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3 Leitungsstile für die Jugendarbeit im Vergleich

Demokratie taugt nicht für die Jugendarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt Jugendleiter René Graf, nachdem er drei Führungsstile im Kontext der Jugendarbeit miteinander verglichen hat.

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René Graf geht im Blog von Mr. Jugendarbeit auf den autoritären/hierarchischen, den kooperativen/demokratischen und den Laissez-faire-Stil ein. Die Mischung aus autoritärem Leitungsstil und Laissez-faire sei ideal für die Jugendarbeit, findet er.

Graf verdeutlicht seine Ansicht an einem Beispiel. Für ein kooperatives Teamspiel gibt die Jugendleiterin oder der Jugendleiter erst die Aufgabenstellung und die Regeln bekannt – autoritär. Anschließend lässt sie oder er die Kinder und Jugendlichen einfach machen und beobachtet – Laissez-faire.

Durch Fehler lernen

Als Nachteile des demokratischen Führungsstils sieht Graf die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Leiterinnen und Leitern und den Kindern verschwimmen. „Als Beobachter benötigt man immer eine gewisse Distanz zur Gruppe, um möglichst viel wahrnehmen zu können“, sagt Graf. Das funktioniere nicht, wenn man, wie beim demokratischen Stil, Teil des Prozesses sei.

Es gehe nicht darum, dass die Kinder irgendwelche Ziele erreichen. „Der Lerneffekt ist mindestens so groß, wenn in einer Aktion Fehler gemacht werden und ein Ziel nicht erreicht wird“, schreibt Graf. Dazu gehöre aber auch, dass am Ende gemeinsam mit den Kindern ausgewertet werde.

Weiterlesen im Blog von Mr. Jugendarbeit.

7 Kommentare

  1. Erschreckend , dass ein demokratischer Führungsstil in einer professionellen christlichen Einrichtung als ungeeignet abgelehnt wird.
    Zum Artikel habe ich auch den Blog gelesen und nun die Kommentare hier.
    Wo sollen die Jugendlichen es lernen, wenn nicht in einer christlichen Gruppe???
    Hier wird ein Beispiel aus der Küche genommen, um die drei Führungsstile zu erklären. Hätte es dafür nicht Hunderte besserer Beispiele auch aus der Jugendarbeit gegeben? Denn nun sind diese 3 Stile eben nicht wirklich erklärt.
    Mein Eindruck: hier wird demokratischer, kommunikativer Stil als eher schwach dargestellt, weil er möglicherweise nicht richtig verstanden wird.
    In dem Beispiel wirkt es so: erst eine autoritäre Ansage, dann die Leute alleinlassen. Was für ein Menschenbild steckt dahinter? Liegt nicht in beiden Stilen die Vermeidung von Auseinandersetzung der Leitenden mit der Gruppe sehr nahe? Als könnte man es nicht anders bewältigen.
    „Wie sich die Teilnehmenden an die Aufgabe ran macht, ob sie demokratisch eine Entscheidung trifft oder ob jemand innerhalb der Gruppe die Führung übernimmt, das wird ihr überlassen. Die Art und Weise wie der Gruppenprozess stattgefunden hat kann ja auch ein Teil der Reflexion sein.“
    Falls also Missachtung, Ausgrenzung, Unterdrückung, usw. stattgefunden haben, wird das in der Auswertung nachher als Theorie besprochen, eben nicht gemeinsam in der Praxis ein anderer Weg erprobt und erlebt, das ist schade (sowohl für die Unterdrückten als auch für die Unterdrücker)
    Konfliktlösung modellhaft in der Gruppe lernen, das wäre die Chance gewesen. Und als etwas Erlebtes wirkt es viel tiefer als nur im Resümee nachher.
    Zum demokratischen, kommunikativen Stil würde gehören, die Sache währenddessen zu begleiten, die Konflikte und Prozesse in der Gruppe zu beachten und zu kommunizieren , hilfreiche Angebote zu machen, und modellhaft das Miteinander zu lernen, selbst in dem Beispiel, da es ja wohl nicht nur um einen reinen Kochkurs geht, sondern um Jugendarbeit.
    Demokratischer (kollegialer) Führungsstil wird leider oft stark verkürzt auf demokratische Entscheidungsfindung. Aber es heißt nicht, die Führung umfassend an die Gruppe abgeben (das wäre Basisdemokratie, die ist nicht gemeint, es bleibt ja Führung) Einen „bestimmten Rahmen“ zu definieren, gehört dazu. Innerhalb eines demokratischen, kommunikativen Führungsstils kann dann sehr wohl moderiert und gelenkt werden, aber unter Einbeziehung der Gruppe, nicht über sie hinweg oder an ihr vorbei.
    Beim kommunikativen Führungsstil wird als Nachteil benannt: „Dabei können Abhängigkeiten entstehen, welche die Beteiligten daran hindern, eigene Lösungen zu erarbeiten.“ Wieso wird die Gefahr von Abhängigkeit und die Gefahr der Unselbständigkeit beim autoritären Stil nicht gesehen.? Wieso wird beim Laisser-faire nicht die Gefahr verdeckter Abhängigkeit gesehen? Und sei es durch Nicht-Kommunikation, durch nicht offen kommunizierte Erwartungshaltungen oder durch sich selbst überlassene Gruppendynamik?
    Und die Grenzen zwischen Leiterinnen / Leitern und den Kindern müssen auch nicht „verschwimmen“, das ist eher eine Frage an die Professionalität des Leiters / der Leiterin. Tatsächlich greifen zum autoritären Stil oft gerade Personen, die selbst schwach sind, um ihre Schwäche zu verstecken und für stark gehalten zu werden.
    Und vor allem, von Fachliteratur und Berufspraxis bestätigt: viel mehr als in den beiden anderen Führungsstilen kann durch kommunikativen Führungsstil ein tragendes „Wir“ der Gruppe entstehen. Diese Dimension ist im Blog überhaupt nicht erwähnt. Ist es nicht so wichtig? Bei einer christlichen Einrichtung?
    Es bleibt: alle diese Stile habe Vor- und Nachteile. Aber sollte nicht angesichts zunehmender anti-demokratischer Tendenzen in unserer Gesellschaft ein besonders Gespür dafür entwickelt werden, was man im kleinen bewirken oder schleichend einreißen lassen kann?

  2. Guten Tag Herr Hehner

    Die Headline „Die Demokratie taugt nicht für die Jugendarbeit“ ist etwas gar reisserisch formuliert. So hatte ich sie in meinem Artikel auch nicht formuliert gehabt.

    Im Prinzip ging es um folgendes: Jeder Leitungs- und Führungsstil für sich genommen birgt Vor- und auch Nachteile mit sich. Beim demokratischen oder kooperativen Leitungsstil kann die Gefahr sein, dass durch den Umstand, dass die Gruppe als Ganzes entscheiden sollte in welche Richtung man geht, diese Prozesse eine lange Zeit gehen können, bis aus dem „Storming“ heraus ein „Norming“ erzielt wird. Oder man kürzt den Prozess ab, indem man oft verfrüht zu einer Abstimmung kommt. Jugendliche, die sich vielleicht (noch) nicht getraut hatten etwas zu sagen, gehen da meist unter. Durch die Abstimmung übergeht man die Minderheiten in der Gruppe. Doch man hat die Mehrheit auf der einen Seite.

    Das ist die eine Gefahr des kooperativen Leitungsstils, die andere ist (und darauf ging ich hauptsächlich ein), dass die Grenzen zwischen Leitung und den Teilnehmenden verschwinden können. Man hat in der Kooperation eine grosse Nähe zur Gruppe und ist oft an der Lösung der Probleme mitbeteiligt. Das heisst man greift vielleicht auch zu stark in das Geschehen ein und steht der Gruppe damit im Weg, dass sie eigene Lösungen finden können. Wenn man sich da als leitende Person etwas mehr auf Distanz begibt und der Gruppe den Raum gibt kreativ zu werden, Erfolge zu erzielen und auch zu scheitern, kann man die Gruppe aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen, was auch in die Reflexion einfliessen kann.

    Es ging im Artikel nicht darum, dass keinerlei Kooperation stattfinden soll oder die Gruppe keine Entscheidungen treffen kann. Doch diese Entscheidungen erfolgen innerhalb eines bestimmten Rahmens, den ich als Leiter:in oder Coach:in definiere. Wie sich die Teilnehmenden an die Aufgabe ran macht, ob sie demokratisch eine Entscheidung trifft oder ob jemand innerhalb der Gruppe die Führung übernimmt, das wird ihr überlassen. Die Art und Weise wie der Gruppenprozess stattgefunden hat kann ja auch ein Teil der Reflexion sein. Zum Beispiel die Frage: Waren die anderen einverstanden damit, dass diese Person die Führung übernahm? Fühlte sich jemand übergangen?

    Zum Beispiel aus diesem Ritter-Zeltlager: Im Grunde bin ich davon überzeugt, sollte ein Programm möglichst altersgerecht sein. Doch auch innerhalb einer Altersgruppe gibt es verschiedene Charaktertypen und eine Person verspürt früher Angst und Panik als eine andere. Darum ist aus meiner Sicht es völlig wichtig, dass zu jeder Zeit eine Freiwilligkeit besteht und jede:r „Stop“ sagen darf. Das gilt für mich auch für leitende Personen, die Grenzen überschritten sehen. Das hat für mich nichts mit „Spielverderber“ zu tun. Es ist pädagogisch sicherlich wichtig, es zu ermöglichen aus der komfortzone herauszukommen und etwas zu lernen. Ich bin da nicht prinzipiell gegen Arten des Kampfes, weil man auch da Dinge lernen kann. Während dem Bogenschiessen bspw. konnte mir eine erfahrende Pädagogin Dinge sagen, die direkt zu mir gesprochen haben, weil sie sich nicht nur auf das Bogenschiessen konzentrierte, sondern da auch viel von meiner Persönlichkeit sah, wie ich den Bogen hielt, wie ich ihn spannte und wie ich mich auf das Ziel fokusieren konnte (oder eben auch nicht). Doch wenn Angst mitspielt und damit gespielt wird, ist es pädagogisch nicht wertvoll. Da bin ich total bei Ihnen. Ich hatte neulich in einer Freizeit auch ein Gespräch mit einem Teenager, der eine Grenze überschritten hatte und trotz eines „Stop“ weitergekämpft hatte. Es ist danach nicht wieder vorgekommen.

    • Hallo Herr Graf,

      es stimmt, dass ich den ersten Satz sehr zugespitzt habe. Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Erläuterungen.

      Liebe Grüße,
      Pascal vom JDE-Team

  3. Demokratie fällt nicht vom Himmel, sondern muss von jeder Generation neu gelernt werden. Demokratie ist die Möglichkeit zu Selbstentfaltung, und gleichzeitig dürfen die vielfältigen Meinungen und Bedürfnisse anderer nicht aus dem Blick verloren werden. Wir müssen unsere Demokratie mit Leben füllen, ihre Veraussetzungen bewahren und sie offensiv gegen Bedrohungen verteidigen – und zwar jeden Tag aufs Neue.

  4. Demokratie ist ein wichtiges Element

    Demokratie taugt nicht für die Jugendarbeit ? Da würde ich kräftig widersprechen, obwohl meine Mitarbeit in der Ev. Jugendarbeit schon ganz viele Jahrzehnte zurückliegt. Demokratie angewendet auf Jugendarbeit und auf die Art des Führungsstils (kooperativer Führungsstil) kann ja im jeweiligen Einzelfall bedeutet: Beispielsweise Spielregeln einzuführen wie die gemeinsame Erstellung eines Programmes (welches für die Betreffenden auch eine persönliche Relevanz besitzt). Oder über das Stattfinden oder Nichtstattfinden von Unternehmungen und Aktionen ein mehrheitliches Einvernehmen herzustellen. Mit Erwachsenen habe ich bei der Durchführung von Busfahrten mit Besichtigungen einmal einen sehr wichtigen Fehler gemacht und daraus grundsätzlich gelernt: Wir sind am Nachmittag an einer Kleinstadt vorbeigekommen mit einer großen Kirmes. Ich habe die Busgesellschaft abstimmen lassen – wir machen einen gemeinsamen Rundgang – oder wir machen keinen gemeinsamen Rundgang. Etwas dreiviertel meiner Reisegäste waren für den Kirmesbesuch und im Ergebnis ging dann der unterlegende Rest in einen bockigen Widerstand. Eine ältere Teilnehmerin bekam einen nicht vollständig glaubwürdigen Herzanfall. Also: Lieber nicht ein feststehendes Programm in seinem Ablauf ändern, das bringt Unfrieden und ist unpädagogisch. Demokratie ist eine wertvolle Spielregel, weil gemeinsame Ziele erarbeitet werden und diese in der Regel in ein Programm oder Aktion führen. Wo Demokratie nicht funktionieren kann: Etwa beim Singen und Musizieren in Chören, denn über das Dirigat und die fachliche Einordnung von Chorliteratur kann niemand abstimmen. Nicht abstimmen kann man in der Jugendarbeit, ob gefährliche bzw. riskante Wanderung, etwa die Besteigung eines Berges stattfindet, weil hier die Verantwortung naturgemäß bei der Leitung liegt. Für nichtdemokratische Führungsstile sind auch junge Menschen oft gerne zu gewinnen, weil leitende Menschen in und durch ihre Persönlichkeit begeistern können. Aber hier kann das nahe Beieinanderliegen von Hosianna und Kreuziget ihn fatal sein. In der Bildungsarbeit gibt es beispielsweise die Methode der „themenzentrierte Interaktion“. Diese ist symbolisch wie ein Dreieck und bezeichnet die Wichtigkeit von a) des Themas b) mich als Person c) die Wichtigkeit der Gruppe. Störungen dürfen und sollen artikuliert werden und sollten besprochen werden, weil sie das Erreichen des Gruppenzieles hindern können. Es ist also ganz wichtig alles oder vieles im Auge zu haben und auszugleichen. Eine gute Jugendarbeit sollte die Leiter*innen unterstützen mit Beratung in Form einer Art von Supervision, damit Probleme gemeinsam besprochen und gelöst werden können.

    Unpädagogische Aktionen habe ich in meiner nachpubertären Zeit auch erlebt. Da denke ich an ein an sich erlebnisreiches Zeltlager mit Kindern, die zumeist begeistert waren von der Stimmung, des Programmes mit erlebnispädagogischen Aktionen und auch des christlichen Inhaltes. Aber die Idee des Lagergerichtes ausgeführt bestand darin, kleine Fehler einzelner Kinder zu ahnden, die dann vor das strenge Lagergericht gezerrt wurden. Diese nahmen dies ungeheuer ernst und für die begeisterten Zuseher war das eine große Belustigung. Ich war diesbezüglich ausersehen zum Verteidiger und ich habe einen Betreffenden auch tatsächlich verteidigt. Damit wurde ich zum großen Spielverderber. Mir widerstrebte, in Bibelarbeiten von der Nächstenliebe zu schwärmen, aber dann kleine Menschen zu verängstigen und ihnen beizubringen, wie Inquisition sich anfühlt. Das gilt auch für Kriegsspiele. Ich habe, obwohl das lange zurückliegt, eine kritische Selbstreflexion bei den anderen Leitern nicht wahrgenommen. Damals hatte man aber den Ritterschlag schon weitgehend programmatisch abgeschafft. Denn nach heutiger Erkenntnis waren die Ritter mit ihren Schwertern wenig barmherzig.

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