Gerümpel und Schätze
SCM Bundes-Verlag / GettyImages

Lebensfragen sind Lebensbegleiter, finden Nils und Tom Laengner. Sie lassen sich nicht mal eben bei einer Tasse Kaffee beantworten. Aber wer sich auf die Suche nach Antworten macht, wird Freiheit und neue Möglichkeiten erleben.

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Und so haben sie in ihrem Buch „UNTERWEGS. 52 Impulse für Alltagsreisende und Lebensbeweger“ viele Fragen gestellt und Gedankensplitter aufgeschrieben. In dieser Woche stellen wir fünf Lebensfragen daraus vor.

Frage 2:

Was würde ich vermissen, wenn es weg wäre?

Es ist kein Geheimnis: Manche Dinge lernen wir erst so richtig zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Dieser Gedanke ist im Grunde nicht ganz neu. Die Singer-Songwriterin Joni Mitchell wies darauf schon in den Siebzigern hin. In ihrem Lied „Big Yellow Taxi“ singt sie glockenklar: “Ist es nicht immer so? Du weißt solange nicht, was du hast, bis es eines Tages weg ist.” Und sie gibt ein Beispiel für die Folgen. Zuerst haben die Menschen die Wälder zugepflastert. Anschließend errichten sie ein Museum. Gegen Geld lassen sich darin die verbliebenen Bäume bestaunen.

Mit dem Klima ist das auch so eine Sache. Dabei sollte der Klimawandel inzwischen ein alter Bekannter sein. Er ist so wenig heiß begehrt wie ein Krebsgeschwür. Aber seine Ankunft war zu erwarten. Bereits 1979 hatte der amerikanische Geophysiker Gordon J.F. MacDonald auf einen möglichen Klimawandel hingewiesen. Damals tagte in Genf die World Meteorological Organization (WMO). Die große Mehrheit der Delegierten aus 53 Ländern war sich über eine Sache einig: Es gibt einen Klima-Umschwung, der zu einem Temperaturanstieg führen wird. Bereits damals wurden mögliche Szenarien beschrieben. Und es wurden Alternativen dargelegt. MacDonald war kein Verschwörungstheoretiker oder Endzeitfanatiker. Er hatte nur gerechnet.

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Auf die Erde kann ich nicht so gut verzichten. Da steht meine Existenz auf dem Spiel. Mein Alltag gestaltet sich demgegenüber weniger dramatisch. Allerdings habe ich mit meinem täglichen Leben jeden Tag 24 Stunden lang zu tun. Da gibt es für mich durchaus Dinge, auf die ich verzichten kann.

Ich meine mal so: Auf die Buttercremetorte zum Nachtisch kann ich verzichten. Auf den Geschmackssinn aber nicht. Der Duft, der einer Restmülltonne entsteigt, hebt mein Lebensgefühl nicht einmal minimal. Aber der Geruchssinn als solcher macht das Leben durchaus schöner. Der Verzicht vom Anblick ekelerregender Scheußlichkeiten ist nicht unbedingt ein Opfer. Dennoch pflege ich meine Sehkraft bis zum letzten Atemzug.
Die Erde mit ihren Farben, Gerüchen und Geschöpfen ist für mich ein Grund zum Jubeln. Und allein das Vorhandensein meiner Sinne macht mein Leben zu einem geheimnisvollen Wunder. Sich mit diesen Geheimnissen auseinanderzusetzen, macht mir nicht nur Freude. Mein Leben wird so auch reicher.

Also: Was würde ich sehnlichst vermissen, wenn es nicht mehr da wäre? Es heute wahrzunehmen und zu beschützen, erweitert den Schatz meines Lebens.


Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „UNTERWEGS. 52 Impulse für Alltagsreisende und Lebensbeweger“ von Tom und Nils Laengner – illustriert mit vielen starken Reportagefotos, zum großen Teil aus der Radfahrwelt. Der Titel ist im SCM Verlag erschienen. Der SCM Verlag ist Teil der SCM-Verlagsgruppe, zu der auch Jesus.de gehört.

 

Frage 1: Hab ich es drauf?

Frage 2: Was würde ich vermissen, wenn es weg wäre?

Frage 3: Was sind meine Leitplanken?

Frage 4: Wer ist eigentlich mein Trainer?

Frage 5: Wie halte ich mein Leben instand?

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