Bei einer Gedenkveranstaltung für NS-Widerstandskämpfer entfernte der Großneffe von Dietrich Bonhoeffer einen niedergelegten Kranz der AfD. Daraufhin eskalierte die Situation: Es kam zu einem Handgemenge.
Zunächst soll der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer namens Tobias Korenke nach Angaben der Stiftung versucht haben, am Montag einen Gedenkkranz der AfD zu entfernen. Daraufhin traten Sicherheitsleute hinzu, um ihn zu stoppen – was schließlich in einer physischen Auseinandersetzung gipfelte.
Die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock «verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst», erklärte die Stiftung dazu. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, stehe im Widerspruch zu den Überzeugungen, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten seien. Sie warfen der AfD zudem vor, die NS-Kriegsverbrechen zu relativieren.
Nach dem Eklat zeigt sich der rheinische Präses Thorsten Latzel solidarisch mit dem Großneffen: «Ganz ehrlich: Ich kann ihn so gut verstehen», erklärte der oberste Repräsentant der zweitgrößten Landeskirche in einem Instagram-Post:
«Andenken politisch instrumentalisiert»
Es müsse fürchterlich sein, wenn eine Partei, die insgesamt als rechtsextremer Verdachtsfall und in Teilen sogar als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz eingeordnet werde, das Andenken an Familienmitglieder politisch instrumentalisiere, schrieb Latzel. Es sei «einfach nur perfide», sich als AfD an der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zu beteiligen, wenn man im Gedankengut so nah an der völkischen Ideologie sei, gegen die die Widerstandskämpfer eintraten.
Seine Gedanken seien bei den Familien der bei dem Gedenktag Bedachten, «insbesondere bei der Familie Dietrich Bonhoeffers und Tobias Korenke, der öffentlich einsteht für seine Überzeugungen», erklärte Latzel weiter.
