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Achtung: Die Bibel ist sehr politisch

Das Wort „Politik“ kommt in der Bibel nicht vor. Unpolitisch ist sie aber keineswegs – sondern voll mit Aussagen zu Themen wie Macht, Freiheit und Gerechtigkeit.

Von Dr. Pieter Lalleman

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Ich bin mit einem Missverständnis aufgewachsen: mit der Behauptung, dass die Bibel nichts zum Thema Politik sagt. Diese Annahme stimmt insofern, als das Wort Politik nicht im Wort Gottes auftaucht. Sie stimmt auch in dem Sinne, dass keine politische Partei für sich in Anspruch nehmen kann, Gottes Weisheit gepachtet zu haben. Doch abgesehen davon ist diese Annahme einfach falsch.

Vielmehr ist die Bibel ein sehr politisches Buch und hat viel darüber zu sagen, wie Menschen im politischen Leben miteinander umgehen sollen. So geben die Bücher Sprüche und Prediger politischen Leitern (und anderen) Ratschläge über harte Arbeit, Sachverstand und Ehrlichkeit – denken Sie zum Beispiel an Sprüche 16,13; 20,8.28; 25,2.5.15; 28,16; 29,4.12.14; Prediger 4,13; 5,7-8; 9,13-18; 10,16-18. Wenn doch alle Politiker so wären!

Nächstenliebe in der Gesellschaft

Über den Umgang miteinander sagt Jesus im Neuen Testament: Das wichtigste Gebot ist, nicht nur Gott zu lieben, sondern auch seinen Nächsten – und zwar so sehr, wie man sich selbst liebt. Diese gegenseitige Liebe beschränkt sich natürlich nicht darauf, unseren Nächsten am Sonntagmorgen zu grüßen; sie hat große Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ich darf meinen Mitmenschen nicht mit wirtschaftlichen Tricks übervorteilen, ich darf meinen Müll nicht auf seinem Land abladen, ich darf meine Macht nicht auf Kosten anderer ausweiten – und so weiter.

In der Politik geht es darum, dass Recht und Gerechtigkeit herrschen. Genau dies sind auch Kernthemen der Bibel! Die Bücher von Mose und den Propheten zeigen uns, was Gott darunter versteht. Auffallend oft ist hier davon die Rede, wie wir Witwen, Waisen und Ausländer behandeln. Wie eine Gesellschaft mit diesen vulnerablen Gruppen umgeht, ist Gott sehr wichtig. Jesus zählte in seinem letzten Gleichnis im Matthäusevangelium die Armen, Hungrigen, Fremden und Gefangenen zu den vulnerablen (verletzlichen) Gruppen (Matthäus 25,31-46).

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Wir können dazu auch weitere, moderne vulnerable Gruppen hinzufügen, zum Beispiel Obdachlose, Sexarbeiterinnen und -arbeiter sowie Opfer von häuslicher Gewalt. Das Gleichnis von Jesus stellt uns die Frage, was wir konkret für solche Menschen tun. In der Situation der ersten Christen, die eine kleine Minderheit ohne Stimmrecht waren, richtete sich diese Frage an Einzelne. In unserer Situation, in der wir als Christen in einer Demokratie leben, ist dies auch eine Frage an die Kirche, an die Wirtschaft und an die Politik. So markiert dieses Gleichnis auch eine politische Zielsetzung. Ebenso ist es mit einer Reihe anderer Gleichnisse.

Befreiung weitergeben

Auch Freiheit ist ein wichtiger Begriff in der Bibel: nicht nur die Freiheit von Sünde, auch die Freiheit von Sklaverei. Das ganze Alte Testament blickt nämlich auf zwei große Taten Gottes zurück, die immer wieder aufleuchten: die Schöpfung und der Auszug Israels aus Ägypten. In Jesaja 40–55 verspricht Gott zum Beispiel, dass die Rückkehr seines Volkes aus der Verbannung ein neuer Auszug sein wird, ein neuer Anfang, der Israel Freiheit schenken wird. Verschiedene Psalmen sprechen davon, dass Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Israel war sich immer darüber im Klaren, dass es diese Freiheit auch anderen zugestehen musste.

Bei Politik geht es um das Ausüben von Macht. Und auch über den richtigen Gebrauch von Macht hat die Bibel viel zu sagen – zum Beispiel in den Vorschriften für die Leiter von Israel in 5. Mose 16,18–18,22. Hier wird die Macht im Land unter verschiedenen Personen und Gruppen aufgeteilt. Dadurch hat keine einzelne Person oder Gruppe die Alleinherrschaft, denn König, Priester, Richter und Propheten haben ihre eigenen Verantwortungsbereiche. Der König darf zum Beispiel nicht Recht sprechen und keine Opfer bringen. In Psalm 72, einer Art Handbuch für den König, steht, dass der Schutz der Armen seine besondere Aufgabe ist. Darin ist er also Gott ähnlich.

Leitlinien von Jesus

Wenn Jesus in Lukas 4,16-21 das Programm seiner Sendung beschreibt, kombiniert er Dinge, die wir „persönliche Glaubensfragen“ nennen würden, mit „politischen Fragen“. Darunter sind Freilassung für Gefangene, das Evangelium für die Armen und das Jahr des Schuldenerlasses. Jesus macht keinen Unterschied zwischen Glaubensleben und Politik.

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Im Lukasevangelium spricht er auch immer wieder darüber, wie wir unser Geld gebrauchen sollen, vor allem in den Kapiteln 9 bis 19. In unserer Zeit gelten diese Richtlinien nicht nur für die einzelnen Gläubigen, sondern auch für Christen in Regierung und Verwaltung, Wirtschaftsunternehmen und internationalen Organisationen.

Wenn Lukas die Lehre von Jesus beschreibt, scheinen die Worte von Psalm 146 im Hintergrund zu stehen, die sich durch Jesus erfüllen. Dieser Psalm beginnt damit, uns vor den „Mächtigen dieser Welt“ zu warnen, und schildert dann, dass Gott den Unterdrückten Recht schafft, den Hungrigen Brot gibt, die Gefangenen frei macht, die Fremden behütet und Witwen und Waisen beisteht. In und durch Jesus will Gott diese Dinge auch in unserer Zeit tun, und natürlich bezieht er auch uns dabei ein. Auch Psalm 146 ist also eine politisch aufgeladene Botschaft.

Der prophetische Jakobusbrief

Propheten haben in dieser Hinsicht eine Art Wächteramt. Wie Hütehunde laufen sie bellend um das Volk Israel und um die Gemeinde herum, um sie auf dem richtigen Weg zu halten. Propheten kommentieren immer, gefragt oder ungefragt, das Auftreten der Kirche, der Obrigkeit und der großen Unternehmen. Sie sprechen über Recht, Gerechtigkeit und Freiheit – also die Prinzipien der Politik, die Gott wichtig sind. Im Neuen Testament nimmt Jakobus diese prophetische Aufgabe dadurch wahr, dass er die Reichen in der Gemeinde kritisiert:

  1. „Rein und vorbildlich Gott, unserem Vater, zu dienen bedeutet, dass wir uns um die Sorgen der Waisen und Witwen kümmern und uns nicht von der Welt verderben lassen“ (Jakobus 1,27).
  2. „Dabei sind es die Reichen, die euch unterdrücken und in Rechtsstreitigkeiten verwickeln“ (2,6b).
  3. „Angenommen, jemand sieht einen Bruder oder eine Schwester um Nahrung oder Kleidung bitten und sagt: ‚Lass es dir gut gehen, Gott segne dich, halte dich warm und iss dich satt‘, ohne ihnen zu essen oder etwas anzuziehen zu geben. Was nützt ihnen das?“ (2,15-16).
  4. Und dann ist da noch die Passage Jakobus 5,1-6, die sich nachzulesen lohnt.

Propheten beziehen Stellung gegen die Selbstgenügsamkeit frommer Menschen und gegen einen Gottesdienst, in dem es nur noch um fromme Routine geht. Vor allem Amos, Micha und Jesaja setzen sich für die Armen ein und kritisieren Unrecht und Armut scharf, (Jesaja 3,12-15; Amos 4,1-3 und 5,10-13 und Micha 2,1-2.9). Daneben äußerten die Propheten auch Kritik an der Korruption in der Rechtsprechung, so wie in Amos 5,7.10.12; Micha 3,9-11; Jesaja 5,23; 10,1-2 und Jeremia 22,13-17.

Fazit: Wenn man alles aus der Bibel herausnehmen wollte, was mit Politik zu tun hat, bliebe nur noch ein sehr dünnes Büchlein übrig – und das ist nicht mehr das Wort Gottes!

Dr. Pieter Lalleman war Dozent für Neues Testament am Spurgeon’s College, London, ist Herausgeber der Europäischen Theologischen Zeitschrift und lebt jetzt in Zwolle, Niederlande. Übersetzung: Martina Merckel-Braun



Cover von Faszination Bibel

Dieser Artikel ist zuerst im Magazin Faszination Bibel erschienen. Faszination Bibel gehört wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag.

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16 Kommentare

  1. Fasst doch einfach zusammen worum es wirklich geht, nämlich um die Vergebung der Sünden und das ewige Leben durch Jesus Christus.
    Um die Errettung der Seelen und das Christen einander lieben sollen, wie Jesus Christus sie geliebt hat.

  2. Liebe Leute, ich will euch ja nicht Weihnachten verderben, wo wir doch alle so milde gestimmt sind und einen verklärten Blick auf die Krippe haben.
    Aber wenn Jesus wiederkommt, dann nicht als Baby in Windeln sondern als allmächtiger Gott, Richter der lebendigen und der Toten, der die Böcke von den Schafen trennen wird. Wie sagt Jesus selbst ? „Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.“ (Matthäus 24, 37-39) Das ist die Botschaft Jesu und der Apostel, alles andere ist Verfälschung und Phantasie, vielleicht sogar gut gemeint, was es aber nicht besser macht. Halten wir uns doch an das „Wort“, dann erleben wir keine bösen Überraschungen !

    • Gott ist Liebe

      Lieber Stammtischbruder: Das klingt alles nicht gut. Denn Gott wirft kein Feuer vom Himmel, er schickt auch keine Sintflut, oder böse Krankheiten. Die Sintflut ist aber gut im kollektiven Gedächtnis verankert, auch gibt es dafür geologische Beweise und sie fand durch Absturz eines Astroiden vor 9000 Jahren statt. Die Indianer schildert dies mit der 10 Meter hohen Flutwelle, die schon von weitem zu hören war. Auch in Neuseeland und Indien wird so berichtet. Gott ist Liebe und warum sollte er, ohne auch nur den Grund zu nennen, völlig unschuldige Indianer oder Ureinwohner auf der Südhalbkugel ermorden und einen Genozid herbei führen? Wir müssen daher die Sintflut nur als die Geschichte verstehen, wenn Menschen in die Sicherheit fliehen und Gott sie bei ihrer Rettung unterstützt. Menschen in der Steinzeit und Antike haben Naturkatastrophen immer als auch als göttliche Strafe verstanden. Es mag ja auch sein, dass Gott die Schafe von den Böcken trennt, aber das wäre eher wie Erziehung zu verstehen und dem Umstand entsprechen, dass bis auf die Knochen böse Menschen und die sehr guten Menschen nicht sehr gut miteinander leben können. Aber Jesus ist gekommen, nicht um die richten, sondern zu erlösen und so steht dies in der Bibel und stimmt mit Jesu Lebenspraxis überein. Wenn Sie, liebster Stammtischbruder, dann die Menschen seit 2 Millionen Jahren bis heute nach dieser Methode unterscheiden, dann werden außer ein paar Stammtischbrüder kaum einer nicht in die Hölle kommen. Sie werden sehr einsam dort im Himmel sein, sogar der Papst wird fehlen, zudem mein Kirchenpräsident, denn sie alle verstehen die Bibel nicht als Verbalinspiration, sondern legen sie am Leben Jesu gründlich aus. Weil Gott Mensch wurde in einem kleinen Baby und in einem zu Unrecht hingerichteten Menschen, zeigt doch an, dass er niemals brutal ist Er ist in seinem ganzen Wesen nur Liebe und herrscht auch nur mit Liebe. Er ist das Gegenteil des Menschen. Oder wollen wir Gott so als ein Rächergott ?Dann wäre er die Projektion menschlicher Verhaltensweisen, vor allem jener der Tyrannen. Dazu würden ebenso passen auch stark bewaffnete Engel.

      • Jesus selbst ist das Wort, das bleibt. Was Menschen sagen – Papst, Kirchenpräsident oder andere – kann daran nichts ändern. Er starb am Kreuz, auferstand am dritten Tag und ist wahrhaftiger Gott. Auf sein heiliges Wort setze ich mein Vertrauen, nicht auf menschliche Worte, die verwehen wie Wind.

        Johannes 3:
        1 Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. 2 Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen. 6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von Neuem geboren werden. 8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht? 11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. 12 Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? 13 Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, 15 damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat. 16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einzigen Sohnes Gottes. 19 Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 21 wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

  3. Ich denke, dass es keinen unpolitischen Glauben gibt. Denn letztlich ist jedes Thema auch politisch.

    Umwelt, das Miteinander, Krieg und Frieden, Bildung, soziale Gerechtigkeit, Leben und Tod …

    Zu all dem und viel mehr sagt Glauben und Religion etwas. Und alles ist höchst politisch.

    Aber Bibel und Kirche sollte nicht parteipolitisch sein. Wenn sich die größte deutsche Partei christlich im Namen nennt, so finde ich das bedenklich. Von konkreten Wahlempfehlungen von der Kanzel ganz zu schweigen. Früher eine reine Domäne des konservativen Lagers ist diese Verquickung heute auch manchmal bei den GRÜNEN zu beobachten. Allerdings ist es dann schon absurd, wenn das dann aus konservativen Kreisen kritisiert wird, die Jahrzehnte davon profitierten.

    • In Parteien gibt`s viel „Scheinheiligkeit“

      Ich kann dies mit der Scheinheiligkeit sagen, aber es auch viel Gutes in den Parteien gibt, denn ich war erst CDU-Mitglied und dann eines der SPD.
      Liebe Chey: Wenn denn die CDU wenigstens wertkonservativ wäre, also weniger populistisch und nicht mit Stadtbildbemerkungen (psychologisch sind dies Generalisierungen, alle Flüchtlinge verschandeln das Stadtbild), dann würde ich das C im Namen eher akzeptieren. Aber so nur heißeste Luft. Wahlempfehlungen von der Kanzel hat es wahrscheinlich niemals wirklich gegeben, höchstens interpretationsgeweitete Sätze. Ich kann mir überhaupt keine Christinnen und Christen vorstellen – auch nicht die dazu führenden seelischen Widersprüche – wenn diese zu den 3% Deutschen gehören, die ökumenisch ihren Glauben versuchen exemplarisch zu leben und dazu aber AfD-Mitglieder sind. Dann müssten sie gegenüber allen öffentlichen Reden der Parteikollegen völlig blind und taub, sowie wirklichkeitsfremd sein. Und wenn die AfD-Politikerin von Storch sich angeblich so gegen jede Abtreibung einsetzt, was ich auch tue (aber mit ein wenig Sensibilität), dann würde diese Dame nicht so schamlos die ganze Agenda verdrehen, weshalb die nicht gewählte Verfassungsrichterin weggemobbt wurde. Also da gibt es immer auch Personen überall in unseren Parteien, die dafür zuständige sind, die dreckige Wäsche zu waschen. In den 1970 und 1980er Jahre gab es da einvernehmlich rote Linien, denn alle Parteien hatten gegeneinander so viel Skandale und Skandälchen im dicken Aktenordner vorgehalten und es war nicht ein gutes, sondern nur sehr reales Gleichgewicht des Schreckens. Unter diese obskure Art der Vergebung fiel der fromme Abgeordnete, der nachts sturzbetrunken im Hinterhof eines Bordells alle Mülltonen ausleerte. Dies fiel zu dieser Zeit auch unter die lässlichen Sünden. Also: Auch das Destruktives strukturiert sich die Regeln. Ich erwarte nicht viel von unseren Gewählen, aber doch eine möglichst friedliche Sprache und nicht immer gern bewusste sprachlich Entgleisung. Wer so den Rechtsradikalen angeblich Wählerstimmen entwendet, erfreut nur Frau Weidel und Anhang. Denn kluge Wähler wählen nur Originale.

  4. Hallo Herr Wößner: Das Reich Jesu ist zwar nicht von dieser Welt, aber die von Jesus vorgelebten Ideale, auch seine Gottes- und Nächstenliebe sind auch hier verortet und wichtig. Lieber Herr Kietzmann: Sie haben recht. Aber gegen jede Form von Doppelmoral gibt es die Bergpredigt und auch ich muss mir immer zuerst den Balken aus dem Augen ziehen und die Maßstäbe die ich an andere anlegen will, müssen auch zu mir passen. Und sicherlich ist es, lieber Martin Dobat wichtig, das Wort Gottes zu lieben, aber wenn ich immer unfreundlich zu anderen Menschen wäre, würde mir kaum jemand meinen Glauben abnehmen. Wir sollten auch nicht den (falschen) Eindruck erwecken, wir gingen zum Lachen in den Keller. Dies passt nicht zu Jesus, der drei Tage bei einer Hochzeit gern mitfeierte. Eine gesunde Lebensfreude ist nicht nur erlaubt, sie ist Voraussetzung auch für die Bereitschaft, mit genug Empathie durch die Welt zu laufen. Dass die Welt nicht heil ist, weiß jedes Kind. Aber der religiöse Optimist glaubt, dass es da schon in diesem Leben gute Mittel und Methoden gibt, jede Grieskrämigkeit aus unseren Gesichtern und Worten zur verbannen.

  5. Danke, liebe Jesus.de-Redaktion! Ihr seid echte Mutmacher! Das Thema treibt mich seit Jahren so um! Danke, Pieter Lalleman! So klare, wohltuend ehrlichen Worte! Ja und Amen!

  6. Hier auf Erden haben wir Schulaufgaben

    Das Wort „Politik“ kommt in der Bibel nicht vor. Unpolitisch ist sie aber keineswegs – sondern voll mit Aussagen zu Themen wie Macht, Freiheit und Gerechtigkeit“! Dies schreibt Dr. Pieter Lalleman hier auf jesus.de. Dazu nachfolgend meine hoffentlich nicht unbescheidenen Gedanken.

    Die Bibel ist – selbstverständlich nicht in einem parteipolitischen Sinne – sehr politisch. Außerdem haben wir mit den Israeliten das Alte Testament gemeinsam und auch die Emanzipation ist ein Erbe dieses Fundamentes: Durch die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft. Wir sind als Töchter und Söhne Abraham, und wegen Gott als unserem Vater und unserer Mutter, freie Menschen und können uns daher immer für das Gute oder Böse, das Konstruktive und Destruktive entscheiden. Daher sind wir sehr verantwortlich für unser Tun oder Nicht-Tun. Gott fiel schon in der Geschichte von Kain und Abel dem Kain nicht in seine Hände, als er seinen Bruder auf dem Acker aus religiösen Gründen erschlug. Daher kann zum Teil auch begründet werden, warum die Welt so unheil ist. Wir haben seit unserer Sesshaftwerdung den Mord oder Totschlag sowie letztlich machtbesessene Despoten und die Kriege kultiviert. Die Hölle richten WIR auf Erden ein: Der Schöpfer aller Dinge ist der absolut Gute und wirft kein Feuer vom Himmel – er möchte dass kein Mensch getötet wird. Jesus ist das menschliche Gesicht Gottes und seiner Liebe. Er ist unser Messias, der jeden Menschen auf Erden und alle Kreaturen im Universum erlöst. Durch Jesu freiwilligen Tod am Kreuz, womit der Himmel gewaltloses Regieren beweist, hat sich Gott mit allen versöhnt. In Zeit und Ewigkeit wird sich jede/r auch mit unserem Schöpfer stets völlig freiwillig versöhnen.
    Unsere Freiheit und die Liebe Gottes sind sehr wichtig, was auch die Bergpredigt als ethisch-politischen Text zeitlos gut unterstreicht. Deshalb haben Christinnen und Christen die Menschenrechte erfunden, die Resozialisierungsidee formuliert und auch viele gute Gedanken in die Ethik in dieser Welt eingebracht. Ich muss den Balken immer zuerst aus meinem Augen ziehen. Ich darf versuchen auch meinen Mitmenschen immer wieder zu vergeben und sogar meine Feinde zu lieben. Daher sind Menschen, die glauben dass Gott alle Menschen liebt, weil er alle daher geschaffen hat, immer auch POLITISCH. Wir dürfen wie in der Bergrede oder Bergpredigt uns gerne den Idealen vom „Licht für die Welt“ und dem „Salz der Erde“ wenigstens annähern. Wir sind aber immer noch „allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten“! Denn wegen unserem Freispruch erwartet Jesus von uns, dass wir versuchen aus Dankbarkeit allen Menschen zugewandt, freundlich und hilfsbereit zu begegnen und möglichst über niemand endgültig den Stab zu brechen. Unser Leben hier auf diesem Planeten verstehe ich als eine Art Schule, in der wir Gott gut erkennen können und hier versuchen – ohne den Wahn eines Perfektionismus oder Überheblichkeit – hier uns einer bescheidenen Heiligkeit anzunähern. Wir sind wirklich heilig, weil wir Ebenbild der Liebe Gottes sein dürfen und dann versuchen missionarisch, sozial und ebenso vielleicht politisch zu handeln. Wir verstehen hoffentlich (fast) alle, dass Flüchtlinge unsere Mitmenschen sind und Jesus auch hier sagt: „Was ihr einem dieser meinen Nächsten getan habt, dass habt ihr mir getan“! Keiner ist vollkommen, denn Gesunde benötigen keinen Arzt und Gott ist der Beste im Universum. Auch die Demokratie zu bewahren ist durchaus ein christlicher Anspruch, denn Despoten haben nur Macht aus Eigennutz.

  7. Wie der Autor schreibt, sagt die Bibel viel über das Miteinander. Dies ist für mich nicht politisch. Ich sehe viel mehr die Gefahr in den USA ein politisches Christ sein – einen Gottesstaat – zu errichten.

    • Also der (menschengemachte) Gottesstaat scheint mir in weiter Ferne zu sein und das ist auch gut so! Warten wir doch bis Christus wiederkommt und sein Reich auf dieser Erde aufrichtet. Bis dahin wird noch viel passieren und wir müssen mit einer antichristlichen Diktatur rechnen und das wird nicht lustig werden. Alles deutet darauf hin, dass es nicht mehr viele Jahre braucht. Die sündige Menschheit provoziert aufs neue die Geduld Gottes, der „autonome“ Mensch baut schon wieder am babylonischen Turm, der Weltraum wird erobert, die Gene manipuliert,
      die Schöpfungsordnung angegriffen. Gott verschwindet aus dem Leben der Menschen, er wird obsolet. Die wenigen Gläubigen belächelt.
      Von mir aus bezeichnen wir diese Entwicklung als politisch, ich erkenne nur wie der Heilsplan Gottes sich vor unseren Augen erfüllt !

      • Gott ist Liebe und das absolut Gute

        Ist dies, lieber Stammtischbruder, wirklich dein Ernst: Der Mensch erobert den Weltraum. Dies hier so einzuordnen würde bedeuten, man müsste es kritisieren dass Amerika entdeckt wurde, die Welt keine Scheibe ist und wir ein großes Gehirn haben (von Gott so gewollt). Wir sind insofern vom Himmel gewollt durchaus ein wenig autonom (selbstverantwortlich) um keine Marionetten des Himmels zu sein, denn Gott fällt uns nicht in die Hand, wenn wir falsch denken und auch tun. Daher haben wir Verantwortung. Und selbstverständlich gelten für die Genforschung ethische Regeln, allerdings züchten wir schon lange Pflanzen und auch andere Lebewesen, bei den letzteren nicht immer unter Berücksichtigung auch deren Gesundheit. Anstelle von wenig Sorge betrachte ich doch die Bemühungen in den USA, die Demokratie nachhaltig abzuschaffen, als sehr gefährlich auch für uns. Leider gibt es auf der Welt schon immer antichristliche Diktaturen, die zudem auch unmenschlich sind. Und wie gesagt hier wieder mein Standardhinweis, dass wir die Bibel auslegen müssen am Neuen Testament und dann am Werk Jesu. Da muss dann auch eingeordnet werden, dass zur Zeit von Jesus und in der späteren Urgemeinde eine große Naherwartung bestand, das Weltende ausgesprochen nahe sei und teilweise die Überzeugung bestand, es geschähe noch in jener Generation. Gleiches ist anzuwenden auf die Gefühlslage der Menschen bei uns aus verständlichen Gründen, als Zeitgenossen in ganzen Landstrichen an der Pest starben, oder der Dreißigjährige Krieg brutal wütete. Was wir unter Wiederkunft Jesu verstehen ist ja durchaus richtig, aber muss auch bildlich verstanden werden. Wenn damit das Reich Gottes schon hier auf Erden ein wenig Raum greift, dann sagte dazu Jesus, das Reich Gottes komme nicht einfach so, sondern langsam wie die Wolken ziehen (oder es sei schon in uns in unserer Seele). Selbstverständlich sehen wir heute die Weltuntergangsuhr auf 1 Minute vor Zwölf stehen, ist nicht Gottes Werk, dies hat fast alles mit uns zu tun und den Gefahren die wir erzeugten, nicht bekämpften und dazu noch verharmlosen. Dies ist immer noch die Atom-Hochrüstung und neuerdings unser Klimawandel. Im übrigen hat der Turmbau zu Babel nichts mit unserer Raumfahrt zu tun, sondern beschreibt (noch zur Schöpfungsgeschichte zählend) bildhaft neue destruktive Machtstrukturen damaliger Herrscher, die im hohen Elfenbeinturm sitzen, deren steile Hierarchien scheitern (der Turm fällt um) und die Menschen verstehen sich auch nicht mehr. Das können wir heute in vielen Ländern der Erde beobachten. Für mich ist wesentlich großes Vertrauen in Gott zu haben, ihn zu lieben und den Nächsten wie mich selbst. Da sind wir alle unvollkommen und müssen uns den christlichen Idealen – auch aus der Vergebung zu leben, durchaus auch annähern, wenigstens ich. Ich halte die Predigt und die Aufforderung „versöhne dich heute mit Gott“ für eher wichtiger und sinnvoller, als den Weltuntergang hier vorherzusagen. Immerhin hatte Jesus versprochen als sanftmütiger Herrscher zu kommen, nicht zum Gericht, sondern zur Erlösung. Diese Botschaft wird auch durch das Kind in der Krippe ausgedrückt. Wie sagt die Bibel so zutreffend: „In der Angst ist keine Liebe“. Um die Erde zu vernichten brauchte der Himmel nicht den hohen Aufwand betreiben, unsere Kriege, die Donald Trumps und die Atombomben zu benutzen (Gott ist gut und tut nichts böses). Sondern es könnte uns auch der sehr gefährlichen Elektronenblitz treffen, der alles in Sekunden in Asche verwandelt, oder ein Asteroid und das entgleiste Klima. Da aber Gott Liebe ist, Jesus sogar gegen die brutale Römische Soldateska keine himmlische Gewalt anwendet, ist auch eine Dunklen Seite der Macht (Gottes) aus dem Weltraummärchen keinesfalls biblisch. Wie wir theoretisch sein könnten, aber Gott ist, beschreibt der 1. Korinther im 13. Kapitel. Er ist langmütig und freundlich, was auch Jesus exemplarisch lebte. Der Widerspruch ist: Gott kann nicht gleichzeitig Liebe sein und dann wieder regelrechte Gewalt. Der Himmel wirft auf uns kein Feuer, sondern er liebt uns. Aber unverdiente Liebe tut sehr weh

  8. Ich glaube das Wichtigste ist, eine authentische und lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu haben, das Wort Gottes zu lieben, dann geht vieles von ganz alleine.
    Lieber Gruß Martin

    • Hm…, dann müssen wir uns aber mal entscheiden. Entweder die Menschen, die gegen die Sklaverei kämpften, waren „Männer des Glaubens“ oder ihr Handeln ist nicht durch die Bibel legitimiert.
      Wer allerdings bei Themen wie (soziale) Gerechtigkeit den Superhit der „frommen Szene“ „Jesus war ganz unpolitisch“ schmettert, sollte auch nicht zwecks Unterschriften sammeln um die Häuser ziehen, wenn die Obrigkeit das Eheschließungsrecht ändert.

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