Dem neuen Buch von Birgit Schilling nähere ich mich aus dem persönlichen Wunsch heraus, in meiner eigenen Schwäche Zuspruch zu erleben. Ich möchte neu glauben können, dass meine Schwäche „sein darf“, wie der Untertitel verspricht. Und ich bin gespannt, wie die Autorin das begründet.
Schon der erste Satz der Einführung spricht aus, worum es der Autorin geht: den Mut, sich anzunehmen. Sie beginnt zu entfalten, was sich ihr zu diesem Thema in den letzten Jahren eröffnet hat. Dabei lässt sie tief und ehrlich in ihre eigene Geschichte blicken, beschreibt immer wieder Situationen und Gedanken, in denen sie sich als schwach und unvollkommen erlebt hat.
Die zehn Kapitel sind alle gleich aufgebaut: Eine einleitende Zusammenfassung bereitet auf das Kernthema des Kapitels vor, dann führt die Autorin ihre Gedanken aus. Spätestens am Ende, manchmal auch zwischendrin gibt es Kästen mit Impulsen, die zum persönlichen Nachdenken anregen. Ab und zu ist ein besonders wichtiger Satz am Rand hervorgehoben. Das Kapitelende fasst noch einmal die wichtigsten Aspekte zusammen und stellt einen Ausblick auf das Folgende bereit.
Birgit Schilling beschreibt eine neue Perspektive Gottes auf ihr Leben: Alles, auch das in unseren Augen Negative, „darf sein, weil es ist“. Sie erklärt psychische Instanzen im Menschen, die das Ziel haben, uns anzutreiben und zu verbiegen. In Kontrast dazu setzt sie den Heiligen Geist und sein Wirken, der auf eine sanfte und gnädige Weise unsere Heilung zum Ziel hat.
Diesen Prozess möchte sie durch ihre Worte in Gang setzen. Manchmal klingt ihr Text wie eine Predigt, die dazu einlädt dem nachzuspüren, was die Sätze in mir zum Klingen bringen. Ich lese das Buch nicht wie ein reines Sachbuch, sondern mehr wie ein Andachtsbuch oder Poesie, die mich tiefer anrührt als in meinem Verstand.
Dazu tragen auch die immer wieder auftauchenden Zitate von christlichen Mystikern und Bibelverse bei. Besonders hilfreich finde ich die Beschreibung des „Körpergebets“ als einen praktischen Zugang zur Begegnung mit Gott. Von solchen Tipps hätte ich mir mehr gewünscht.
Wie geht es mir nun nach der Lektüre des Buches mit meinen persönlichen Schwächen? Ich bin ein ganzes Stück ruhiger geworden und wieder sicherer in der Gewissheit, dass Gott mich längst kennt und liebt. Außerdem wurde mir ein Weg aufgezeigt, wie ich mich „mit allem“ Gott hinhalten und ihn in mir wirken lassen kann.
Von Judith Böttcher
