Johannes 5
Von da an verfolgten die führenden Juden Jesus, weil er dies an einem Sabbat getan hatte. Doch Jesus entgegnete ihnen: „Mein Vater hat bis heute nicht aufgehört zu wirken und deshalb wirke ich auch.“ Danach versuchten sie erst recht, ihn zu töten, hatte er doch nicht nur den Sabbat aufgehoben, sondern auch Gott als seinen Vater bezeichnet und sich damit Gott gleichgestellt. Daraufhin erwiderte Jesus: „Ich versichere euch: Der Sohn kann nichts aus sich heraus tun. Er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn. Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und der Sohn wird noch weit Größeres tun. Ihr werdet staunen über das, was er tun wird. Er wird von den Toten auferwecken und lebendig machen, wen er will, genau wie der Vater. Und der Vater richtet niemanden, sondern das Gericht hat er ganz in die Hände seines Sohnes gegeben, damit alle den Sohn ebenso ehren wie sie den Vater ehren. Doch wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“
In den Ohren der Juden klingelt es nun gewaltig. Als ob die bisherige Verhaltensweise Jesu nicht provokativ genug gewesen wäre, fängt er jetzt auch noch damit an, aus seinem Familienleben zu berichten, wohlgemerkt: aus der Beziehung zwischen Gott, dem Vater, und ihm selbst.
Das können Pharisäer und Schriftgelehrte nur als Schlag ins Gesicht auffassen, denn was Jesus hier sagt, klingt nicht nur ungeheuer anmaßend. Jesus nimmt ihnen damit zudem das Recht, den Willen Gottes zuverlässig für die Praxis interpretieren zu können. Kurz: Es stellt ihr gesamtes Weltbild auf den Kopf.
Aus den Worten Jesu spricht eine Vertrautheit mit dem Vater, die die Schriftgelehrten nie besessen haben. Keine Frage: Das wirkt auf viele auch interessant und attraktiv – und gerade darum ist Jesus so gefährlich. Am „gefährlichsten“ ist auch das Christsein immer dann, wenn es seinen Pulsschlag einer engen Beziehung zu Gott verdankt.
