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Neue Studie zu Antisemitismus in Deutschland vorgestellt

Antisemitismus in Deutschland ist vielschichtig und komplex – und nicht einfach „importiert“.

Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM-Institut) hat im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ein umfassendes „Working Paper“ zu antisemitischen Einstellungen in Deutschland vorgelegt. Anlass war die hitzige Debatte um „importierten Antisemitismus“ nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Politiker wie Friedrich Merz sagten, Deutschland habe „eine Art importierten Antisemitismus mit dieser großen Zahl von Migranten“ erlebt.

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Diese These greife zu kurz, sagen die Autorinnen und Autoren der Studie. Dafür seien Menschen aus mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern in ihren Einstellungen zu heterogen. Die Ergebnisse zeigten, dass es größeren israelbezogenen Antisemitismus bei Neueingewanderten aus mehrheitlich muslimischen Staaten gebe. Diese nähme jedoch über die Aufenthaltsdauer und Generationen hinweg in der Tendenz ab. Gleichzeitig zeigten die Daten, dass es ähnlich hohe, teilweise sogar höhere klassisch antisemitische Einstellungen bei nicht zugewanderten Deutschen ohne Migrationshintergrund gibt. Antisemitismus sei kein isoliertes oder ‚importiertes‘ Phänomen. Er lasse sich nicht auf Herkunft oder Religion reduzieren, sondern entstehe „in einem komplexen Zusammenspiel von Migrationserfahrungen, politischer Orientierung, Erinnerungskultur und sozialem Umfeld.“

Zahlen und Befunde

Klassische antisemitische Aussagen lehnt demnach die Mehrheit ab: 85  Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund und 80 Prozent der Befragten aus muslimisch geprägten Herkunftsländern. Bei verschwörungsideologischen Narrativen wie „Jüdische Eliten unterstützen im Hintergrund einen Bevölkerungsaustausch“ liegt die Ablehnung bei 63  Prozent (muslimischer Hintergrund) gegenüber 79 Prozent in der Mehrheitsgesellschaft.

Deutlichere Unterschiede zeigen sich beim sogenannten sekundären Antisemitismus: 32 Prozent der Befragten mit muslimischem Hintergrund stimmen der Aussage zu, „Viele Juden versuchen, aus dem Leid im Holocaust heute ihren Vorteil zu ziehen“, gegenüber 10 Prozent in der Mehrheitsgesellschaft. Israelbezogene Einstellungen sind besonders umstritten: „Durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer“ – Zustimmung: 28 Prozent (muslimischer Hintergrund), 10  Prozent Nichtmuslime.

Die Zustimmung zur Importthese sei in der Mehrheitsgesellschaft eng mit Ressentiments verknüpft: „Personen, die der Importthese zustimmen, vertreten überdurchschnittlich häufig selbst antisemitische und antimuslimische Ansichten“, sagen die Autoren der Studie.

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Für die Analyse „Importierter Antisemitismus?“ wurden laut DeZIM-Institut zwischen Dezember 2023 und April vergangenen Jahres 6.295 Personen befragt, darunter 2.643 ohne Migrationshintergrund.

Download: Importierter Antisemitismus? Untertitel: Empirische Befunde zu antisemitischen Einstellungen in Deutschland

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5 Kommentare

  1. Antisemitismus ist ein weltweites Phänomen und das seit vielen Jahrhunderten. Wir Deutschen haben uns besonders hervorgetan und ein beispielloses Gemetzel unter den europäischen Juden angerichtet. Israelhass die neuere Variante und seit der Staatsgründung ein Thema.
    Zuerst waren die arabischen Nachbarstaaten schwer aktiv, über die Jahre hat sich der Radius erweitert. Der Iran muss genannt werden und auch die Türkei, Erdogan fährt immer wieder gerne schwere rhetorische Geschütze auf. Logischerweise sind die Leute die die genannten Länder bewohnen nicht immun gegen die staatliche Propaganda und so ergibt sich diese Lage, dass Hass und Gewalt gegen Juden allltäglich geworden ist. Migranten aus diesen Ländern bringen diesen „Virus“ mit ins Land und das erleben wir ja auch auf Deutschlands Straßen.
    Seit der Gründung des Islam waren Juden und Christen den Muslimen ein Dorn im Auge. Ähnlich wie beim christlichen Glauben denken auch die Muslime sie sind die einzig wahre Religion, nur dass bei den Christen die gewaltsame Missionierung schon lange Geschichte ist.
    Dass linke und rechte Gruppen ebenfalls gewalttätige Antisemiten hervorbringen ist bekannt, aber muslimisch/arabischer Judenhass dominiert die Schlagzeilen, dass diese Tatsache einem der SPD nahestehenden Institut nicht reinläuft ist verständlich aber trotzdem wahr !

    • Im Kern bin ich bei Deiner Kritik des Islam in Bezug auf Antisemitismus gar nicht so weit weg von Dir.

      Mir missfällt nur, dass Du anderen Antisemitismus nahezu verharmlost.

      So finde ich in Deutschland den alltäglichen, oft christlich bedingten Antisemitismus, nicht weniger schlimm. ‚Pharisäer‘ als Wort für Heuchler ist christlich bedingt. ‚Auge um Auge‘ als angebliches jüdisches Rachegebot ebenfalls (so was schafft es sogar auf den SPIEGEL-Titel). Genauso das Judentum als lieblose Gesetzesreligion darzustellen.
      Das führt nicht unmittelbar zu Gewalt, hält aber antisemitische Vorurteile über Generationen am Leben. Bis es irgendwann doch wieder zu Gewalt wird.

      Und dieser Antisemitismus wirkt bis in die Mitte der Gesellschaft hinein. Das macht ihn so gefährlich.

      (Erschreckend) interessant ist auch der atheistische Antisemitismus. Ich habe mal eine längere auf atheistischen Foren mitdiskutiert (Freigeisterhaus, etc.). Der dortige Antisemitismus ist wirklich erschreckend. Aber überraschend: Das Bild dort von Juden und dem jüdischen Glauben ist nahezu 1:1 das Bild, dass auch evangelikale Antisemiten (nein, nicht alle Evangelikale sind Antisemiten, aber Antisemiten gibt es auch dort und die meine ich) haben. Beide Gruppen nehmen auch Teile der Bibel wortwörtlich, insbesondere, um den jüdischen Glauben zu verdrehen.

      Und ebenso, überraschend, dass das bei dir hier kaum eine Rolle spielt, auch der linke Antisemitismus. Hier kommen die ganz alten (christlichen und rechtsextremen) Vorurteile wieder zum Tragen: Brunnenvergifter, herrschendes böses Welt(finanz)judentum, usw.. Eine ganz üble Mischung, die noch dadurch gesteigert wird, dass Teile von links meinen, sie können gar nicht antisemitisch sein, weil sie ja links sind. Oft, aber nicht immer, verbrämt als Israelkritik.

      > Ähnlich wie beim christlichen Glauben denken auch die Muslime sie sind die einzig wahre Religion, nur dass bei den Christen die gewaltsame Missionierung schon lange Geschichte ist.
      Die Christen gehen heute, weltweit betrachtet, subtiler vor. Aber das hängt auch von der Region der Welt ab und wie man Gewalt und Missionierung definiert. Georg W. Bush bezeichnete seinen Irakkrieg schließlich auch als Kreuzzug. Was werden da wohl die dortigen Muslime gedacht haben?

        • Darum geht er auch, aber eben auch um die Problematik, dass es deutlich mehr gibt.

          Geht schon aus der Überschrift hervor: Antisemitismus in Deutschland ist vielschichtig und komplex – und nicht einfach „importiert“.

  2. Wer den Werdegang der Israelis (Juden) gut kennt. Versteht, warum der HERR dies und das zulässt. Es hang und hängt immer davon ab, wie sich gerade SEIN auserwähltes Volk IHM ggü. verhält. Ist es GOTTlos in seinem Verhalten, is klar, dass der HERR entsprechend handelt …. So wie bei uns Allen. Nur wer IHM nicht nur im Alltag wirklich vertraut und Gehorsam auf SEINE Stimme hören will, wird am Ende die HERRlichkeit erreichen dürfen und können …

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