Wer glaubt was (2): Evangelisch-methodistische Kirche

0
10045
Wir stellen in den kommenden Wochen verschiedene Kirchen und Glaubensgemeinschaften vor. Im zweiten Teil unserer Serie widmen wir uns der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).

Entstehung:

Als Begründer der Methodisten gilt der englische Erweckungsprediger John Wesley (1703-1791). Er, sein Bruder Charles (1707-1788) und ihr Studienfreund George Whitefield (1714-1770) wollten einen Glauben leben, der sich auch im Alltag, vor allem in sozialem Engagement zeigte. Evangelisation und Diakonie gehörten für sie untrennbar zusammen. An der Universität Oxford gründeten sie einen Bibelkreis, in dem sie diesem Ziel nacheiferten. Inspiriert wurde John Wesley unter anderem von Mitgliedern der pietistischen Brüdergemeine im Herrnhut. Der Methodismus breitete sich zunächst als Erweckungsbewegung innerhalb der Anglikanischen Kirche aus. Wanderprediger zogen durch England und kümmerten sich um Kranke, sozial ausgegrenzte, ungebildete Menschen der Unterschicht.

1788 gab es in Großbritannien schätzungsweise bereits 75.000 Methodisten. Vier Jahre zuvor war die erste methodistische Kirche in den USA gegründet worden. Mitte des 19.Jahrhunderts kam die Bewegung auch nach Deutschland. 1881 wurde der „Weltrat methodistischer Kirchen“ ins Leben gerufen, in dem die meisten methodistischen Kirchen vertreten sind, die sich auf Wesley und seine Lehre berufen. Im Verlauf der Geschichte der methodistischen Kirche kam es weltweit mehrmals zu Abspaltungen und auch (Wieder-)Vereinigungen. In Deutschland existierten lange Zeit die „Methodistenkirche“ und die „Evangelische Gemeinschaft“ parallel zueinander. 1968 erfolgte schließlich die zur Vereinigung als „Evangelisch-methodistischen Kirche“ (EmK).

Name:

Die Mitglieder des oben genannten Bibelkreises an der Universität Oxford fielen Außenstehenden durch ihre für Studenten untypische systematische Zeiteinteilung und konsequente Lebensweise auf. Spötter bezeichnetetn die Gruppe daher als „Methodisten“. Die Bezeichnung leitet sich von dem englischen Wort „method“ (Methode, Regel, bestimmte Weise) ab.

Taufe und Mitgliedschaft:

Taufe und Kirchenmitgliedschaft sind eng miteinander verbunden. Wer sich als Jugendlicher oder Erwachsener taufen lässt, wird dadurch Mitglied der Kirche. Auch Säuglinge und Kinder werden getauft („Wiedertaufen“ gibt es nicht). Sie sind dann Angehörige der Gemeinschaft in der Gemeinde. Später liegt aber die Entscheidung bei ihnen, ob sie „Ja“ zu Glauben und Kirche sagen und dadurch die volle Mitgliedschaft erhalten möchten.

Organisation und Struktur:

Typisch für die methodistische Kirche ist ihre lokale und weltweite Vernetzung („Konnexionalismus“). Die EmK in Deutschland ist Teil der „United Methodist Church“ und gehört außerdem zusammen mit 73 weiteren Kirchen zum Weltrat methodistischer Kirchen („World Methodist Council“). Die Leitung und Entscheidungsfindung innerhalb der methodistischen Kirche geschieht durch die schon von John Wesley ins Leben gerufenen „Konferenzen“. Dieser Begriff steht dabei sowohl für regelmäßige Zusammenkünfte, ähnlich einer Synode, als auch für ständige Einrichtungen. Mehrere Gemeinden bilden einen Bezirk, die Bezirke sind wiederum in Distrikten zusammengefasst, die zu einer der drei „Jährlichen Konferenzen (Norddeutsche, Ostdeutsche und Süddeutsche Konferenz) gehören. An oberster Stelle in Deutschland steht die Zentralkonferenz der EmK Sie tritt alle vier Jahre zusammen. Weltweit ist die Generalkonferenz das wichtigste Gremium.

Bei den Methodisten gibt es neben den hauptamtlichen Pastoren der Gemeinden auch Predigthelfer oder Laienprediger. Beide sind ehrenamtlich tätig sind und benötigen jährlich eine Predigterlaubnis. Bei Letzteren ist auch eine zweijährige theologische Fortbildung Voraussetzung. Bei allen Ämtern in der Evangelisch-Methodistischen Kirche spielt es keine Rolle, ob sie von Männern oder Frauen besetzt werden. So steht mit Rosemarie Wenner Zur Zeit eine Bischöfin an der Spitze der EmK Deutschland.

Größe:

In der Evangelisch-methodistischen Kirche unterscheidet man zwischen „Kirchenangehörigen“ und „Kirchengliedern“. Zu den Kirchenangehörigen zählen alle Personen, die in der Gemeinde christlich getauft wurden. Zu den Kirchengliedern zählen alle Getauften, die anlässlich ihrer Taufe oder eines Gottesdienstes zur Aufnahme in die Kirchengliedschaft ihren Glauben in einer vorgegebenen liturgischen Form bekannt haben. Beide Gruppen zusammengerechnet gibt die EmK Deutschland eine Mitgliederzahl von gut 55.000 an (Stand Dezember 2010). In 504 Gemeinden beschäftigt die EmK 287 Pfarrerinnen und Pfarrer. Weltweit besuchen laut Angaben der EmK 70 Millionen Menschen methodistische Gemeinden.


Finanzierung:

Als evangelische Freikirche finanziert sich die EmK ausschließlich durch Spenden ihrer Mitglieder und erhebt keine Kirchensteuer.

Was ist typisch methodistisch?

Diakonie und soziales Engagement sind für die Methodisten untrennbar mit dem Glauben verknüpft („Not erkennen und handeln“). Die Kirche betreibt verschiedene diakonische Einrichtungen (Krankenhäuser, Altenwohnungen, Seniorenzentren mit Pflegeheimen, Kindertagesstätten usw.), die im „Verband der Evangelisch-methodistischen Diakoniewerke“ (EmD) organisiert sind. Dazu hat sie ein soziales Bekenntnis verabschiedet, in dem sie sich unter anderem dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und Not verschreibt. Methodistischen Ursprungs ist auch die Heilsarmee, die durch William Booth gegründet wurde.

Ebenfalls typisch für die methodistische Kirche ist ihre starke ökumenische Ausprägung. Der „Methodistische Weltrat“ war 2006 Mitunterzeichner der „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbunds. In Deutschland besteht eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit den evangelischen Landeskirchen.

Eine Besonderheit gibt es auch bei der methodistischen Abendmahlsfeier: Niemand wird vom „Tisch des Herrn“ (nicht die Gemeinde, sondern Christus lädt ein) ausgeschlossen, sie steht allen offen – Erwachsenen und Kindern, Glaubenden und Suchenden. Dahinter steht die Überzeugung, dass Jesus mit allen Brot und Wein teilte, auch mit Sündern, ohne ein „Bekenntnis“ von ihnen zu verlangen. Entscheidend für die Teilnahme am Mahl ist der persönliche Wunsch, Gott zu begegnen.

Zusammenarbeit mit anderen Kirchen:

Die EmK Deutschland ist Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ (ACK), „Vereinigung Evangelischer Freikirchen“ (VEF), dem Weltrat methodistischer Kirchen (WMC), der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ und dem Weltkirchenrat/Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK). Auf lokaler Ebene bestehen zudem Kooperationen mit der „Evangelischen Allianz“.

Internet:

Die Evangelisch-methodistische Kirche im Internet: www.emk.de
___

Falls Euch interessiert, wie die Arbeit einer modernen methodistischen Gemeinde aussieht, könnt Ihr das in unserem Artikel über das „JesusCentrum“ in Nürnberg nachlesen: Bunte „Verpackung“ aber inhaltlich „voll auf Linie“