Kunst und Glaube – wer in die europäische Kunstgeschichte schaut, findet die Kombination von beidem etwa bei Leonardo Da Vinci, bei Michelangelo, Rembrandt oder Caspar David Friedrich. Gegenwärtig gewinnt man den Eindruck, dass Kunst weniger religiös – oder zumindest christlich geprägt ist. Der japanische, in New York tätige Künstler Makoto Fujimura ist dabei eine Ausnahme. Durch die Kunst kam er zum Glauben, hatte Kontakt mit Timothy Keller. In seinem Buch entfaltet er seine „Theologie des kreativen Schaffens“, die sein künstlerisches Arbeiten reflektiert, mit persönlichen Anekdoten anreichert und existentiell deutet. Zahlreiche biblischen Verse, N. T. Wright, T. S. Eliot, die japanische Technik des Kintsugi und Mark Rothko – Fujimura kommt weit herum. Deshalb empfiehlt es sich auch, das Buch in Etappen zu lesen und wie ein Gemälde vor dem inneren Auge „nachklingen“ zu lassen.
Kunst hat im Verständnis des Autors eine tiefere Bedeutung als nur „schön“ zu sein oder zu inspirieren. „Menschlich sein heißt kreativ sein“, sagt Fujimura und sieht künstlerische Tätigkeit daher als dem Menschen genuine Aufgabe im Verlauf der Weltgeschichte.
Etwas gefehlt haben mir neben den zweifellos großen und ausdrucksstarken literarischen Bildern, die Fujimura malt, Abbildungen eigener Werke des Autors. Dies hätte das Buch zusätzlich veredelt. Ebenso schätzt Fujimura Kreativität und künstlerisches Handeln – nachvollziehbarerweise hoch – an manchen Stellen jedoch auch etwas geistlich überhöht ein.
Von Andreas Schmierer
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