Beten lernen: So wendet man sich Gott zu

Kann man tatsächlich mit Gott sprechen? Pastor Christof Lenzen erklärt, warum das Gebet zum Christsein dazugehört und welche Formen es gibt.

Das Abenteuerland des Gebets ist so einfach zu betreten, dass jedes Kind es kann und dabei so geheimnisvoll, dass selbst erfahrene Christen immer wieder Neues entdecken. Weil es kinderleicht ist, muss man es nicht erlernen und lernt doch nie aus. Dass Gott uns in der Bibel dazu einlädt, sagt etwas ganz Zentrales über ihn und seinen Charakter aus: Gott möchte mit uns im Gespräch bleiben. Gott ist keine schweigende und gehörlose Fata Morgana, eine Projektion unseres Wunschdenkens, Gott hört und spricht. Ansonsten wäre Gebet Zeitverschwendung.

Kommunikation unter Geliebten

Gebet ist umfassende Kommunikation zwischen Geliebten. Die unabdingbare Grundlage: Gott und Mensch sind einander in Liebe zugewandt und kommunizieren auf dieser Basis miteinander. Die Bibel macht deutlich, dass Gott den Menschen durch Jesus Christus ein für alle Mal mit sich versöhnt hat. Der Mensch darf sich ihm wie einem liebenden Vater respektvoll vertraut nähern. Dabei ist das Gebet nicht nur ein Austausch von Worten, sondern umfassende Kommunikation. Geliebte kommunizieren auf viele verschiedene Weisen.

Sich über alles austauschen

Die Grundform des Gebets ist das Gespräch über alles, was uns bewegt und beschäftigt. Gebet ist dabei kein Monolog, sondern Dialog. Gott spricht in uns durch den Heiligen Geist und wir als seine Kinder lernen seine Stimme immer besser kennen. Gottes leises Reden zu hören auf verschiedensten Kanälen – das muss erlernt werden durch das Impulsgewitter unserer Tage hindurch. Aber: Gott antwortet. Spricht. Immer wieder.

Geliebte schicken sich Liebesbriefe

Eine besondere Form des Gebets ist die Anbetung. Anbetung bedeutet, Gott in Worten, Musik, Leben und innerer Haltung Komplimente zu machen. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf eine Antwort an – es geht um Gott als Gegenüber. Seine Größe, Sanftheit, Majestät, Liebe, vieles mehr – eben das, was man bewundernswert findet. Anbetung stellt Gott ganz in den Mittelpunkt und befreit so wohltuend vom Drehen um sich selbst.

Gott und Mensch sind einander in Liebe zugewandt.

Miteinander tiefgründig schweigen

So wie Geliebte miteinander schweigen können und sich dabei verbunden fühlen, muss auch das Gebet nicht immer wortreich sein. Gott freut sich unendlich, wenn seine Kinder mit ihm Zeit verbringen – ohne Hintergedanken oder Verzweckung. Bei ihm sein, nichts leisten müssen, schweigen dürfen, die Gegenwart des Anderen still genießen; dabei immer stiller werden und hindurchstoßen zum „Land der Ruhe“, wie es in einem Kirchenlied von Albert Frey heißt – das ist die alte Form des stillen Gebets, die Kontemplation. Hierbei geht es im Gegensatz zu östlichen Religionen nicht um Leere und Entleerung als Selbstzweck, sondern um ein Genießen der Gegenwart Gottes. Heilsame Moment des einfach Sein-Dürfens.

Danken

Christen sagen Gott Danke! Nicht für alles, aber in allem und über das manchmal Furchtbare des Lebens hinaus. Dankgebete richten den Blick wohltuend auf den Schöpfer, der das Leben in seiner Hand hält. Gott rückt wieder dahin, wo er sein soll, wenn Leben geistlich gestaltet werden will: ins Zentrum, von dem sich vieles ordnet. Dankgebet lehrt zudem, das Gute wieder wahrzunehmen, das auch (!) da ist.

Gebetshaltungen

Doch in welcher Körperhaltung soll man beten? Die Bibel kennt eine Vielzahl von Gebetshaltungen, die zeigen: Gebet ist eine Sache des ganzen Menschen. Ob niederfallen, knien, Hände erheben oder tanzen – Gebet und Körper gehören zusammen und brauchen oder stärken einander. Der Körper darf ein Tempel des Heiligen Geistes sein und soll mitbeten.

Beim Gebet geht es nicht um Methoden und Definitionen, sondern um die wunderbare, herrliche Beziehung und Begegnung, die Gott mit seinen Kindern haben möchte.
Richard J. Foster

Ganz spontan oder als Teil von Ritualen

Gebet ist immer möglich und bei allem kann gebetet werden. Dennoch tut es gut, Ruheoasen einzurichten, in denen die Aufmerksamkeit ganz dem Vater gilt. So wie Gebet in Umgangssprache formuliert wird, so gibt es auch formulierte Gebete wie die Psalmen, das Vaterunser oder Gebete der Kirchengeschichte, die in Ritualen einen besonderen Platz haben. Rituale können eine heilsame Routine herstellen. Allerdings können sie auch zu einer leeren Floskel verkommen. Feste Gebetszeiten, -worte, -gesten sind – aufmerksam und achtsam gelebt – eine wichtige Säule neben dem alltäglichen und immerwährenden Austausch mit Gott.

Anfangen mit Gebet

Für alle Formen des Gebets gilt: anfangen. Unbeschwert zum Vater kommen, der immer gegenwärtig ist, und das Gebet leben, entdecken und ausprobieren. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. In der Bibel lesen wir, dass unser Gebet unter der Leitung des Heiligen Geistes stattfindet. Mit ihm wird unser Gebet reifen und wachsen, wenn es gepflegt wird. Gebet verbindet den Beter intensiver mit dem Vaterherzen Gottes, und diese Nähe prägt und färbt ab. So dürfen wir zuversichtlich zu Gott kommen – in welcher Form auch immer.

Abschließend noch ein paar Tipps zum Gebet:

Immer und überall beten.

In einem Witz fragt ein Mann seinen Pastor: „Darf ich beim Beten rauchen?“ „Aber nein!“, entrüstet sich dieser, Gebet sei doch heilig! „Darf ich denn beim Rauchen beten?“ „Aber natürlich! Beten ist bei allem erlaubt!“ Die Folgerung ist klar: Einfach immer beten! Egal wo und wobei, ob in der Stille oder mitten im Verkehrslärm.

Radikal offen beten.

Ein englisches Wortspiel setzt „intimacy“ (Intimität, also vertraute Nähe) gleich mit „into me see“(du darfst in mich hineinsehen). Lebendiges Gebet entsteht, wo Fassaden fallen und wir die Abgründe und Lichtungen unseres Herzens Gott hinhalten. In einer Sprache, die ohne Tabu und frömmelndes Vokabular sein darf.

Falsches Gebet?

Einige „Fallen“ lassen sich vermeiden: Dass im Gebet das wichtiger wird, was wir von Gott erbitten, als Gott selbst. Dass die eigene Person durch eine einseitige Betonung des Bittgebets immer mehr ins Zentrum rutscht. Dass man glaubt, man „könne“ beten und habe es drauf.

Gemeinsames Gebet

Auch wenn es in diesem Beitrag primär um das persönliche Gebet geht – all diese Formen und Ideen lassen sich prächtig gemeinsam entdecken. Mit Freunden, dem Partner, in einer Kleingruppe und Gemeinde. Das gemeinsame Beten und der Austausch darüber beugt Schieflagen vor und steht unter besonderem Segen.

Christof Lenzen ist Pastor in der FeG Gera.


Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Basics des Glaubens“. Alle Artikel zu diesem Thema findest du auf dieser Webseite.

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