Eine neue Studie zeichnet ein differenziertes Bild von Bethels Verhalten im Nationalsozialismus. Zwar wurden viele Deportationen und Tötungen verhindert, aber es kam zu Zwangssterilisationen.
Der WDR berichtet über eine neue Studie, die ein differenziertes Bild der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in der Zeit des Nationalsozialismus zeichnet. Erstmals wurde der Alltag zwischen 1924 und 1949 umfassend aus Sicht der Patientinnen und Patienten rekonstruiert, basierend auf der Auswertung tausender Krankenakten.
Die Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Verhalten: Einerseits bewahrte Bethel viele Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen vor Deportation und Tötung. Andererseits wurden mehr als 1.600 Patientinnen und Patienten gegen ihren Willen sterilisiert – im Einklang mit der nationalsozialistischen Eugenik. Auch eine erhöhte Sterblichkeit in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, unter anderem durch Unterernährung, wurde dokumentiert.
Eine Entschädigung für Betroffene ist laut Bericht nicht vorgesehen. Bethel betont jedoch die Bedeutung der Aufarbeitung. „Man sieht daran, dass der Schutz von Menschen mit Behinderung kein Selbstläufer ist. Wir müssen uns auch heute aktiv dafür einsetzen“, erklärte ein Sprecher. Die Studie soll dazu beitragen, Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu schärfen.
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