Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in verschiedenen Städten gegen Rechtsextremismus demonstriert. In Berlin nahmen nach Veranstalterangaben rund 10.000 Menschen an Protesten gegen einen Aufmarsch von Rechtsradikalen teil.
Mit Sitzblockaden versuchten sie, den Marsch aufzuhalten. In Solingen gingen rund 1.000 Menschen auf die Straße, wie die Organisatoren mitteilten. Auch in Zwickau beteiligten sich rund 1.000 Bürger an einer Demonstration. Weitere Veranstaltungen fanden in Rostock und Erfurt statt.
Es gebe kein Platz für rechtsradikales Gedankengut in Solingen, erklärte das Bündnis «Bunt statt Braun», dem etwa 60 Organisationen angehören. Mit der Kundgebung wollten die Initiatoren, zu denen auch die christlichen Kirchen zählen, ein Gegengewicht zu einer Kundgebung der rechtsradikalen NPD und einer Wahlkampfveranstaltung der rechtspopulistischen Gruppierung «Pro NRW» setzen. Den Auftakt der Protestveranstaltungen machte ein ökumenischer Gottesdienst. Im Anschluss fand eine Islamische Gebetsandacht statt.
Auch in Zwickau demonstrierten die Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis. Einsprüche vor Gericht seien meist erfolglos gewesen, bedauerte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). «Doch wir wollen verhindern, dass sich die NPD hier wohlfühlt.» Im Anschluss an die Kundgebung versammelten sich rund 250 Menschen zu einem Friedensgebet im Zwickauer Dom. Die NPD hatte den Angaben zufolge einen Aufmarsch mit rund 200 Teilnehmern angemeldet.
Mit Sitzblockaden verhinderten rund 1.500 Menschen in Erfurt einen Aufzug von Neonazis an verschiedenen Orten. Zu den gewaltfreien Protestaktionen hatten neben zahlreichen Organisationen auch alle Landtagsfraktionen aufgerufen. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) betonte, jede Form von Extremismus und Gewalt habe «in Thüringen nichts zu suchen». Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sagte, das Herz Thüringens und seiner Landeshauptstadt «schlagen nicht braun, sondern bunt und in aller Vielfalt, die menschliches Zusammenleben erst lebenswert macht».
In Rostock blockierten rund 400 Menschen mit einer Sitzblockade einen NPD-Aufmarsch. Die Route der rund 500 NPD-Anhänger wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen geändert, wie ein Polizeisprecher sagte. Auf einem Bürgerfest rief Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) dazu auf, ein Zeichen gegen Rechtsextreme zu setzen und für ein soziales, menschliches und friedliches Miteinander einzutreten. Schwesig appellierte an die Bundesregierung, die Programme gegen Rechtsextremismus fortzusetzen. Bereits am Freitag hatten bei einer antifaschistischen Demonstration nach Polizeiangaben etwa 300 Menschen friedlich protestiert.
(Quelle: epd)
