Die Biografie von Titus Schlagowsky beginnt wie ein Roadmovie mit reichlich Ostalgie. Co-Autor Hauke Burgarth erzählt auf den ersten von 250 Buchseiten von der Jugend Schlagowskys. 1969 ist der heutige Kneipen-Pastor in Crimmitschau, damals im geteilten Deutschland, geboren. Die Jahre bis zur Wiedervereinigung verbrachte er im Osten. Eigenwillig, tatkräftig und in der Christenlehre unterrichtet. Er absolvierte eine Schreinerlehre und arbeitete an der Tanke seines Vaters. Als junger Erwachsener hatte er wechselnde Beziehungen, engagierte sich in der Demokratiebewegung und stand der Kirche kritisch gegenüber. Den Weg vom „real existierenden Sozialismus“ zum „real funktionierenden Kapitalismus“ nahm er 20-jährig am 9. November 1989 mit dem Auto. Über Umwege – und auf krummen Wegen.
Spritzig, kurzweilig und doch tiefsinnig ist es Schlagowsky und Burgarth gelungen, die harten Jahre nachzuzeichnen. In der Mitte des Buches sind viele Bilder aus den turbulenten Lebensjahren von Titus Schlagowsky und seiner Familie zu sehen. Die Schreinerei wächst schnell. Der Schreinermeister übernimmt sich. Häufig macht er das, was er von Kindheit an konnte: „Aus Nichts etwas machen.“
Dann kommt die Steuerfahndung – und Schlagwosky in den Bau. Nach langen Monaten hinter Gittern will er einen Abschiedsbrief schreiben. Der Kugelschreiber rollt vom Tisch und unter das Bett. Schlagowsky kniet nieder, um den Stift aufzuheben. Und bleibt am Boden knien, um die Nacht über zu Gott zu beten. Sein Leben ist gerettet und nimmt eine Kehrtwende. Die große Kunst dieser bewegten Biografie ist es, die schweren Kapitel eines unheilvollen Abenteuers in einen flotten, leichtflüssigen Schreibstil zu packen. Die Geschichte des heutigen Kneipen-Pastors berührt ohne zu erdrücken. Das Schicksal und die hohe Verantwortung für Schuld und Versagen machen den Autor sympathisch. Die Leichtigkeit eines Lebens trotz vieler Fragezeichen, und die freundlichen und charakterstarken Begegnungen mit anderen Menschen und Gruppen, ermutigen. Schlagowsky ist Schreiner und Ehemann, Wirt und Vater, Prediger und Buchautor.
Beim Lesen habe ich mich dabei ertappt, nachzuschauen, wo der Ort von Kneipe, Kirche und Seelsorge, wo Nastätten ist. Hauke Burgarth, der die Lebensgeschichte aufschrieb, würde Schlagowsky gerne ein Happy End wünschen. Das schreibt er im wertschätzenden Nachwort.
Von Silke Meier
