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In 365 Tagen durch die Bibel

Ein Jahr, ein Projekt: die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite durchlesen. Hilfsmittel: Kommentare, Lexika und eine WhatsApp-Gruppe.

Von Annika Behrens

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Meine Reise durch die Bibel wurde durch den Newsletter der Künstlerin Jeannette Mokosch ausgelöst. Sie hatte eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um die Bibel in einem Jahr komplett durchzulesen. Das war mein Ticket, um mit anderen anhand eines Leseplans Gottes Wort zu erkunden. Ich wollte mich in der Zeit mit dem Heiligen Geist beschäftigen. Er begegnete mir gleich auf der ersten Seite: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1. Mose 1,2). Ich fand ihn in Personen des Alten Testaments, in den Versprechen von Jesus und in seinen Nachfolgern. Und er inspirierte mich, für das folgende Jahr eine eigene Whatsapp-Gruppe in meiner Kirchengemeinde zu starten, und gab mir den Mut, sie im Gottesdienst anzukündigen.

Meine Reisebegleiter

Mehr als einhundert Kirchenmitglieder nahmen teil. Zusätzlich entstand eine kleinere Austauschgruppe, um Fragen zum Leseabschnitt zu besprechen. In diesem Reisebericht schreibe ich über die Erfahrungen von den Teilnehmern Judith, Kathrin, Daniel und mir.

Neue Entdeckungen

Wir entdeckten: Die Reise durch die Bibel ist nicht langweilig, sondern stellenweise sogar lustig – und auf jeden Fall abenteuerlich. Denn Gott spricht durch sie in den Alltag hinein. Man kann überrascht werden, wenn man es wagt, die Bibel in Gänze zu lesen. Daniel entdeckte erneut seine Liebe zu alttestamentlichen Texten. Judith fand im Alten Testament Hinweise auf das Evangelium. Darunter ist der „Engel des Herrn“, der in Bibelkommentaren auf Jesus gedeutet wird. Dadurch habe auch ich diesen Engel mit anderen Augen gesehen. In 1. Mose 16 begegnete er Hagar in ihrer Not auf der Flucht vor Sarai. Er sicherte ihr, der Sklavin, zu, dass sie die Mutter eines Volkes werde. Hagar nannte ihn „El Roï“, „der Gott, der mich sieht“.

Begegnungen auf der Reise

Uns allen ist dieser El Roï in der Bibel begegnet. Judith hat sogar in grausamen Geschichten – wie beim Forschen über Jeftah (Richter 11) – etwas über Gottes Liebe erfahren. Kathrin fand es erstaunlich, wie sehr Gott uns liebt, obwohl wir uns immer wieder abwenden. Für sie, die recht neu im Glauben ist, waren viele alttestamentliche Personen unbekannt. Da ist zum Beispiel die kinderlose Witwe Tamar in 1. Mose 38: Sie musste sich ihr Recht auf familiäre Unterstützung mit einer List erkämpfen und wird doch von Matthäus als erste Frau im Stammbaum von Jesus erwähnt, wie mir zum ersten Mal auffiel. Gott schreibt seine Geschichte oft mit „unbedeutenden“ Personen. In unserer Schwachheit wird seine Liebe besonders deutlich.

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Sicher durch Turbulenzen

Es gab Passagen, die uns Mühe beim Durchhalten gemacht haben, so zum Beispiel Ahnentafeln oder Beschreibungen des Tempelbaus. Auf diesen langen Strecken hilft das Gemeinschaftsgefühl der Whatsapp-Gruppe. Bestimmte Zeitfenster des Alltags zum Lesen zu nutzen, kann ebenfalls helfen. Bei mir war es die Mittagspause oder die Zeit, in der mein Kind einem Hobby nachgeht. Judith las unterwegs oder bei der Einschlafbegleitung ihrer Kinder. So reichte auch die Zeit, um zusätzlich zum täglichen Lesepensum von drei bis vier Bibelkapiteln manchen Fragen nachzugehen, die aufkamen. Wenn man längere Abschnitte verpasst hatte, war es gut, an der aktuellen Stelle im Plan wieder einzusteigen und den Rest später nachzuholen. Daniel hat eine feste Zeit zur Verabredung mit Gott. Kathrin meint: „Der allgemeine Herzenswunsch, die Bibel besser kennenzulernen, hilft durchzuhalten.“

Hindernisse überwinden

Ohne die Hilfe eines Bibellexikons oder Kommentars kamen wir an manchen Stellen nicht weiter. Das Blutvergießen im Alten Testament warf teilweise Zweifel auf, ob Gott gnädig ist. Schwierige Stellen wie Israels Eroberung des versprochenen Landes im gesamten Kontext der Erlösung zu lesen, ist hilfreich, meint Daniel. Wenn man sich mit dem historischen Kontext beschäftigt, zeigt beispielsweise auch der Auftrag zur Vernichtung der Amalekiter (1. Samuel 15) nicht Gottes Grausamkeit, sondern seine Gerechtigkeit.

Kathrin las eine Ausgabe der Neues Leben Bibel mit Kommentaren, um die Relevanz der Bibel für ihr eigenes Leben klarer zu sehen. Denn oft weisen uns Bibelworte auf unsere Abhängigkeit von Dingen hin, die dadurch für uns an Gottes Stelle treten, und dann treffen uns diese Worte ins Herz. Zunächst sah Kathrin das Verhalten biblischer Personen kritisch. Dann aber fragte sie sich, ob Gott ihr eigenes Leben vielleicht genauso sieht.

Nicht jeder Tag mit der Bibel warf Fragen auf. Wenn es aber vorkam, hatte immer jemand in der Austauschgruppe Zeit, ihnen nachzugehen. Außerdem gibt es viele Hilfsmittel im Internet: den ERF-Bibelserver, die Bibel-Projekt-Website oder Online-Predigten, die zum Thema passen. In Sprüche 3,6 heißt es: „Such ihn [Gott] zu erkennen bei allem, was du tust, dann räumt er dir die Hürden aus dem Weg!“ Genau das konnten wir spüren.

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Ungeklärte Fragen auf dem Weg

Aber auch offene Fragen dürfen sein. Gott gibt oft später eine Antwort. Ich überlege, ob Menschen nach dem Tod noch die Möglichkeit haben, sich für Jesus zu entscheiden. Judith beschäftigt die Frage der Prädestination, also ob sich Menschen frei für Jesus entscheiden dürfen oder Gott vorherbestimmt hat, wer ihn annimmt. Wir dürfen bei diesen Fragen darauf vertrauen, dass wir jetzt nur alles in rätselhaften Bildern sehen, aber es erkennen werden, wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. So steht es in 1. Korinther 13,12.

Reiseempfehlung

Ich möchte Mut machen, das Bibel-in-einem-Jahr-Projekt selbst auszuprobieren. Dabei empfehle ich eine Bibelübersetzung, die man persönlich mag und flüssig lesen kann. Gut ist es auch, den Heiligen Geist um Weisheit zu bitten und gemeinschaftlich Gottes Wort zu lesen. Audiobibeln sind auf Autofahrten oder bei der Hausarbeit hilfreich.

Ich bin davon überzeugt, dass das Leben mit Gott von diesem Projekt profitieren wird. Wie Paulus es im 2. Timotheusbrief 3,17 ausdrückt: „So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.“

Annika Behrens ist OP-Schwester und Bibelleserin.



Cover des Faszination Bibel-Specials

Dieser Artikel ist im Sonderheft des Magazins Faszination Bibel erschienen. Faszination Bibel gehört wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag.

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2 Kommentare

  1. Liebe Frau Behrens,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel! Zu sehen, dass Jesus schon vor Abraham da war und Er es ist, der im brennenden Dornbusch bei Mose stand, usw. lässt das Herz vor Freude „Halleluja“ rufen!

    Dabei decken sich meine Erfahrungen im Buch der Richter ganz genau mit Ihren: Was zuerst unverständlich brutal und schrecklich wirkt, wird bei genauem Hinsehen zu einem gewaltigen Zeugnis. Wenn man erkennt, dass Jesus persönlich vor Gideon steht, ihn in seiner Furcht ansieht und beruft, spürt man, wie jede Seite der Geschichte förmlich nach Ihm ruft und auf Ihn hinweist.

    Gerade in der tiefsten Finsternis und in der Schwachheit sprudelt die Verheißung auf den wahren Retter heraus. Es wird einem klar, wie hart wir Jesus brauchen – und dass Er es ist, der uns in unserer Not begegnet.

    Danke, dass Sie uns an Ihrer Reise teilhaben lassen und zeigen, wie lebendig Gottes Wort ist!

  2. Eine gute Idee

    Die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite durchlesen, ist sicher eine gute Idee. Gleichermaßen hilfreich ist es aber auch, wenn wir als Christinnen und Christen insgesamt mehr Wissen über unseren Glauben haben. Ich betrachte Glauben nicht einseitig als Vorhandensein einer Glaubenslehre, sondern er ist ein Begriff für großes Vertrauen in Gott. Der Glaube ist auch kein Mantel, der nur in einer Größe produziert wird und dann jemand auch irgendwie passen soll. Jeder hat das Recht auf seine eigene Perspektive auf Gott. Mit Jesus haben wir eine völlig neue Perspektive auf den Schöpfer.

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