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Rechts gegen Links? Die Lage ist komplexer!

Politisch rechts versus politisch links? Zuletzt zeigten die Folgen des AfD-Siegs in Sachsen-Anhalt: Deutschland ist gespalten. Laut einer neuen midi-Studie ist die Lage jedoch deutlich komplexer.

„Was uns trennt. Was uns ins Gespräch bringt.“ heißt die repräsentative Untersuchung der evangelischen Arbeitsstelle midi. Sie versucht nicht nur, die Dynamik gesellschaftlicher Polarisierung zu analysieren, sondern regt auch zu differenzierter Reflexion an – damit „das Lagerdenken“ sich nicht verschlimmert. So konnte sie vier annähernd große Grundhaltungen von Deutschen identifizieren.

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Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die vier Gruppen unterscheiden sich vor allem in ihren konkreten Sorgen, ihrer Haltung zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit sowie im Empfinden, ob die eigene Meinung gesellschaftlich gehört wird. Dennoch gibt es eine deutliche Gemeinsamkeit quer durch das Spektrum: das Gefühl, die Politik kümmere sich nicht um die Belange der Bevölkerung. In den demokratieskeptischen Gruppen sind weniger als vier Prozent der Ansicht, Politiker nähmen sich der Sorgen einfacher Bürgerinnen und Bürger an. Doch selbst in den Gruppen, die die Demokratie befürworten, teilt nur knapp ein Fünftel diesen Eindruck.

„Wir müssen anerkennen, dass viele Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, von der Politik übersehen zu werden“, erklärt Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch. „Wenn Menschen auf dem Land monatelang auf Arzttermine warten, Züge unzuverlässig fahren oder die Mieten und Energiekosten das Budget sprengen, muss die Bundesregierung das ernst nehmen. Wir brauchen eine Sozialpolitik, die konkrete Lösungen für den Alltag bietet und zeigt, dass die Nöte der Menschen wahrgenommen werden. Mit Blick auf die aktuellen Reformvorhaben gibt es da spürbar Luft nach oben.“, formuliert Schuch es auf den Punkt.

Die vier Grundhaltungen

  1. Die Enttäuschten Ungehörten (24,1 Prozent): Diese überwiegend männliche, in Ostdeutschland lebende Gruppe steht Migration, Islam und Demokratie kritisch gegenüber. Sie sehen in Rechtsradikalismus und auch im Klimawandel keine Bedrohung. Sie fühlen sich politisch vor allem mit der AfD verbunden.
  2. Die Rundum Versicherten (23,9 Prozent): Diese überwiegend weibliche Gruppe verortet sich eher politisch mittig und fühlt sich in keiner Partei wirklich gesehen. Sie sind besorgt über gesellschaftliche Fehlentwicklungen und betrachten die Demokratie skeptisch.
  3. Die Progressiven Gerechtigkeitskritiker (24,2 Prozent) vertrauen demokratischen Institutionen und üben deutliche Kritik an sozialer Ungerechtigkeit. Ihre Hauptsorgen gelten dem Rechtsextremismus und der Klimakrise. Sie wählen vor allem die Grünen, die Linke und SPD.
  4. Die Vertrauensvoll Wachsamen (27,9 Prozent) sind wohlhabend, mit ihrem Leben und der Demokratie überwiegend zufrieden und missachten soziale Ungerechtigkeit, indem sie diese als „leistungsgerecht“ bewerten. Diese Gruppe fühlt sich vor allem in der CDU/CSU verortet.

Kein Dialog möglich?

79,5 Prozent der „Enttäuschten Ungehörten“ geben an, ihre Meinung nicht mehr ohne Sanktionen oder sozialen Druck äußern zu können. Studienleiter Daniel Hörsch stuft diese Haltung als fatal ein: „Wer schon vor einem Gespräch befürchtet, die eigene Position nicht offen aussprechen zu können, wird Dialogangebote kaum als aufrichtig wahrnehmen“, betont er. Eine breite Mehrheit der Befragten knüpfe gelingende Gespräche an Vertrauen, faire Regeln und eine neutrale Moderation.

„Räume für diesen Austausch offenzuhalten, ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.“, so Hörsch. Eine Aufgabe, die Diakonie und Kirche übernehmen könnten.
 
Die Untersuchung „Was uns trennt. Was uns ins Gespräch bringt“ stützt sich auf eine Forsa-Befragung unter 2.014 Personen ab 18 Jahren aus dem Jahr 2024. Auf Basis von 29 Einstellungsitems wurden drei Dimensionen gebildet, aus denen die vier Grundhaltungen hervorgehen. Diese beschreiben Werthaltungen und Dynamiken, keine starren Milieugrenzen.

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>>> Zur vollständigen Studie (PDF)

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