Braucht Kirche Neues – oder mehr Vertrauen in Bewährtes? Beim Jahrestreff des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen ging es um die Zukunft christlicher Gemeinden.
Mehr als 250 Besucher kamen am vergangenen Wochenende zum „Turmtreff“, dem Jahresfest des theologischen Studienhauses in Tübingen. Unter dem Motto „Alles neu – oder was?“ ging es um die Frage, wie sich christliche Hoffnung, Tradition und Erneuerung zusammendenken lassen. Im Hauptreferat betonte Studienleiterin Maike Sachs, dass Christen „im Alten das Neue erwarten“ sollten. Die neue Schöpfung sei nicht nur eine ferne Zukunftshoffnung, sondern habe mit der Auferstehung Jesu bereits begonnen. Spuren dieser neuen Zeit seien dort erkennbar, wo Menschen Versöhnung erleben, im Leid getröstet werden und hoffnungsvoll leben.
Rektor Matthias Deuschle warb dafür, Glaubenserfahrungen und Traditionen als „reichen Schatz“ wertzuschätzen. „Warum unterscheidet sich unser Verhalten im Bereich von Glaube und Religion eigentlich so sehr davon, wie wir mit Technik und Naturwissenschaft umgehen“, fragte Deuschle. „Bei Glaube und Religion sagen ja viele: Wir lassen die Tradition hinter uns. Wir dekonstruieren alles und fangen noch einmal ganz neu an.“ Weitere Beiträge nahmen aktuelle Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft auf. Caroline Quiring setzte sich mit dem Trend zur Selbstoptimierung auseinander und verwies auf die Bedeutung geistlicher Übungen sowie die Kraft des Heiligen Geistes. Andreas Schmierer warb angesichts des Endes der Volkskirche für eine geistlich profilierte Ortsgemeinde, stärkere Gemeinschaft, Hauskreise und mehr Vertrauen in die Gaben Ehrenamtlicher. „Die Volkskirche ist am Ende […], aber Jesus ist mit seiner Kirche noch lange nicht fertig!“ Dirk Scheuermann hob das missionarische Potenzial eines generationenübergreifenden Gemeindelebens hervor.
Auch die Frage nach alten und neuen Liedern im Gottesdienst kam zur Sprache. Der Theologe Clemens Hanßmann plädierte dafür, Choräle und Lobpreis nicht gegeneinander auszuspielen. Wo Gemeinde mündig sei, könne sie beides wertschätzen.
Das Albrecht-Bengel-Haus wurde 1969 gegründet und ist ein theologisches Studienhaus in der Tradition des württembergischen Pietismus. Es hat nach eigenen Angaben seitdem rund 1.300 junge Menschen fachlich und geistlich begleitet.
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