erfolgreich Trump schon in den USA die Demokratie schreddert und sich erlaubte sogar 100 Geistliche zu verhaften. Die Nazis haben schnell nach der Machtergreifung die meisten Abgeordneten verhaftet und bald auch eigene Listen aufgestellt für die Wahl für die Ev. Kirchenvorstände. Hätte es keine Bekenntnispfarrer gegeben, die von dem Gemeindemitgliedern alimentiert wurden und keinen Zutritt mehr zu Kirche und Pfarrhaus hatten, und in Nürnberg ein Hitleranhänger oberster Bischof war, wäre die damalige Ev. Kirche völlig dem Ungeist verfallen. Damals konnte niemand neutral sein, man konnte nur Gott oder dem Ungeist dienen. Im übrigen kann ich gut nachvollziehen, was theologisch Schwarzbrot sein könnte. Dies ist alles, was den christlichen Glauben konkret macht und dies wären schon in der Predigt keine frommen Worthülsen, die inhaltslos sind. Das Leben Jesu waren nicht nur seine Worte, sondern auch die Lebenspraxis.
Wir Christinnen und Christen sollten nicht nur die Bibel lesen, sondern eine gute auf zwei Beinen abgeben. Wer einmal in der Vergangenheit hohle ideologische Phrasen hörte, die inhaltlich keinen Anhalt an der Wirklichkeit hatten, will auch keine frommen Sprüche, sondern die gelebte Liebe Gottes verspüren. Wenn wir wieder Salz der Erde, Licht der Welt und der Sauerteig der Gesellschaft werden, dann werden es die Leute glauben. Das Narrativ, auch übertragen auf den Laien, war immer schon verständlich. Nämlich dass am Sonntag der Pfarrer so predigen muss, weil es sein Beruf ist. Wer Glauben lebt, macht ihn lebendig. Der Rebell der Katholiken, Eugen Drewermann, beschrieb nachvollziehbar so manche damalige Berufschristen wie Funktionäre oder Beamten, eher festgewachsen an frommen Äußerlichkeiten (oder so ähnlich bigott wie beim damaligen Krimi „der Bulle von Tölz“ eine fragwürdige Priestergestalt auch mit einer eigentümlichen Art klerikal zu sprechen). Was natürlich habe ich hier auch sehr zugespitzt formuliert. Schwarzbrot ist, echt nicht nur zu wirken, sondern auch zu sein. Dazu gehört Augenhöhe, Empathie sowie Zugewandtheit.