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Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören

Die Armut hinderte Gerhard Tersteegen daran, ein glänzender Gelehrter zu werden. Seiner Dichtkunst verdanken wir dieses ungewöhnliche Weihnachtslied.

  1. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel in Chören,
    singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren!
    Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah
    zu den Verlornen sich kehren.
  2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden!
    Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden.
    Friede und Freud wird uns verkündiget heut;
    freuet euch, Hirten und Herden!
  3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget;
    sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget!
    Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd;
    alles anbetet und schweiget.
  4. Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen?
    Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen.
    Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu sein,
    die ihr zum Vater wollt gehen.
  5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken?
    Du willst dich selber, dein Herze der Liebe, mir schenken.
    Sollt nicht mein Sinn innigst sich freuen darin
    und sich in Demut versenken?
  6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde,
    dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde:
    du sollst es sein, den ich erwähle allein;
    ewig entsag ich der Sünde.
  7. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren,
    komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren!
    Wohne in mir, mache ganz eins mich mit dir,
    der du mich liebend erkoren.
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Gerhard Tersteegen


Bedeutender Dichter der deutschen Sprache

Gerhard Tersteegen hätte ein glänzender Gelehrter sein können, doch die Armut seiner Familie hinderte ihn an einem Universitätsstudium. So verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kaufmann und Handwerker. Doch wenn Tersteegen in seinem Hause „predigte“, füllten sich die Räume mit Menschen, die ihn hören wollten. Seiner Dichtkunst verdanken wir viele wunderbare geistliche Lieder. Vielleicht war Gerhard Tersteegen sogar der bedeutendste Dichter deutscher Sprache in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Von ihm stammt ein ungewöhnliches Weihnachtslied. Zunächst enthält das Lied „Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören“ alles, was wir von einem Weihnachtslied erwarten dürfen: die Chöre der Engel, die „Frieden und Freude“ verkündigen; die Hirten auf den Feldern mit ihren Herden, und natürlich vor allem das Wunder, dass Gott ein Kind wird. In seinem zweiten Teil wird das Lied zu einem sehr persönlichen Liebeslied (nicht weniger als fünfmal kommt das Wort „Liebe“ vor) und schließlich zu einem eindrucksvollen Anbetungslied.

Eins sein mit Jesus

In der Anbetung bringt Tersteegen sein tiefstes Sehnen zum Ausdruck: „eins mit dem Kinde zu sein“. Er betet darum, dass das göttliche Kind, von Tersteegen mit dem Namen „Immanuel“ (= „Gott mit uns“) angeredet, in ihm selbst wohnen möchte.

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Ungewöhnlich ist schließlich auch die Melodie. Zwar gibt es auch eine neuere Melodie, die wir dem langjährigen Kantor der Dresdner Kreuzkirche Rudolf Mauersberger verdanken, aber in den meisten Gemeinden singt man das Lied nach der bekannten Original-Melodie des Liedes „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Text: Reinhard Deichgräber


Hier findest du gute Gedanken zu weiteren altbekannten Chorälen und christlichen Liedern.

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