Wer die Schöpfung bewahren will, muss sie zunächst schätzen lernen. Und kaum eine Jahreszeit eignet sich besser für ausgedehnte Waldspaziergänge als der Herbst. 7 Tipps, um Kindern die Natur nahezubringen.

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Anregungen von Melanie Schmitt.

Es gibt viele Momente in einem Kinderleben, in denen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bereits ganz alltäglich und praktisch gelebt werden: das Wasser ausmachen beim Hände-Einseifen, das Altglas in den Recycling-Container bringen. Aber warum? Wozu das Ganze? Warum müssen wir laufen und nehmen nicht  einfach das Auto? Damit Kindern der Mehraufwand plausibel wird, müssen sie erst einmal schätzen lernen, was sie schützen sollen. Das gemeinsame Staunen über Gottes wunderbare Welt ist da ein Anfang.

Um Umwelthelden zu werden, müssen Kinder erfahren:

Die Natur ist mehr als nur ein Ort, an dem ich mich wohl fühle. Sie ist ein sensibles Gesamtkunstwerk, das schützenswert ist.

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Ausschließliche Wissensvermittlung bringt dabei wenig. Viel wichtiger ist die emotionale Verbundenheit zur Natur. Nur wer mit der Natur vertraut ist, fühlt sich ihr auch verbunden. Und nur was uns wichtig ist, empfinden wir als wahrhaft schützenswert. Je früher diese Liebe zur Natur entfacht wird, desto ausgeprägter und tiefer entwickelt sie sich. Eine emotionale Verbindung zur Natur entsteht natürlich nicht, wenn Kinder überall mit dem Auto hinkutschiert werden und Bäume nur aus dem Bilderbuch kennen.

Stehen und staunen

Der erste Schritt, um Kindern Verantwortung für die Schöpfung nahezubringen, besteht also darin, mit ihnen das Staunen über die Wunder unseres Planeten zu teilen, ihnen konkrete Naturerlebnisse zu ermöglichen. Konkret heißt wirklich konkret: rausgehen in den Wald, auf die Wiesen, an den Bach, Tannenzapfen untersuchen, Steinchen werfen, Schnecken beobachten, Regenwürmer suchen.

Spazierengehen mit Zweijährigen ist dabei oftmals eher „Spazierenstehen“. In jede Pfütze muss gepatscht werden, jeder Käfer wird lange bestaunt. Unternehmen Sie regelmäßig Spaziergänge, bei denen es nicht ums Streckemachen geht, sondern ums Staunen. Ganz besonders schön: Bei diesen Gelegenheiten können Sie Ihre Entdeckungen immer wieder mit Gott in Verbindung bringen. Die Schnecke hinterlässt eine Schleimspur? „Schau mal, Gott hat die Schnecken ganz glitschig gemacht!“ Ein Apfel ist ziemlich rund und gelb, der andere sieht ganz anders aus? „Schau mal, Gott hat so einen Apfel gemacht und auch so einen. Wie lustig!“ Das verstehen schon die Allerkleinsten, von Anfang an. Hier, in seiner Welt, nimmt Gottes Wesen Farben, Formen und Strukturen an, wird lebendig, fühlbar und begreifbar.

Und die Brennnesseln? Warum gibt es die? Ich bin keine Biologin, aber mit meinen Kindern durfte ich immer wieder entdecken, dass Pflanzen und Tiere tolle Tricks auf Lager haben, um sich zu schützen und um in ihrer Nische der Natur in Besonderheiten zu leben: Die Kühe auf der Weide wollten die Brennnesseln jedenfalls lieber nicht wegfressen. Und wir wollten sie auch nicht pflücken. Schlaue Sache.

Was entdecken Sie? Und Ihre Kinder?

Fahren Sie Ihr Kind nicht nur im Wagen, sondern lassen Sie es möglichst viel laufen, die Natur anfassen, begreifen. Nehmen Sie sich Zeit zum Staunen. Besuchen Sie Orte, die nicht menschengemacht sind, sondern wirkliche Natur. Im Wald machen Kinder ganz andere, tiefere Erfahrungen als auf einem Spielplatz. Sie erfahren eine Menge über ihre staunenswerte Umgebung und über sich selbst – schaffe ich es den steilen Grashang hoch? Wie komme ich über diesen  dicken Ast? Natur hat eine unglaublich ausgleichende Kraft auf unruhige und aufgewühlte Gemüter. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Eltern. Probieren Sie es aus! Natur tut wunderbar gut – eine tolle, erdende Erfahrung für alle, erst recht, wenn diese Erfahrung verbunden ist mit einem bewussten, spontanen Dank an den, der sich das alles so herrlich vielfältig ausgedacht hat.

Eine Schnecke auf einem dünnen Ast
Pexels / Pixabay

Konkrete Schritte

Motiviert durch Naturerlebnisse und zunehmendes Wissen über Umweltzusammenhänge entwickeln Kinder in einer späteren Lebensphase die Absicht, etwas zu unternehmen, um die Natur zu schützen, oft noch ungezielt. Sie verstehen:

Gott hat uns Freiheit im Denken und Handeln gegeben und uns damit in die Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Umwelt gestellt.

Egal, wie die Kinder ihrer aufkeimenden Verantwortung gerecht werden wollen – ob sie nun zu ihren Nachmittagsaktivitäten radeln, statt mit dem Auto gefahren zu werden, ob sie auf Fleisch verzichten oder auf ein weiteres Paar Turnschuhe – unterstützen Sie Ihren Nachwuchs darin. Selbst wenn diese Handlungen nur von kurzer Dauer sind: Sie sind ein wichtiger Schritt zu einem späteren, umfassenderen, nachhaltigen Engagement.

Niemand wird sich rundum ökologisch korrekt verhalten, und es ist oft gar nicht so leicht, das Für und Wider in puncto Nachhaltigkeit abzuwägen. Nehmen Sie Ihre Kinder in Ihre Gedanken und in dieses Abwägen mit hinein. Größere Kinder sind oft erstaunlich gut informiert und haben sehr kreative Ideen. Kommen Sie in der Familie ins Gespräch: Wollen wir das kaufen oder leihen? Wo können wir Energie sparen? Was meinst du, wäre ein gesundes Maß? Wir waren schon oft erstaunt über die strengen Regeln, die unsere Kinder für sich selbst vorschlugen (Topthema: Medienkosum), wenn wir sie um ihre Einschätzung baten (das Durchhalten ist dann nochmal ein eigenes Kapitel). Wie wollen wir den Urlaub verbringen? Was ist wohl Gottes Sicht auf diese Bestellung? Ich bin übrigens der Überzeugung, dass Gott gönnt. Sprich: dass seine Antwort nicht immer nur Verzicht ist. Aber das können Sie ja selbst für Ihren konkreten Fall als Familie im Gebet erfragen.

Ideen zum Staunen

Am Anfang steht also das Staunen. Das Staunen über die vielfältigen Wunderbarkeiten dieses Planeten. Wie kann das konkret aussehen? Wie können Familien das Staunen gemeinsam (er)leben? Ein paar Ideen für Familien im Saus und Braus des Alltags:

  1. Miniwelt
    Genau hinzuschauen braucht immer einen Moment, dann sieht man plötzlich mehr und mehr Details. Packen Sie für den nächsten Spaziergang ein Stück Schnur oder Wolle ein. In der Natur angekommen, können Sie damit einen kleinen Bereich abgrenzen, maximal einen Quadratmeter. Schauen Sie gemeinsam ganz genau hin: Wie viele verschiedene Tiere entdecken wir in diesem kleinen Ausschnitt der Welt? Welches gefällt wem am besten? Was wirkt vielleicht merkwürdig bis gruselig? Welche Pflanzen wachsen hier? Was liegt hier sonst noch herum?
  2. Waldbild
    Der Wald bietet viele schöne Sachen, der ganze Waldboden ist voll davon. Sammeln Sie Dinge, mit denen Sie ein schönes Bild legen können. Für die Mitte wird ein besonders schöner und großer Fund ausgewählt, die anderen Sammelstücke kommen rundherum dazu. Zum Abschluss stellen sich alle um das Bild und danken Gott für die konkreten Fundstücke: „Danke, Gott, für den großen Zapfen, danke für die gelben Blumen …“ Vielleicht können Sie im Lauf der nächsten Woche wieder an diesem Platz vorbeikommen und Ihr Kunstwerk besuchen? Ob sich Tiere etwas geholt haben zum Fressen oder zum Nestbau?
  3. Ständige Ausstellung
    Suchen Sie zu Hause einen geeigneten Ort, an dem Weckgläser oder schöne alte Schubladen (vom Sperrmüll) stehen können, die als Ausstellungsort dienen. Sammeln Sie darin sortiert: ein Glas für Federn, ein Glas für Schneckenhäuser, eine Schublade für Steine. Erst in der Zusammenschau wird deutlich: Das sind zwar alles Schneckenhäuser, aber in ihrer Ähnlichkeit unterscheiden sie sich doch staunenswert deutlich!
  4. Farbentag
    Veranstalten Sie einen Farbentag! Machen Sie einen blauen Montag oder einen grünen Freitag. Welche Dinge in der Natur finden wir in genau dieser Farbe? Sammeln Sie diese Schätze unterwegs, bringen Sie sie mit nach Hause und arrangieren Sie diese Dinge beim Abendessen auf einem Tuch in der Tischmitte. Vielleicht gibt es dann auch ein Abendessen in dieser Farbe? Grüne Paprika, Spinat und Erbsen sind dabei natürlich leichter aufzutreiben als blaues Essen und blaue Getränke. Aber vielleicht haben Sie ja Ideen? Wer mag, kann sich auch in der Farbe des Tages kleiden…
  5. Naturbingo
    Nehmen Sie für jede Person (auch für die Großen) einen Eierkarton mit in die Natur, in dessen Deckel das ausgedruckte Bingo geklebt ist. Zehn Sachen gilt es unterwegs zu finden und in die passende Mulde zu legen: etwas Erde, etwas Weiches, etwas Hartes, etwas Grünes, etwas Blühendes, etwas Rundes, etwas Spitzes, etwas Mehrfarbiges, etwas, das ein Tier verloren hat, etwas, das nicht in die Natur gehört. Wer findet etwas Passendes für jede Mulde?
  6. Vogelzwitschern
    Alle setzen sich draußen gemeinsam auf den Boden, versuchen, so still zu sein, wie es eben geht, und lauschen auf die Vögel. Wer kann einen Vogel hören und dann versuchen, diesen Piepmatz auch auszuspähen? Wo sitzt der gehörte Vogel? Oder kreist er vielleicht über uns?
  7. Wolkentage
    Nehmen Sie eine Decke mit nach draußen und legen Sie sich gemeinsam darauf, mit viel Zeit, um die Wolken zu bestaunen. Wie sehen die Wolken aus? Erinnern sie uns an etwas? In welche Richtung ziehen sie? Sehen sie regengefüllt aus oder noch ganz zart? Wo wird es runterregnen? Bald? Bei uns? Bei Oma? Ob Opa diese Wolken auch vorbeiziehen sehen wird?

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift Family (Ausgabe 05/2020). Family erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Danke, liebe Melanie! Wunderschön, Artikel wie deiner ermutigen mich! Wir Christen haben allen Grund, uns nich viel intensíver mit diesem drängenden Thema auseinanderzusetzen und darüber bei jeder Gelegenheit zu sprechen!

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