Ein koptischer Priester in Ägypten (Foto: picture alliance / Roger Anis/DPA/dpa)

Christian Gerges, Sprecher der koptischen Gemeinde in Düsseldorf, verrät, wie Kopten Ostern feiern: mit symbolträchtiger Liturgie, Geschenken für die Kinder – und dieses Jahr eine Woche nach „Ostersonntag“.

Von Laura Schönwies

Wenn Protestanten und Katholiken in Deutschland die bunten Eier schon wieder von den Ästen im Garten nehmen, geht es bei den koptischen Christen mit dem Osterfest erst richtig los! Sie feiern in diesem Jahr eine Woche später Ostern. Für sie sind auch nicht die Schokoladenhasen in den Supermärkten ein Anzeichen dafür, dass Ostern vor der Tür steht. Vier Wochen vor dem Fest wird gefastet – und zwar vegan.

Neun Stunden vor dem Ostergottesdienst verzichten die Kopten komplett auf Nahrung und Getränke – das ist aber für sie nichts Ungewöhnliches: „Jeden Sonntag gehen wir ohne Frühstück in die Kirche. Es wird erst wieder gegessen, wenn der Gottesdienst vorbei ist. Die Kommunion, das Brot des Abendmahls, soll das Erste sein, was man an diesem Tag zu sich nimmt. Es ist natürlich sehr anstrengend, mit leerem Magen an einem vier Stunden langen Gottesdienst teilzunehmen. Aber es ist auch schön. Man hat sich seit Kin- desalter daran gewöhnt“, erzählt Gerges.

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Der Samstag vor Ostern ist dennoch etwas ganz Besonderes: Er wird auch „Samstag des Lichts“ genannt. Der Gottesdienst beginnt zwischen 19 und 20 Uhr und endet in der Regel um Mitternacht mit dem Abendmahl. „Unsere Liturgie ist so aufgebaut wie die katholische, enthält aber mehr Gesänge“, erklärt Gerges. „Und sie wird dreisprachig gefeiert: In Deutsch, Arabisch und Koptisch.“

Der Ostergottesdienst beginnt …

Die Kirche ist verdunkelt, nur einige Kerzen leuchten. Priester und Diakone ziehen in einer festlichen Prozession in die Kirche ein. Sie tragen Holzkreuze und Kerzen. Dann fängt die Messe an. Ein besonderer Teil ist laut Christian Gerges das „Auferstehungsspiel“. Wichtig ist dabei – mehr noch als sonst – eine Holzwand mit einer Tür zwischen Altar- und Kirchenraum, die sogenannte Ikonostase.

Eine Ikonsotase (Bild: pixabay)

Ein Diakon und ein Priester singen Texte der Osterliturgie im Dialog. Der Diakon steht dabei vor der Tür – wie die römischen Wachen vor dem Grab. Er stimmt den Dialog an. Darauf antwortet der Priester von drinnen – wie aus dem „Grab Jesu“. Sie singen den Dialog dreimal im Wechsel. Dann klopft der Priester laut an die Ikonostase. Gleichzeitig wird schlagartig überall das Licht angeschaltet und der Vorhang im Türbogen der Ikonostase wird aufgerissen. Das ist der symbolische Moment der Auferstehung. Darauf ziehen Priester und Diakone singend durch die Kirche. „Es ist ein sehr erhebender Moment. Man hat wirklich das Gefühl: Christus ist auferstanden!“

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“ … und dann wird gefeiert“

„Anschließend wird mit der Familie gegessen und gefeiert. Es herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung. Zum Fastenbrechen gibt es meistens Lamm, in Anlehnung an das Osterlamm. Bei uns ist zu Ostern immer Ente auf dem Tisch. Das ist eher untypisch.“

Kinder aus koptischen Familien suchen keine Ostereier. Dafür gibt es Traditionen, die eher an das Weihnachtsfest in Deutschland erinnern. „Bei uns bekommen die Kinder zu Ostern Geschenke, weil bei uns das Osterfest auch ‚das große Fest’ genannt wird. Eigentlich geht es im Christentum um Ostern und nicht um Weihnachten, wobei das heutzutage oft vergessen wird. Hier in Deutschland gibt es leider keine richtige Osterstimmung.“

Deshalb ist es für koptische Familien auch kein Problem, später Ostern zu feiern als alle anderen – ganz anders als beim Weihnachtsfest: „Mittlerweile gibt es auch bei uns am 24. Dezember Geschenke, weil es für die Kinder blöd wäre, wenn sie erst am 6. Januar die Bescherung hätten.“

Ostern ist ein Fest des Neuanfangs

Ein Aspekt ist Gerges bei all den Symbolen und Traditionen besonders wichtig: „Letztlich sollen sie uns nur helfen, unsere Beziehung zu Gott lebendig zu gestalten. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, damit ein Fest wie Ostern nicht in der Bedeutungslosigkeit des Alltags versinkt. Ostern ist auch für mich persönlich das wichtigste Fest. Gott ist durch Ostern für uns greifbar geworden. Ostern kommt Gott uns nah, es ist ein Fest des Neuanfangs. Christus ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben. Das gilt für jeden Tag. Aber an Ostern wird uns das auf besondere Art und Weise nochmal  bewusst.“


Die Kopten

In Ägypten spricht man normalerweise Arabisch. Nur die koptischen Christen, die knapp 10 % der Bevölkerung ausmachen, kennen noch eine Form der ägyptischen (pharaonischen) Sprache – allerdings meistens nur als Kirchensprache.

Die Feste dieser altorientalischen Kirche richten sich nach dem julianischen Kalender, während sich westliche Kirchen an den heute gültigen Kalender halten, der von Papst Gregor XIII eingeführt wurde.

In einer koptischen Kirche trennt die Ikonostase (eine Holzwand, in die Ikonen, also Heiligenbilder, eingearbeitet sind) das Allerheiligste, nämlich den Altarinnenraum, von dem Weltlichen, der Gemeinde. Der große Vorhang vor dem Tor in der Mitte wird zu jedem Gottesdienst geöffnet. Das alles erinnert an den alten Tempel des Judentums. Die Bibel erzählt, dass der Vor- hang im Jerusalemer Tempel gerissen ist, als Jesus starb. Damit wurde die Trennung zwischen Mensch und Gott aufgehoben.


Dieser Beitrag ist zuerst im OSTER-SPECIAL des Magazins lebenslust erschienen. lebenslust gehört wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag.