Karfreitag und Ostern sind zentrale Ereignisse des christlichen Glaubens, aber die Karwoche enthält weitere Stationen. Es lohnt sich, sie bewusst zu gestalten – und sich auf ihren Inhalt zu besinnen.
Von Susanne Tobies
Palmsonntag
Als Jesus und seine Jünger nach Jerusalem kamen, um dort mit vielen anderen Juden das Passahfest zu feiern, geschah dies nicht leise und unauffällig. Jesus ritt auf einem Esel in die Stadt. Viele Menschen begrüßten ihn begeistert und legten Kleidung, Palm- und Ölbaumzweige auf die Straße, um einen „roten Teppich“ für Jesus zu bilden. Denn sie sahen in ihm den Messias – den rechtmäßigen, von Gott eingesetzten König.
Tipp: Lesen Sie Matthäus 21,1-11.
Gründonnerstag
Am Vorabend seines Todes aß Jesus gemeinsam mit seinen zwölf Jüngern. Auf dieses Ereignis geht das Abendmahl zurück. Jesus wusch seinen Jüngern auch die Füße. Damit diente er ihnen und forderte sie dazu auf, einander mit derselben Haltung zu begegnen. Später, im Garten Gethsemane, fiel Jesus seinen Verfolgern in die Hände, weil sein Jünger Judas ihn für 30 Silbermünzen verriet – und zwar durch einen Kuss: den Judaskuss.
Tipp: Sprechen Sie beim gemeinsamen Essen das letzte Abendmahl an (Lukas 22,14-20). Welche Möglichkeiten haben wir, einander zu dienen?
Karfreitag
„Kar“ ist abgeleitet von einem Wort, das Klage, Elend oder Trauer bedeutet. An diesem Tag wurde Jesus dem römischen Statthalter der Provinz Judäa, Pontius Pilatus, gegenübergestellt, zum Tode verurteilt und auf dem Hügel Golgatha an ein Kreuz genagelt. Die 15. Stunde des Tages gilt als seine Todesstunde, daher werden vielerorts karfreitags um 15.00 Uhr Gottesdienste abgehalten. Als Zeichen der Trauer und der Besinnung auf das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz essen viele an Karfreitag kein Fleisch.
Tipp: Wer nicht sowieso in der Fastenzeit auf etwas verzichtet, könnte dies zumindest am Karfreitag und -samstag tun (zum Beispiel auf Süßigkeiten oder Social Media). Es tut gut, diese Zeit als „leise“ Tage zu verbringen. Es bietet sich auch an, als Familie einen Friedhof zu besuchen und mit Kindern über Tod und Trauer zu reden: Wer ist aus dem Familien- oder Bekanntenkreis bereits gestorben? Was bedeutet „Himmel“ für dich? Wann warst du mal traurig? Was hat dir geholfen, wieder fröhlich zu werden? Für Erwachsene: Lesen Sie die entsprechenden Bibelstellen (Lukas 22 und 23). Und halten Sie am Karfreitag um 15.00 Uhr inne, um an Jesu Leiden und Sterben zu denken.
Karsamstag
Er wird auch Ostersonnabend genannt und ist der Tag der Grabesruhe. Nachdem Jesus am Abend zuvor vom Kreuz genommen worden war, liegt sein Leichnam nun in einer Grabhöhle: Der erhoffte Messias ist tot. Die Altäre in den Kirchen sind frei von Kerzen und Blumen. Doch in der Nacht zum Sonntag wird die Osternacht gefeiert – als Vorbereitung auf den kommenden Sonntag und das freudige Ereignis, das bevorsteht. Osterkerzen bringen dann wieder Licht in die zuvor dunklen Kirchen.
Tipp: Färben Sie zusammen Eier (sie sind ein Sinnbild erwachenden Lebens), backen Sie ein Osterlamm oder gestalten Sie eine Osterkerze. Vielleicht können Sie auch ein Osterfeuer besuchen. Das Feuer ist ein Symbol für Gott, der Leben und Wärme spendet.
Die Evangelien schweigen zu diesem Tag. Lediglich Matthäus erzählt davon, warum und dass Jesu Grabhöhle nun bewacht werden soll: Damit niemand behaupten kann, was Jesus über seinen Tod vorausgesagt hat. Lesen Sie Matthäus 27,62-67.
Ostersonntag
Jesus ist auferstanden! Das wird weltweit an diesem Tag gefeiert. Wie Matthäus 28,1-9 berichtet, wälzte ein Engel den Stein, mit dem das Grab Jesu verschlossen war, zur Seite. Drei Frauen, die Jesu Leichnam salben wollten, sahen: Das Grab war leer. Ein Engel verkündete ihnen, dass Jesus auferstanden sei. Und tatsächlich: Später begegnete Jesus einigen Frauen, die seinem Freundeskreis angehörten, und seinen Jüngern.
Tipp: Besuchen Sie einen Ostergottesdienst. Bei einem Spaziergang durch die Natur können Sie im endenden Winter und beginnenden Frühling dem Tod sowie der Auferstehung nachspüren.
Ostermontag
Dieser Tag erinnert an die Begegnung des auferstandenen Jesus mit zwei Jüngern, die auf dem Weg von Jerusalem zu dem Ort Emmaus waren. Jesus erklärte ihnen unterwegs die Prophezeiungen der Bibel. Erst als sie abends gemeinsam aßen und Jesus für sie das Brot brach, erkannten sie ihn und verkündeten in Jerusalem seine Auferstehung.
Tipp: Lesen Sie Lukas 24,13-35. Wie hätten Sie an der Stelle der Emmaus-Jünger reagiert?
Jesus hat durch seinen freiwilligen Tod die Sünden und das Leid aller Menschen auf sich genommen. Unsere Schuld ist durch Jesus vergeben und vergessen, wenn wir ihn darum bitten. Mit seiner Auferstehung hat er gezeigt, dass er als Sohn Gottes der Sieger über die Macht des Todes ist. Durch ihn dürfen wir eine lebendige Liebesbeziehung zu Gott haben, die auch unser eigener Tod nicht beenden wird.
Susanne Tobies engagiert sich in der Gemeindeleitung der FeG Cuxhaven.

