Leipzig hat am Donnerstag an die Sprengung der Universitätskirche vor 45 Jahren erinnert. Der Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, mahnte, der gegen die Kirche gerichtete Gewaltakt der SED dürfe nie in Vergessenheit geraten.
An zwei Gedenkveranstaltungen in Leipzig nahmen insgesamt rund 300 Menschen teil, darunter viele, die die Sprengung am 30. Mai 1968 selbst miterlebt hatten. Erstmals seit der Zerstörung wurde die aus den Trümmern gerettete Glocke der Universitätskirche St. Pauli geläutet.
Bei dem Gedenken trafen erneut die unterschiedlichen Vorstellungen über die künftige Innenraumgestaltung des Neubaus aufeinander, der an die Stelle der alten Universitätskirche treten soll. Wolff forderte, den gesamten Neubau als neue Universitätskirche zu nutzen. Bislang ist das sogenannte Paulinum als Universitätsaula plus Kirchenraum geplant.
Das Aktionsbündnis Neue Universitätskirche St. Pauli, die Stiftung Universitätskirche St. Pauli und der Paulinerverein fordern seit langem "die Integrität des Gesamtraums" zu bewahren und die historische Kanzel aufzustellen. Dies ist bislang umstritten. Der Bau soll Ende 2014 eingeweiht werden.
Der Vorsitzende des Paulinervereins, Ulrich Stötzner, betonte bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Universität, er könne sich nicht vorstellen, dass die Kanzel als wichtigstes Einrichtungsstück neben dem Altar künftig fehlen werde. Doch er sei sich sicher, dass der Raum als geistig-geistliches Zentrum angenommen werde, fügte er hinzu. Uni-Rektorin Beate Schücking sagte, die Frage des Kanzel-Standorts sei noch nicht geklärt. Damit sei eine Expertenkommission befasst. Sie könne sich einen Eröffnungsgottesdienst auch gut ohne Kanzel vorstellen.
Der Dekan der Theologischen Fakultät, Klaus Fitschen, warb für "Eintracht" zwischen den Interessengruppen. Über die Zerstörung der Universitätskirche sagte der Theologieprofessor, dies sei kein barbarischer Akt gewesen – wie oft gesagt werde – "sondern ein politischer Akt nach Art der SED-Diktatur".
Laut Planung sollen die Bauarbeiten im Innern des Paulinums bis März 2014 abgeschlossen sein. Danach sind der Einbau von zwei Orgeln, zahlreichen Epitaphen und des Altars vorgesehen. Eingebaut ist bereits die umstrittene verschiebbare Glaswand, die Aula und Kirchenraum voneinander trennen soll. Ein prägendes Element des Neubaus auf dem Grundriss der alten Paulinerkirche sind acht durchgehende und sechs hängende Säulen, die das alte Mittelschiff der Kirche symbolisieren.
Die zur Hochschule gehörende Paulinerkirche war auf Anordnung der SED 1968 gesprengt worden. Die zu DDR-Zeiten an ihrer Stelle errichteten Gebäude sind inzwischen durch einen Neubau am Augustusplatz ersetzt, der äußerlich an die Kirche erinnert. Ursprünglich sollte das Gebäude 2009 zum 600-jährigen Bestehen der Leipziger Universität eingeweiht werden.
(Quelle: epd)
