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Die Wahrheit hinter den Seligpreisungen

Sind die Seligpreisungen nur Trost für schwere Zeiten? Jesus zeichnet ein Bild von Gottes Reich, das schon heute Kraft, Hoffnung und Orientierung schenken will.

Von Jörg Ahlbrecht

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Es kommt mir so vor, dass die Zeit des Römischen Reiches, in die Jesus hineinsprach, sich immer weniger unterscheidet von unserer Zeit heute. Ähnlich wie damals gibt es gesellschaftlich große Umbrüche. Die Großmächte nehmen sich, was sie wollen. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Die Schwachen werden ausgebootet und ausgebeutet. Gerechtigkeit gerät immer mehr aus dem Blickfeld – der Mensch wird immer mehr zur Ware, zum Mittel und Spielball der Mächtigen. Kriege, Hass, Rassismus und Egoismus vergrößern kontinuierlich ihren Einfluss.

In eine solche Situation hinein verkündigte Jesus seine Botschaft vom Reich Gottes. Sein Evangelium, seine gute Nachricht lautete: „‚Jetzt ist die Zeit gekommen‘, verkündete er. ‚Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!‘“ (Markus 1,15) Mit anderen Worten: Die Menschheit und jeder Einzelne kann nun im Wirkungsbereich des Willens Gottes leben. Wir können das Reich, in dem unser eigener Wille geschieht und in dem die meisten Menschen zu leben gewöhnt sind, gegen das Reich eintauschen, in dem die selbstlose Liebe Gottes regiert – und damit der bedingungslose Wille zum Guten.

Und mit jedem Menschen, der sein Leben auf dieses Reich ausrichtet, schreitet die Rettung dieses Universums voran. Dieses Reich ist die ultimative Wirklichkeit, in der früher oder später jede und jeder ankommen wird. Alles in diesem Universum läuft auf dieses Reich zu.

Die Verwandlung

In diesem Reich werden wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu durch die Liebe Gottes verwandelt – und selbst zu Persönlichkeiten, die lernen, selbstlos zu lieben.

Weil dieses Reich die Realität ist, bedeutet darin zu leben das Beste, was dem Menschen geschehen kann. Denn niemand kann und soll in einer Illusion leben. Der Ruf Jesu zur Umkehr ist der Ruf in die Realität, wie Gott sie ursprünglich geschaffen hat. Auf diesen Gedanken aufbauend beantwortet Jesus in der Bergpredigt (Matthäus, Kapitel 5 bis 7) die wesentlichen Grundfragen des Menschen. Und ganz am Anfang dieser Grundlage wendet er sich der Frage zu: Wer ist gesegnet?

Das bedeutet so viel wie: Wer hat denn das gute Leben? Diese Verse werden traditionell als die Seligpreisungen bezeichnet. Seine bestechend einfache Antwort lautet: Die Menschen, die im Reich Gottes leben, haben das gute Leben.

Diese Menschen sind wahrlich gesegnet. Sie sind gesegnet durch die Wirklichkeit des Reiches Gottes. Sie sind gesegnet durch das umfassend Gute, das ihnen in diesem Reich begegnet und zur Verfügung steht.

Der Ruf Jesu zur Umkehr ist der Ruf in die Realität, wie Gott sie geschaffen hat

Worin der Segen wirklich liegt

Um die Großartigkeit des Reiches Gottes darzustellen und vor Augen zu malen, welche Auswirkungen dieses Reich hat, benennt Jesus Menschen, die nach den Maßstäben der Welt scheinbar am wenigsten gesegnet sind: die Armen, die Misshandelten, diejenigen, denen übel mitgespielt wurde.

Gerade bei ihnen kann das Gute zum Leuchten kommen. Vermutlich hatte er im Moment der Bergpredigt einzelne Vertreter dieser Menschengruppe direkt vor Augen, weil sie um ihn herumstanden oder saßen. So spricht Jesus die Armen an, die Trauernden, die Sanften, die unter Ungerechtigkeit Leidenden, die Barmherzigen, die mit einem reinen Herzen, die Friedensstifter und diejenigen, die um seinetwillen verfolgt werden. Es sind nicht acht verschiedene Gruppen, die Jesus anspricht, sondern es sind Sätze für die Armen, die Leidenden, für die, die mit dem Leben kämpfen.

All diese Menschen haben gemeinsam, dass sie in den Augen der Welt nicht als privilegiert angesehen werden. Es ist nichts Gutes daran, arm zu sein, einen schweren Verlust zu betrauern, unter Ungerechtigkeit zu leiden oder verfolgt zu werden. Wer solche Dinge erlebt, gilt nach der Einschätzung der meisten Menschen kaum als gesegnet. Und diesen Umstand an sich verkehrt Jesus auch nicht ins Gegenteil.

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Aber es liegt bei ihm auch kein Segen im Armsein an sich. Wer einmal arm gewesen ist, weiß das nur zu gut. Es liegt kein Segen im Trauern, wer sanftmütig ist, erweist sich häufig als viel zu sensibel für die Härten dieser Welt. Wer nach Gerechtigkeit sucht, wird häufig enttäuscht, wer sich barmherzig zeigt, wird nur allzu oft übervorteilt, wer sich ein reines Herz bewahrt, wird ausgenutzt und wer verfolgt wird, dessen Leiden ist offensichtlich.

Der Segen für all diese Menschen liegt nicht in den beklagenswerten Verhältnissen oder den Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Der Segen, den Jesus seinen Zuhörerinnen und Zuhörern zuspricht, liegt allein im umfassenden Gutsein des Reiches Gottes, das auf all diese Einschränkungen und Benachteiligungen eine tragfähige Antwort bietet. Den Armen gehört im Reich Gottes unerhörter wahrer Reichtum, es ist das Reich Gottes, das ihrer Not begegnet. Trauernde werden im Reich Gottes Hoffnung und Trost finden, die Sanftmütigen werden nicht ausgebeutet, sondern dauerhaft besitzen, was ihnen nicht mehr genommen werden kann. Die Barmherzigen werden selbst Erbarmen erleben, und die ungerecht Behandelten werden ihren Hunger nach Gerechtigkeit bei Gott gestillt bekommen.

Es ist die umfassende Wirklichkeit des Reiches Gottes, die der Inhalt des Segens ist – und die Menschen einlädt, ihr Eigenes zugunsten dieses Reiches aufzugeben.

Ein Manifest vom Reich Gottes

Im Reich Gottes begegnet uns die Realität Gottes, die atemberaubendes Leben anbietet. Leben in einer Tiefe und Weite, Leben in der selbstlosen Liebe eines zutiefst guten Gottes, Leben mit göttlicher und darum unzerstörbarer Qualität. Dabei ist dieses Reich alles andere als eine Verströstung auf das Jenseits. Es ist keine billige Abspeisung der Leidenden, nach dem Motto: Hast du im Diesseits schlechte Karten, musst du halt aufs Jenseits warten.

Es ist gerade der Segen und die Fülle, die uns schon hier und jetzt zur Verfügung stehen und helfen, unser Leben jetzt zu leben. Ein Angebot für alle, gerade für die Armen, die Machtlosen und Verfolgten. Gott bietet uns seine Ressourcen, seinen Frieden, seine Kraft, seine Liebe, seine Zuversicht und Hoffnung an – Segenskraft, die in seinem Reich zur Verfügung steht. Und damit zugleich unsere Welt Schritt für Schritt zu einem besseren Ort machen kann.

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Die Seligpreisungen sind ein Manifest auf die großartige Schönheit des Reiches Gottes, das die gesamte Ausrichtung unseres Lebens bestimmen will.

Jörg Ahlbrecht ist Pastor und arbeitet bei Willow Creek Deutschland.

Dieser Artikel ist im christlichen Magazin AUFATMEN erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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