Die geplante Vergebungsbitte des Lutherischen Weltbundes (LWB) gegenüber den Mennoniten ist nach Ansicht des Ökumene-Experten Fernando Enns ein kirchenhistorisch bedeutsames Ereignis.

 «Es ist ein ganz wichtiger Schritt innerhalb der Ökumene», sagte der Hamburger Theologiedozent und mennonitische Christ dem epd. Die Lutheraner wollen während ihrer Vollversammlung in Stuttgart in der kommenden Woche die Nachfahren der Täuferbewegung für die blutige Verfolgung im 16. Jahrhundert um Vergebung bitten. Enns ist Mitglied im Zentralausschuss des Weltkirchenrates.

 Allerdings müsse man sich «wundern, dass es bis ins 21. Jahrhundert gedauert hat, bis der Lutherische Weltbund offiziell diese große Schuld in seiner Geschichte anerkennt», räumte Enns ein. Die Mennoniten sind der Hauptzweig der Nachfahren der Täuferbewegung. In der 1530 in Augsburg beschlossenen «Confessio Augustana», einer grundlegende Bekenntnisschrift der Lutheraner, werden die Täufer in scharfen Worten verurteilt. In der Folge wurden sie verfolgt und auch hingerichtet. Bis heute werden lutherische Pastoren auf dieses Bekenntnis ordiniert.

 «Kirchen tun sich in der Regel sehr schwer damit, die eigene Geschichte selbstkritisch aufzuarbeiten», unterstrich Enns. Die protestantischen Kirchen sehen sich aufgrund ihrer Entstehung meist eher in der Opferrolle. Daher könne man «gar nicht hoch genug einschätzen», dass die Lutheraner jetzt diesen Akt vollziehen, sich in diesem Fall auch als Täter begreifen und die Mennoniten um Verzeihung bitten, so der 1964 in Brasilien geborene Theologe. Wenn es gelinge, dass zwei lange Zeit sich gegenseitig verurteilende Kirchen nun gemeinsam ihre Geschichte aufarbeiten, dann mache das «die Tür auf zur Versöhnung».

 Vom 20. bis 27. Juli kommen Christen aus aller Welt in Stuttgart zur Elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) zusammen. Dem LWB gehören 140 Mitgliedskirchen in 79 Ländern an, die über 70 Millionen Christen vertreten. Zur alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlung werden mehr als 1.000 Teilnehmende erwartet, darunter 418 Delegierte aus den Mitgliedskirchen.

(Quelle: epd)