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Soziologe: Antireligiöse Tendenzen in Deutschland nehmen zu

Religion wird von immer mehr Menschen in Deutschland für überholt oder gar schädlich gehalten, sagt der Religionssoziologe Detlef Pollack.

epd-Gespräch Franziska Hein

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„Durch die Diskussionen über sexualisierte Gewalt in den Kirchen und den Umgang der Kirchen mit den Missbrauchsfällen gibt es inzwischen eine antiklerikale, zum Teil sogar antireligiöse Tendenz in der Gesellschaft», sagte der Religionssoziolge Detlef Pollack dem Evangelischen Pressedienst (epd). Religion werde von vielen für etwas Überholtes, ja sogar Schädliches gehalten. «Mehr als zwei Fünftel der Bevölkerung in Deutschland vertreten derartige Haltungen», sagte der Seniorprofessor für Religionssoziologie an der Universität Münster.

Gleichwohl schätze ein etwa gleich hoher Anteil der deutschen Bevölkerung christliche Traditionen. Laut einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2022 stellt für rund 40 Prozent der Befragten das Christentum eine Bereicherung dar. Vor 15 Jahren seien es allerdings noch etwa 70 Prozent gewesen, die dies sagten, betonte Pollack.

Vertrauen in Kindergärten und Pflegeheime hoch

Das Vertrauen in kirchliche und diakonische Einrichtungen wie Pflegeheime und Kindergärten sei relativ hoch, deutlich höher als das Vertrauen in die Institution Kirche, sagte Pollack. Viele Menschen vertrauten darauf, dass sie oder ihre Angehörigen in kirchlichen Einrichtungen gut versorgt würden. Sinkende Kirchenmitgliederzahlen wirkten sich allerdings auf die Finanzierung von Einrichtungen in diesem Bereich aus.

„Noch sind die Auswirkungen der Mitgliederrückgänge auf die Finanzkraft der Kirchen nicht so stark“, sagte Pollack. Aber man sehe sie bereits. Und die Kirchen sorgten auch vor, legten Gemeinden zusammen, versuchten zu sparen und etwa Gebäude abzustoßen. Auch Dienstleistungen würden nicht mehr so ohne Weiteres übernommen.

Kirchenmitgliedschaft und Religiosität hätten einen Einfluss auf das Engagement für die Gesellschaft. „Je religiöser die Menschen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in andere Menschen Vertrauen haben“, sagte Pollack. Der Kirche verbundene Menschen hätten auch mehr Vertrauen in staatliche Institutionen. „Die Institutionen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten und das Funktionieren der Gesellschaft garantieren, werden durch dieses Vertrauen gestärkt.“

Quelleepd

36 Kommentare

  1. Der moderne Mensch glaubt an Biologie und Medizin und nicht an religiöse Dogmen. Diese sind ihm egal, wenn es um seine Sexualität, seine Gesundheit und das Ende der irdischen Existenz geht. Aufgeklärte Menschen haben sich von gewissen sektenhaften religiösen Prinzipien emanzipiert und somit die Lebensfreude erhöht.

    • Wer ist „der moderne Mensch“? Und warum sollte das eine das andere ausschießen? Es gibt auffallend viele, auch junge, Naturwissenschafter und sogar Nobelpreisträger, die sich zu ihrem Glauben bekennen und Jesus offen nachfolgen. Warum nur wird Christen so auffallend oft die Fähigkeit zu Denken abgesprochen? Wer „Aufklärung“ mit Atheismus gleich setzt, hat zumeist etwas nicht verstanden.

      • Weil die meisten ein Problem mit der Sünde und dem Kreuz haben.
        Darüber darf man einfach nicht sprechen.

        • > Darüber darf man einfach nicht sprechen.

          Mal abgesehen davon, dass Du es hier doch gerade tust.

          Wer verbietet es Dir und anderen?

            • Ich rege mich nicht auf, ich frage nach.

              Weil es irgendwie Mode geworden ist, zu sagen, dass man dieses und jenes nicht mehr sagen darf, es aber immer und überall tut und dabei verwechselt/nicht begreift/bewusst ignoriert, dass Widerspruch zu einer geäußerten Meinung kein Verbot ist sondern ein normaler Vorgang der Diskussionskultur in einer Demokratie.

    • Biologie und Medizin haben mit ‚Glauben‘ nichts zu tun bzw. sobald da Glaube im Spiel ist, ist man im esoterischen Bereich (siehe z.B. Homöopathie).

  2. Mir fällt auf, dass Atheisten mittlerweile einen größeren missionarischen Eifer zeigen, als Christen. In Diskussionen erkenne ich immer wieder, dass Atheismus strukturell gesehen eine Religionsgemeinschaft, gar eine Sekte ist. Die meisten „modernen“ Atheisten argumentieren dabei nicht mehr mit den großen Philosophen der Aufklärung. Sie verehren vor allem zwei Propheten: Albert Einstein und Stephen Hawking. Dabei ist es ihnen auch nicht so wichtig, dass Einstein zeitlebens ein ambivalentes Verhätnis zum Glauben hatte und von ihm fast ebenso viele Thesen für und gegen die Existenz Gottes überliefert sind. Hawking dagegen hatte schon in jungen Jahren für sich beschlossen, dass es keinen Gott geben dürfe. Er diskutierte zwar mit christlichen Intellektuellen, ignorierte aber, wenn ihm jemand Schwächen in seiner Logik nachweisen konnte.

    Gibt man sich als Christ zu erkennen, wird man manchmal als geistig minderbemittelt hingestellt, auch wenn man zuvor angeregt über andere Themen diskutierte. Die Tatsache, dass rennomierte (Natur-)wissenschaftler häufig gläubige Christen sind, wird als belanglos abgetan. Mein Vorschlag, man solle doch mal versuchen MIT Gott zu reden, anstatt ÜBER ihn trifft leider in den seltensten Fällen auf Resonanz.

    • Das sind nach meiner Erfahrung Einzelfälle, allerdings können sie im Web Diskussionen dominieren.
      Nach meiner Meinung geht es vielen aktiven Atheisten weniger um den Glauben einzelner als vielmehr um die religiösen Institutionen, deren Sonderrechte und Pfründe. Und da bin ich oft mit Atheisten einer Meinung.

      Und Hawkings oder Einstein sind mir bei diesen Diskussionen eher selten begegnet. Da kommt doch eher Daschner.

  3. Leider hab ich auch schon in Gesprächen gemerkt, dass die Abneigung gegen Religion, oft gegen den christlichen Glauben geht. Viele sind offen für andere Religionen Buddhismus….. Aber teilweise reagieren Menschen sogar aggressiv, wenn man davon redet Kinder in eine Kinderstunde einzuladen. Da heißt es, denen wird was aufgedrückt. Das geht gar nicht. Aber wenn ich sehe, welchen Einflüssen Kinder sonst von den Medien, der Gesellschaft aufgedrückt bekommen schmerzt mich das sehr. Ich spüre schon eine Anti-Christliche Haltung. Aber an Jesus haben sich schon immer die Geister geschieden. Für mich persönlich ist nicht die Kirche, das was den Glauben ausmacht. Menschen und Kirchen machen Fehler. Es geht doch aber um die persönliche Beziehung zu Jesus.

    • Ich habe festgestellt, dass Menschen, die den christlichen Glauben ablehnen und sich als „Atheisten“ bezeichnen, manchmal ihren Halt in Aberglaube und Esoterik suchen. Und betrachtet man das Kinderprogramm einiger Fernsehsender, dann findet man viele animistische oder buddhistische Elemente. Mittlerweile ist es für Viele völlig normal, dass in Zeichentrickserien Jungen einen Schweif und Frauen Tierohren haben.

      Du hast Recht damit, dass sich an Jesus schon immer die Geister geschieden haben und dass es um die persönliche Beziehung zu Jesus geht. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass die meisten Christen ohne die Gemeinschaft mit anderen verkümmern. Schon die ersten Gemeinden trafen sich, teilweise sogar täglich, zur gegenseitigen Ermahnung und Unterweisung. Man aß gemeinsam, betete und feierte gemeinsam. Dies finden wir heute leider immer weniger, oder es wird auf eine recht einseitige Belehrung und symbolische Handlungen reduziert.

      Ich weiss sehr wohl einen guten Gottesdienst und eine gute Predigt zu schätzen, bin aber in persönlichen Gesprächen immer wieder erstaunt wie wenig manche über grundlegende Elemente des Glaubens wissen. Da müssen die meisten von uns aus ihrer persönlichen „Komforzone2 heraus treten, um zu entdecken wie bereichernd dies ist.

      • Es fehlt die Liebe zu Jesus Christus und die Liebe untereinander.
        Hätten wir eine größere Einheit unter den Christen, sowie gute biblische, gesunde Gemeinden, müsste der Teufel kapitulieren.

        • Es ist m.E. etwas zu pauschal zu behaupten, dass die Liebe fehlt. Das kann ich so nicht sehen. Und eine größere Einheit unter Christen wäre zwar wünschenswert, wird jedoch vor der Wiederkunft Jesu niemals erreicht werden.

          Was sind „biblische, gesunde Gemeinden“? Wir Menschen tendieren, auch, wenn wir idealerweise ein immer engeres Verhältnis zu Jesus haben, dazu, unsere eigene, begrenzte Erfahrung zu überhöhen und andere, die eine genauso tiefe und intensive Begegnung mit Jesus hatten, abfällig zu beurteilen.. Wir neigen nun einmal naturgemäß dazu, uns das, was wir für die Rosinen halten, heraus zu picken.

          Dann wäre da noch Satan: Er ist und bleibt der „Fürst dieser Welt“, bis er von Jesus endgültig besiegt wird. Egal, wie „gesund“ die Gemeinde auch ist. Wir haben ihm zwar sehr viel entgegen zu setzen. Doch wir würden uns in falscher Sicherheit wiegen, wenn wir glaubten, wr müssten nur genügend einheit zeigen und den „richtigen“ Glauben haben, um ihn zu besiegen!

          • Was sind „biblische, gesunde Gemeinden“?
            Ich weise hier gerne auf die Johannesbriefe hin.
            Der Satan wurde schon besiegt. Christen sollen in der Einheit leben und auf die Wiederkunft Christi warten.

  4. Es gibt auch unter Christen antiklerikale Tendenzen, und zwar bei denen, die das klerikale System in seiner unchristlichen Struktur durchschaut haben. Das sind noch nicht so viele, aber es werden immer mehr …

    • Das „klerikale System“ ist aber ein völlig anderes Thema, welches nur einen Teil der Christen betrifft. Hier geht es um antireligiöse Tendenzen an sich. Ich als evangelischer Christ muss keinem Klerus gegenüber verantworten. Doch ich bin, so wie 99,9 % aller Christen, auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen.

      • Das klerikale System ist die Aufteilung der Christen in Theologen und Laien, in Leiter und Unmündige. Und das betrifft alle kirchlichen Institutionen. Genau das, was das Neue Testament unter „Gemeinschaft“ versteht, wird dadurch zerrissen …

  5. Jesus muss man ja auch nicht unbedingt in den Kirchen finden!Glauben und beten kann man überall!Und ja Gottes Vertreter hier auf Erden sind oft fehlbar und unglaubwürdig das muss meinen Glauben an einen guten Gott ja nicht erschüttern!Wohl aber den an vielen anderen Menschen die sich ja ach für so gut und fortschrittlich halten!

      • Nicht alles was sich fromm gibt ist es auch

        Der Artikel und auch die Schlußfolgerungen – die Menschen seien eher antichristlich eingestellt – kann man so nicht stehen lassen. Früher wurde von beiden großen Volkskirchen immer 3 – 5% der Kirchensteuerzahlenden als Kerngemeinde mit dem Glauben erreicht. Dies ist auch heute noch so. Aber bis vor relativ kurzer Zeit blieben diese Menschen quasi von der Wiege bis zur Bahre Kirchenmitglieder, auch wenn sie oft mit dem Glauben nichts anfangen konnten. Heute tritt man aus: Weil man nicht glauben kann oder will, oder aus Gründen der Skandale. Ausserdem ist es nicht besonders gescheit, im Tunnelblick nur mit quanitativen Sichtweisen zu argumentieren. In Hitlers tausendjährigem Reich waren wohl die Kirchen voller, die Menschen anscheinend frömmer, aber selbst die guten Kirchgänger haben oft munter Heil gerufen und es waren also die vielen kleinen Rädchen im Getriebe, die des Führers Führerschaft erst überhaupt ermöglichten. Also bitte, den Fuß unbedingt flachhalten. Ich bin auch nicht begeistert von den Kirchenaustritten. Aber der Verlust christlicher Werte ist nicht nur, dass man nicht mehr oder nur ab und zu in die Kirche geht, sondern wenn man gerne rechtradikal denkt, die AfD wählt, oder die Flüchtlinge am liebsten nach Ruande abschieben möchte, bzw. aus Seenot nicht mehr retten möchte. Die christlichen Werte scheinen hier am ehesten Schaden zu nehmen. Trotzdem freue ich mich über jede und jeden, der am Sonntag mit mir in der Kirche betet, oder zuhause im Hauskreis, den ich auf dem Kirchentag treffe oder ansonsten unter Gottes frommem Volk. Es war auch schon früher so: Nicht alles was sich fromm und christlich gibt, ist es in Wirklichkeit auch. Der christliche Glaube ist die gelebte Liebe.

    • Die überwiegende Mehrheit der „christlichen“ Sekten entstand aus Leuten, die meinten, sie könnten ohne die anderen beten und glauben. Betrachtet man die Apostelgeschichte oder auch die Briefe des Neuen Testaments, dann entdeckt man, dass Christen regelmäßig, häufig gar täglich, zu dem zusammen kamen, was man „Ermahnung und Unterweisung“ nannte. Die überwiegende Mehrheit der in der Bibel aufgehzählten Geistesgaben sind auf den Dienst der Christen untereinander ausgerichtet.

      Dabei entdeckt man auch immer wieder, dass selbst Apostel und Gemeindeleiter von anderen Christen, zumeist liebevoll, kritisiert und korrigiert wurden. Dies fehlt heute leider in unseren streng hierarchisch aufgebauten Kirchen. Andererseits fehlt es leider auch vielen Christen immer mehr an der dafür notwendigen Bibelkenntnis. Die ersten Christen „…forschten täglich in der Schrift…“ und studierten die Bibel. Dies sollte eine vordringliche Aufgabe für jeden von uns sein

      • Aber gerade in Sekten oder Sondergemeinschaften wird doch das Gruppenerlebnis besonders betont.

        Ich denke eher, Sondergruppen entstehen, weil man von sich abweichende Meinungen nicht mehr akzeptieren kann.

        • Was ist eine Sekte? Da stellt sich für mich zuallererst die Frage, welche Rolle Jesus in dieser Gemeinschaft zugemessen wird. Eine Gruppierung, für die Jesus nicht der Mensch gewordene Schöpfer des Universums ist, mag sich zwar gewisser christicher Elemente bedienen und einzelne Punkte der Bibel überbetonen, kann aber nie den Anspruch erheben, eine christliche Gemeinschaft zu sein. So lehren z.B. die Zeugen Jehovas, dass Jesus nur ein Mensch war, der vor dem Tod am Kreuz entrückt wurde und dass er niemals auferstand. Dabei stützen sie sich mittlerweile auf ihre eigene Bibel, der „Neue-Welt-Übersetzung“, und mussten in den vergangenen gut hundert Jahren ihr „Wissen“ wiederholt revidieren, weil sie in Erklärungsnot gerieten.

          Der zweite Punkt ist die Bedeutung der Schrift: ZJ und die Mormonen, aus denen sie hervor gingen, behaupten, eine Art Geheimwissen zu haben, welches unabdingbar sei, um zu Gott zu kommen. Sie verweisen auf zusätzliche Schriften, die manchmal soger über die Bibel gestellt werden. – Ich muss zugeben, dass auch die katholische Kirche gelegentlich in diese Richtung tendiert, doch dort wird normalerweise niemand ausgeschlossen, wenn er/sie beschließt, Jesus ernsthaft nachzufolgen. 😉

          Als Drittes wird häufig ein selbst ernannter Prophet verehrt, dem zumeist gewisse übermenschliche Eigenschaften zugeschrieben werden und der als einziger Gottes Wort wirklich richtig auslegen kann. Als spontanes Beispiel fällt mir die Shinchonji-Sekte ein.

          Dann wäre da noch der Umgang mit Aussteigern: Sekten verbieten den Umgang mit allen, die sich von ihrer Lehre, ihrem „Geheimwissen“ losgesagt haben. Selbst zu den engsten Familienmitgliedern wird jeglicher Kontakt abgebrochen. und unterbunden. Idealerweise dürfen ihre Mitglieder nur noch wenig Kontakt zur Außenwelt haben.

          Bei „Sondergemeinschaften“ ist die Sache zumeist etwas anders gelagert. Hier handelt es sich häufig um christliche Gruppierungen, die einzelne Punkte der Bibel und bestimmte Regeln überbetonen und sich schwer tun, andere als gleichwertig anzuerkennen. Ich als überzeugter Landeskirchler musste schon oft erleben, dass man von mir woanders eine Art „Beweis“ erwartete, dass ich ein „richtiger“ Christ sei. Dabei fiel eine riesige Last von mir, als ich lernen durfte, dass ich mich vor Christen niemals rechtfertigen muss. Selbst, wenn sie es von mir fordern.

          Das Gruppenerlebnis ist in allen dieser Gruppierungen stark. Das hat mit ihrer Ausrichtung und/oder Toleranz nicht das Geringste zu tun. Und gerade als Christ bin ich auf die Gemeinschaft mit anderen Christen angewiesen.

          • Es gibt zwei Glaubensmöglichkeiten

            Ich wollte zu Andi hier noch anführen, dass im christlichen Glauben zwei Glaubensannahmen zutreffen könnten, wobei wir nichts wissen können. 1) JESUS CHRISTUS IST PRÄEXISTENT – war also schon vor der Schöpfung bei Gott. Dies fusst hier hauptsächlich auf dem jüngsten Johannesevangelium und da gibt es auch durchaus sehr deutliche Beeinflussung griechischer Philosophie. Das soll aber diese Überzeugung nicht schmälern, allerdings das Trinitätsdogma und dass Jesus Christus Gott und Mensch in einer Person war, ist schon für Menschen im alter Zeit schwierig bis unverständlich gewesen. Dogmen und Glaubensbekenntnisse fallen – ich denke da sind wir uns einig – nicht vom Himmel. Sie sind in alten Konzilen formuliert worden und offensichtlich ist die Mensch/Gott-Überlegung einer sehr menschliche und daher eine Kompromissformel. (Bei den Zeugen Jehovas ist Jesus nur ein besonderer Engel – die Zeugen haben es sich damit einfacher gemacht) Übrigens ist ein (dann noch erwarteter Messias bei den Juden immer ein Sohn Gottes. Er würde sich also für uns noch als schon einmal gekommen herausstellen, nach jüdischer Überzeugung erscheint er noch. Allerdings Judenchristen würden da wohl mehrheitlich der Adoptionshypothese folgen. Dies ist mit jüdischer Überzeugung eher vereinbar.

            2) ODER: JESUS ALS MENSCHENSOHN WURDE VON GOTT ADOPTIERT nach seinem Tod am Kreuz und aufgrund seiner Auferstehung von den Toten. Jesus ist damit der Neue Adam. Er ist der erste Auferstandene, der (so) Sohn Gottes wurde, denn auch wir sind Töchter und Söhne Gottes. Aber auch vor Jesus muss ja Auferstehung stattgefunden haben und wir alle sind Geschöpfe und Kreaturen des Schöpfers.

            Es gibt also keine perfekte Antwort und in vielen Glaubensfragen (die Vertrauensfragen sind) kann es die nicht geben.

          • Ich widersprach deinen ersten Satz. Ich denke, es ist genau umgekehrt.

            Was Sekte oder Sondergemeinschaft ist, ist in der Regel Ansichtssache und unterliegt Schwankungen und Änderungen. Oder der Region (die Mormonen gelten hier in Deutschland wohl als Sondergemeinschaft, in den USA hingegen als ’normale‘ christliche Kirche; auch bei fundamentaleren Christen)

            Auch die evangelische Kirche galt mal als Sekte. Nicht auszuschließen, dass auch heute noch mancher Katholik dieser Überzeugung ist. Von Freikirchen ganz zu schweigen.

            Letztlich sind Abspaltungen darin begründet, dass man mit der Ursprungsgemeinschaft nicht mehr zurande kommt oder diese mit einem. Es fehlt an Toleranz und/oder Akzeptanz. Und dann wird es halt immer kleinteiliger.

            Was ja nicht per se negativ ist. Solange es nicht feindlich gegeneinander wird,

      • Als Christinnen und Christen können wir großes Netzwerk sein

        Lieber Andi: Ich würde mir mehr Kenntnisse bezüglich Bibel und christlichem Glauben für meine Mitmenschen wünschen. Ich will mich dieser Kenntnisse hier nicht rühmen, aber andererseits ist es erschreckend wie wenig doch auch überzeugte Jesusanhänger/innen von dem, wovon sie überzeugt sind, wirklich ausreichendes Wissen haben. Ein Reflex, den ich überhaupt nicht mag, ist mich oder andere in gedankliche enge Glaubensschubladen einzuordnen. Seien sie liberal, traditionell, evangelikal oder charismatisch zu nennen. Wenn die ganze Schrift des Alten und Neuen Testamentes gilt, so haben führende Berufs- und Verbandschristen auch der evangelikalen Profession schon lange gerne mitunterzeichnet, dass Gotteswort immer Gotteswort durch Menschenwort ist. Der Glaube ist, ohne eine eigene Meinung (auch mit möglichen Irrungen und Wirrungen) über bestimmte Dinge und Glaubensangelegenheiten zu haben, eigentlich nicht denkbar. Aber nur Gott ist in Person absolute Wahrheit und Liebe. Seit Martin Luther und genauso bei unseren katholischen Geschwistern sowie den Freikirchen, ist das Einverständnis und die Einsicht gewachsen, dass man die Texte der Bibel auslegen darf, ja sogar muss. Daneben ist auch unser eigenes Gewissen ein guter Seismograph unseres Herzens, der uns durchaus genau sagen kann, wo wir falsch liegen, wo uns und auch mich Vorurteile beeinflussen, also nicht die gute Rede Jesu gilt, „zuerst vorallem den Balkenauch aus seinem eigenen Auge zu ziehen“. Auf die eine Waagschale meines Lebens muss ich immer das Wort Gottes legen – und auf der anderen Waagschale darf ich auch meinen Verstand wägen. Die Freiheit eines Christenmenschen besteht auch darin, dass es für uns eigentlich Gedankenfreiheit und die Abwesenheit von Denkverboten gibt. Sonst hätte es so hervorragend Christen wie Martin Luther-King nicht gegeben, der sich erfolgreich gegen den weißen Rassismus in den USA und weltweit einsetzte und einen großen Unterstützer auch in Billy Graham fand. Letzterer weigerte sich strikt, unter Bedingungen der Apartheit die evangelisieren. Heute , so denke ich, sollten wir gegen Hass und Hetze unsere ganz andere Art von kluger Kommunikation einsetzen. Dazu ist Toleranz nötig und keine enge Sichtweise von schwarz und weiß. Da Jesus am Sonntag leider nicht persönlich predigt, müssen wir damit leben dass dies Pfarrer/innen, Priester, Prädikanten, Diakone oder wir selbst tun, falls wir mit Leuten an den Hecken und Zäunen reden über Gott, oder auch über die Welt. Das Evangelium besteht, entgegen einem Vorurteil, aber nicht nur aus vielen Worten, sondern auch aus der Form sowie der Art und Weise unserer Existenz – nämlich als ein jeweiliges Original Gottes, denn jede und jeder ist anders. Die Einheit in der Vielfalt der bestehenden Glaubenstraditionen und Prägungen, als Netzwerk verstanden, kann viele motivieren sich der Karawane anzuschließen. Viele Kirchen und Konfessionen müssen keine Schwäche sein, sondern sind Stärke: Es sei denn wir nutzen Unterschiede für Grabenkämpfe. Aber damit werden wir eher unglaubwürdig.

  6. „Je religiöser die Menschen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in andere Menschen Vertrauen haben“,…
    Ich nicht. Für mich ist entscheidend wes Geistes Kind jemand ist.

    • Auf Menschen kann nicht bauen, so sollte man nicht auf kirchliche Mitarbeiter verlassen, sondern nur auf Jesus Christus sich verlassen und auf Ihn bauen. Er ist der Einzige und heilige Gott.

      • Ja, das ist richtig, aber er wünscht sich auch die Einheit.
        Er sprach: „Wenn Dein Bruder sündigt weise Ihn zurecht, und wenn es ihn reut so vergib ihn.“

  7. In Anbetracht der Missbrauchsskandale, Wölkis Eskapaden , teilweise gesellschaftsfremde Einstellungen, nicht mehr zeitgemäßen Sonderrechten usw.

    Ist diese wachsende kritische bis ablehnende Haltung ja auch nicht grundlos und evtl. ja sogar die richtige Reaktion.

    • Eigentlich hat die Kirche keine Sonderrechte

      Antwort an Chey: Bei den Missbrauchsskandalen kann ich schon nachvollziehen, dass diese manchen zu Kirchenaustritten drängen. Sonderrechte haben die Kirchen aber eigentlich nicht. Die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche sind immer noch Träger vieler Einrichtungen wie Krankenhäuser, Sozialstationen und Kitas. Allerdings reichen die Fördergelder des Staates bei weitem nicht, die Kosten zu decken. Dies sollte man dabei auch sehen. Wollte der Staat alle sozialen Aufgaben der Kirchen übernehmen müssen, für die nach dem Subsidiaritätsprinzip die Kirchen zuständig sind und dies auch restfinanzieren, wäre der Vater Staat noch ärmer als er ist. Auch die FDP fordert wohl aus ähnlichen Gründen nicht mehr die Abschaffung der Kirchensteuer. Man sollte den Ast, auf dem man selbst sitzt, nicht gedankenverloren absägen.

      • Die sozialen Ausgaben der Kirchen liegen irgendwo zwischen 5 und 10 Prozent. Wem es darum geht, der sollte lieber andere Institutionen unterstützen, bei denen das 80 bis 90 % beträgt.
        Krankenhäuser werden übrigens zu 100% von Kassen und Staat finanziert. Warum bleibst du hier eigentlich immer bei dieser Falschaussage obwohl dir hier schon mehrfach das Gegenteil belegt wurde?

        Muss man schon lügen, um den Kirchen eine Existenzberechtigung zu geben?

        Die vielen rechtlichen und finanziellen Sonderrechte der,Kirchen lassen sich hier gar nicht aufzählen.

        Am schlimmsten aber ist die Beisshemmung des Staates bei den Missbrauchsskandalen. Statt wie bei jeder anderen Orfanisation diese kriminellen Strukturen aufzudecken und zu zerschlagen, darf die Kirche ihre Verbrechen selbst untersuchen. Und so läuft es dann ja auch. Verschleiern, verleugnen, Kleinreden.

      • Volle Zustimmung. Man könnte dabei noch anmerken, dass der Staat sich darauf verlässt, dass die Kirche Aufgaben übernimmt, für die er eigentlich selbst zuständig wäre und die ihn finanziell überfordern würde. Hinzu kommt die Rolle des Ehrenamts, welches in der Kirche ausgeprägter ist, als in vielen nichtreligiösen Gruppierungen. Und dann wäre da noch die Tatsache, dass viele Menschen lieber an eine kirchliche Einrichtung spenden, als an eine kommunale oder regionale, die unter der Aufsicht der für manche „falschen“ Partei steht 😉

        • Das ist ein überkommendes Staatsverständnis. Es ist durchaus Aufgabe der Bevölkerung, vieles auch selbst zu machen.

          Aber die Kirchen werden mit so viel Geld unterstützt, dass es rein vom sozialen Gesichtspunkt ein schlechtes Geschäft für den Staat ist. Zumal viele dieser sozialen Aufgaben eh vollkommen oder zum größten Teil extra vom Staat finanziert werden.

          Im Prinzip finanziert man die Missionierungstätigkeit der Kirchen. Und das ist meines Erachtens nicht Aufgabe des Staates.

          Und das Ehrenamt ist in nichtreligiösen Gruppen keineswegs weniger ausgeprägt. Sonst gäbe es keine Feuerwehr, kein THW, keine DLRG und vieles mehr. Kirchen machen nur mehr Bohei um ihr Engagement. Und sie nutzen es eben zur Missionierung.

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