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Wie sieht ein Leben als Christ in den sozialen Netzwerken aus und woran orientiert man sich, wenn in der Bibel gar nicht darüber gesprochen wird? Ist dann alles erlaubt?

Von Thorsten Dietz

Diese Fragestellung „Sagt die Bibel etwas zu einem Thema – oder nicht?“ offenbart im Grunde ein Missverständnis: dass es in der Bibel um eine Regelbefolgungsethik geht. In der Bibel müsse man nur zu allen Lebenslagen die eine, passende Regel aufsuchen und dann befolgen; und wenn man keine findet, „darf“ man selbst überlegen, was man für richtig hält. Dann wird schnell gesagt: Die Bibel gibt keine konkreten Regeln vor, wie man sich z. B. als Aktionär verhalten soll, welche Maßstäbe für Werbefotos gelten – oder auch, ob und wie sich Christen in sozialen Netzwerken zu Wort melden dürfen.
Christliche Ethik funktioniert jedoch nicht wie die Suche nach Tempolimits; und wenn man keine findet, gibt man Gas. Vielmehr gilt grundsätzlich: „Sucht das Gute, nicht das Böse“ (Amos 5,14 a)! Das gilt natürlich auch in allen Lebensbereichen, zu denen die Bibel nichts direkt sagt.

„Alles ist erlaubt; aber nicht alles dient zum Guten.“

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Was kann das heißen, für den Umgang mit sozialen Netzen? Ein „Institut für digitale Ethik“ hat zuletzt zehn Gebote der digitalen Ethik veröffentlicht. Aufgeführt werden Regeln wie: „1. Erzähle und zeige möglichst wenig von Dir.“ oder: „4. Lasse nicht zu, dass jemand verletzt und gemobbt wird.“ Oder auch: „8. Messe Deinen Wert nicht an Likes und Posts.“
Brauchen wir solche Regeln? Beruhen diese Gebote nicht auf selbstverständlichen Grundsätzen des Glaubens? Bis heute ist hilfreich, noch einmal bei Paulus Maß zu nehmen.
„Alles ist erlaubt“, sagten einige Christen in Korinth. Ja, sagt Paulus, aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Die Freiheit wird nicht einfach zurückgenommen, aber Paulus relativiert sie durch Zielbestimmungen des christlichen Handelns: „aber nicht alles dient zum Guten“ (1. Korinther 6,12 a) bzw. „aber nichts soll Macht über mich haben“ (1. Korinther 6,12 b).

„Was unser Leben mehr und mehr bestimmt, sollten wir kritisch hinterfragen, bevor es zu spät ist.“

Diese beiden Leitlinien sind bis heute wertvoll. Was unser Leben mehr und mehr bestimmt, sollten wir kritisch hinterfragen, bevor es zu spät ist. Jeder Mensch muss lernen, mit Macht, Anerkennung, Lust etc. umzugehen. Und was für den einen keine Versuchung darstellt, fängt bei einem anderen an, das Leben zu beherrschen. Vieles dient nicht dem Guten oder wie Paulus später formuliert: „aber nicht alles baut auf“ (1. Korinther 10,23 b). Ist im Netz alles erlaubt? Nein, natürlich nicht. Wahrheit und Respekt sind in jedem Lebensbereich wichtig. Und ja: In sozialen Netzwerken muss über vieles noch einmal neu nachgedacht werden. Wo man miteinander redet, die Stimme des anderen hört und ihm in die Augen sieht, bekommt man viel mehr Zwischentöne mit. Und es gibt weniger Missverständnisse. Diskussionen über strittige Fragen geraten im Netz nicht nur manchmal aus dem Ruder, sondern regelmäßig. Bei Christen und bei Nichtchristen. Wie wir uns im Netz über andere äußern, hat ganz andere Folgen als im „realen“ Leben. Es ist gut, über Gebote im digitalen Leben nachzudenken. Alles ist erlaubt; aber nicht alles dient zum Guten.


Dieser Artikel ist zuerst in der Dran NEXT erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Schade, ich dachte es geht mehr über eine Anleitung, wie man als Christ soziale Medien zum Missionieren verwenden kann.

    Unter Sammy Summer findet man mich unter Youtube, Facebook, Instagramm, Twitter… etc.

    Freue mich über viele neue Brüder.

  2. Ich finde es zu wenig Informationen über die Sozialen Netzwerke,wie geht man damit um .Bin als Christ auch bei Facebook und ich muss schon sagen was da so abläuft das ist oft nicht so gut.Aber es gibt viel gutes auch noch

  3. Schade, dass die Diskussion schon stockt. Ich lege mal nach.

    In Facebook und Co. fällt es nicht immer leicht (auch mir nicht), auf abweichende Meinungen oder vermeintlich abstruse Äußerungen cool und sachbezogen zu reagieren. Es juckt in den Tippfingern, hämisch-spöttisch-verächtlich zu antworten. Genau bei Ansichtsdifferenzen wäre aber Christsein und Nachfolge relevant und vorzeigbar. Verächtliche Formulierungen sind schnell gefunden, aber wie drückt man seine andere Meinung ohne Niedermachen des Gegenübers aus? Wem fällt da ebenso schnell eine verbindende Ausdrucksweise ein? Das verlangt schon mehr Mühen. Jedoch kann gerade darin Christsein=Erlöstsein deutlich werden.

    Als Glaubensreaktion finde ich es sehr wichtig, sich nicht von dem in den Netzen verbreiteten Reaktionsmuster vereinnahmen zu lassen. Kaum hat eine was Schräges gesagt, wird draufgedroschen. Man wird ja wohl mal seine Meinung sagen dürfen? Auch hier wäre es vielleicht nicht nur besser, sondern auch geschickter, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Oder wie Jesus empfiehlt: Was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch, Matth. 7,12.

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