Judy Bailey ist weltberühmt. Mit „Jesus in my house“ ist die Sängerin landauf, landab bekannt. Fester Bestandteil ihrer Band ist seit vielen Jahren ihr Ehemann Patrick Depuhl.
In ihren „Geschichten von Wurzeln, Welt & Heimat“ gewähren sie mir als Leser einen Blick hinter die Kulissen des Künstlerpaares. Zugleich motivieren sie, auch im Leben den zweiten Blick zu wagen, kritisch nachzufragen und dem Schwarz-weiß-Denken die Rote Karte zu zeigen.
Judy und Patrick haben in ihre persönlichen Erzählungen 17 Songtexte integriert, die meist mit QR-Code verlinkt sind. Das Buch besticht mit 208 Seiten voller Power, Tiefgang, großformatigen Schwarz-weiß-Aufnahmen und wunderbar formulierten Texten. Ob ein Küchentisch-Interview mit ihren drei Söhnen, eine Reise in Patricks familiäre Vergangenheit oder Fakten und Amüsantes über Judys Heimat („Barbados-ABC“)– dem Buch gelingt die Balance zwischen persönlicher Story, Songbook und gesellschaftlich starker Meinung zu Fremdenfeindlichkeit.
Der Karibikstaat Barbados, Rassismus und Sklaverei – alles Teil der Familiengeschichte von Judy. Es gelingt dem Musiker-Ehepaar ohne den erhobenen Zeigefinger und dafür einladend, gewinnend und mit viel Charme für eine Weltoffenheit zu werben, bei der der Wert eines Menschen nicht an der Hautfarbe, Nationalität oder irgendeiner anderen Eigenschaft liegt.
Die alltäglichen Situationen, in denen Judy Rassismus auch heute erlebt, haben mich schockiert.
Am meisten hat mich das folgende Zitat im letzten Drittel des Buches gepackt: „Wertvoll – weil ein Leben an sich nie ‚unwert‘ ist. Weil jedes Leben zählt. Halleluja.“
Von Andreas Schmierer
