Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, scheidet nach acht Jahren aus dem Amt. Seine Bilanz fällt zwiespältig aus.
Jüdisches Leben in Deutschland ist nach Einschätzung Kleins verletzlicher geworden. Viele Jüdinnen und Juden verzichten aus Angst darauf, ihre religiöse Identität offen zu zeigen. „Es reicht schon ein T‑Shirt mit hebräischen Buchstaben, um angefeindet zu werden“, sagte Klein in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Manche gingen so weit, ihren Namen zu verbergen oder auf sichtbare religiöse Zeichen zu verzichten. Dahinter stehe oft ein religiös und politisch aufgeladener Konflikt: Jüdische Menschen würden für die Politik Israels verantwortlich gemacht – eine Vermischung, die Klein klar zurückweist. Entscheidend sei, „zwischen jüdisch und israelisch zu unterscheiden“ und die Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar zu machen.
Neben rechtsextremen Formen sieht Klein besonders im religiös begründeten Antisemitismus eine wachsende Gefahr. „Gerade der islamistische Antisemitismus ist hochgefährlich“, betont er. Lange sei dieses Problem unterschätzt worden – auch aus Angst, muslimische Gemeinschaften pauschal zu stigmatisieren. Gleichzeitig hebt Klein hervor, dass die große Mehrheit der Musliminnen und Muslime in Deutschland nicht antisemitisch sei. Umso wichtiger seien Dialog und klare Ansprache, etwa im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz. Antisemitismus müsse in allen religiösen und gesellschaftlichen Milieus benannt und bekämpft werden.
Positiv bewertet Klein, dass Staat und Gesellschaft heute sensibler auf Antisemitismus reagieren. Polizei, Justiz und zivilgesellschaftliche Initiativen seien besser aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Dennoch bleibe die Aufgabe groß – gerade im Bildungsbereich und an Universitäten. Für das Zusammenleben der Religionen sieht Klein eine besondere Verantwortung: Sichtbarkeit jüdischen Lebens, gegenseitiger Respekt und die klare Abgrenzung von Hass seien entscheidend. Antisemitismus, so seine Botschaft, sei kein Randproblem, sondern eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.
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