Basics des Glaubens

Was geschieht bei der Taufe?

Geplagt von großer Unruhe und Glaubenszweifeln soll Martin Luther einmal diese drei Worte mit Kreide auf einen Tisch geschrieben haben: „Ich bin getauft!“ Aber was bedeutet eigentlich die Taufe?

Von Dr. Uwe Rechberger

Was gibt der Taufe diese Kraft? Was geschieht in der Taufe? Fragt man Eltern und Paten, weshalb sie die Taufe ihres Kindes wünschen, erhält man häufig zur Antwort, dass ihnen Gottes Schutz und Segen für ihr Kind wichtig sei.

Mit Christus verbunden

Richtig, aber die Taufe ist mehr. In der Taufe werden wir mit Jesus Christus verbunden. So schreibt der Apostel Paulus: „Oder wisst ihr nicht, dass wir mit Jesus Christus gestorben sind, als wir auf seinen Namen getauft wurden? Denn durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und begraben. Und genauso wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen. Da wir in seinem Tod mit ihm verbunden sind, werden wir auch in der Auferstehung mit ihm verbunden sein. […] Und weil wir mit Christus gestorben sind, vertrauen wir darauf, dass wir auch mit ihm leben werden.“ (Römer 6,3-6+8)

Jeder Mensch ist vor Gott schuldig und kann deshalb nicht vor ihm bestehen – wäre da nicht Jesus. Dank seines Todes am Kreuz muss ich nicht mehr den ewigen Tod sterben. In der Taufe auf den Namen Jesus Christus bin ich mit Jesus Christus „mitgestorben“. Und Kraft der Verbundenheit mit Jesus werde ich auch einmal mit ihm auferstehen. Was Jesus Christus stellvertretend für uns erlitten und erwirkt hat, das wird uns in der Taufe zuteil: Gottes Vergebung und seine Gnade. Das ist das Geheimnis des Kreuzes und auch der Taufe.

Gott stellt seinen Namen zu deinem Namen

Bei der Taufe bekommt der Täufling seinen Namen – nein, nicht den Vor- oder Nachnamen, sondern der dreieinige Gott stellt seinen Namen zu den Namen des Täuflings. Gott bekundet damit: Du gehörst zu mir.

Rechtlich bedeutet dies: Keine Macht der Welt hat mehr einen Anspruch auf den Getauften. Er ist ein Kind Gottes. Dazu kommt eine zutiefst seelsorgerliche Bedeutung – für den getauften Menschen und seine Angehörigen. Mit seinem Vornamen ist ein Mensch ansprechbar. Der Nachname besagt, zu welcher Familie er gehört. Wenn in der Taufe nun noch Gott seinen Namen dazugibt, vergewissert dies den Täufling und seine Angehörigen, dass Gott die letzte Verantwortung für den Täufling übernommen hat. Zu Recht wird deshalb in vielen Taufgottesdiensten dem Täufling Gottes Verheißung zugesprochen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1). Was für eine seelsorgerliche Würde und Kraft, die hier auch den Eltern zugesprochen wird. Sie haben nicht mehr die letzte Verantwortung für ihr Kind: Der lebendige Gott hat seinen Namen hinter den Vornamen des Täuflings und den Nachnamen der Familie gestellt.

Wort und Element machen das Sakrament

Im Religionsunterricht fragt der Lehrer: „Welche Elemente gehören zu den beiden Sakramenten Taufe und Abendmahl?“ Meldet sich ein Schüler: „Zum Abendmahl gehören Brot und Wein“. „Und zur Taufe?“, fragt der Lehrer zurück. Prompte Antwort des Schülers: „Kaffee und Kuchen“.

So kostbar natürlich Kaffee und Küchen für eine fröhliche Feier sind: konstitutiv für eine Taufe sind nur die folgenden zwei Dinge: Gottes Wort im Zuspruch seines Namens und das Wasser. Das Wasser hat mehrere Assoziationsebenen. Zum einen steht es für den Aspekt der Reinigung. In der Taufe wird ein Mensch von seinen Sünden reingewaschen. Die zweite Bildebene ist noch umfassender: Wasser tötet und Wasser schafft Leben. Im Wasser geht ein Mensch unter und stirbt. Aber umgekehrt gibt es auch kein Leben ohne Wasser. Im Element des Wassers wird also beides sichtbar, der Tod und das Leben, der Untergang des Sünders und die Gabe des neuen Lebens. Der Sünder muss des Todes sterben. In der Wassertaufe darf er diesen Tod mit Jesus Christus mitsterben, um dann auch mit ihm zu neuem Leben aufzuerstehen.

Die Antwort des Glaubens auf Gottes Taufzusage

In der Taufe spricht Gott sich und sein Heil dem Täufling zu. Dieser Zuspruch, diese Hingabe wartet auf Antwort. Gott macht uns mit seinem Heil in der Taufe ein Geschenk. Von diesem Geschenk habe ich aber nur etwas, wenn ich es auch im Glauben auspacke und annehme. So sagt Jesus unmissverständlich: „Wer da glaubt und getauft ist, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Markus 16,16).

Natürlich kann es auch umgekehrt sein, und dafür gibt es ja biblische Beispiele, dass ein Mensch Gottes Wort hört und zum Glauben findet und daraufhin die Taufe erbittet, in der ihm dann spürbar Gottes Heil zugesprochen und zugeeignet wird. Die Bibel enthält Berichte, in denen eine Reihenfolge von Glaube und Taufe erkennbar ist, aber sie lehrt diese Reihenfolge nicht. Entscheidend ist nicht die zeitliche Reihenfolge von Taufe und Glaube, sondern ihre sachliche Bezogenheit aufeinander.

Neues Leben aus der Taufe

Durch die Verbindung mit Jesus in der Taufe – sofern sie im Glauben angenommen wird – ist beides wahr: Wer glaubt und getauft ist, wird einmal mit Jesus Christus zum ewigen Leben auferstehen. Und: Wer glaubt und getauft ist, lebt schon jetzt ein neues Leben.

Schon jetzt sind wir durch die Taufe und unseren Glauben an Jesus Christus neue Menschen. Wir gehören nicht mehr Sünde, Tod und Teufel. Unser Herr heißt Jesus Christus. Das zeigt sich auch in unserem Leben als Christen.

Wer getauft ist und an Jesus Christus glaubt, der lebt auch aus der Taufe. Hier ist die Kraft zu einem neuen Leben in der Nachfolge. Hier ist Trost in Anfechtung. Hier ist Heilsgewissheit: Ja, ich bin einmal bei Jesus. In der Taufe hat er sich mit mir verbunden. Wie ich mit ihm mitgestorben bin werde ich auch mit ihm auferstehen.

Gut zu wissen:

Die Taufe ist keine Erfindung der Kirche, um neue Mitglieder zu gewinnen.
Die Taufe wird seit rund 2000 Jahren verkündigt und gefeiert, weil Jesus selbst sie geboten hat: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,19f). Eine Gemeinde, die tauft, muss ihre Getauften auch Gottes Wort lehren und sie auf ihrem Weg des Glaubens begleiten: Wie geht das, „glauben“? Wie betet man? Wie lebe ich als Christ? – Wer getauft wurde oder werden soll, der muss auch in die Lage versetzt werden, auf seine Taufe im Glauben antworten zu können.

Dr. Uwe Rechberger ist Pfarrer der württembergischen Landeskirche. Er war Vorsitzender des CVJM Württemberg und viele Jahre Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen.


Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Basics des Glaubens“. Alle Artikel zu diesem Thema findest du auf dieser Webseite.

Zum Weiterlesen: Uwe Rechberger / Steffen Kern : Eine Taufe – tausend Fragen. Wie wir ein Gottesgeschenk neu entdecken

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