MEHR-Konferenz: Katholische Kirche wagt Aufbruch in Augsburg

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Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg, kündigte für die Abendveranstaltung der MEHR-Konferenz am 6. Januar eine „Bombe“ an. Unser Kollege Tobias Hambuch, TEENSMAG– und MOVO-Volontär, war unter den Zuschauern, als Hartl, Karl Wallner, Nationaldirektor von Missio Austria, und Bernhard Meuser, Initiator von YOUCAT, das „Manifest Mission. Das Comeback der Kirche“ vorstellten. Es enthält zehn Thesen, die eine Welle der Neu-Evangelisierung innerhalb der katholischen Kirche auslösen sollen.

In These Eins heißt es etwa „Uns bewegt die Sehnsucht, dass Menschen sich zu Jesus Christus bekehren. Es ist nicht mehr genug, katholisch sozialisiert zu sein. Die Kirche muss wieder wollen, dass Menschen ihr Leben durch eine klare Entscheidung Jesus Christus übergeben. Sie ist ja weniger eine Institution oder Kulturform, sondern einen Gemeinschaft mit Jesus in der Mitte. Wer Jesus Christus als seinem persönlichen Herrn nachfolgt, wird andere für eine leidenschaftliche Nachfolge Jesu entzünden.“

Nach der Vorstellung der Thesen betraten mehr als 80 katholische Gemeinschaften und Initiativen mit Schildern die Bühne, um bildlich darzustellen, dass sie hinter dem Manifest stehen. Junge katholische Bischöfe aus den drei deutschsprachigen Ländern solidarisierten sich mit den jungen Leuten auf der Bühne. „Das war schon ein beeindruckendes Bild“, erinnert sich Tobias, der evangelisch ist. „In der Halle war Partystimmung. Keiner saß mehr, alle waren am Feiern. Ein einziger Dauerapplaus ging durch die Menge. Ich war bewegt.“

Eine verlesenes Grußwort aus dem Vatikan von Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, sollte dem missionarischen Aufbruch Rückendeckung geben. Kardinal Rainer Woelki, Erzbischof von Köln, schickte eine Videobotschaft.

MEHR-Konferenz 2018: Verlesung des Grußwortes aus dem Vatikan (Foto: Sarah Rauschenberger)

Johannes Hartl rief daraufhin die evangelischen Christen in der Halle auf, für den missionarischen Aufbruch in der Katholischen Kirche zu beten. „Das war das Gefühl des Abends“, meint Tobias. „Wir sind alle Eins. Viele haben sich an den Händen gehalten – egal, ob sie sich kannten oder nicht. Andere streckten die Arme in die Luft. Es ging eine Welle durch die Zuschauer. Man hat gespürt, dass wir eine Gemeinschaft sind, die dem gleichen Gott folgt.“

Tobias nahm nach der Veranstaltung aber auch nachdenkliche Töne von evangelischen und freikirchlichen Christen wahr. Ein Beispiel: „Es ist eigentlich traurig, dass die katholische Kirche solche Thesen noch formulieren muss. Ist es für Christen nicht selbstverständlich, Jesus in die Mitte zu stellen? Warum ist das ein Aufbruch?“

Zwischen Show-Charakter und Aufbruchstimmung

„Man kann der Veranstaltung auch ihren Show-Charakter vorwerfen. Es wird ein Gefühl von Einheit in der Kirche erzeugt.“ Das hat laut Tobias einen Nebeneffekt: „Kritische Themen werden ausgeklammert. Was uns noch trennt, wird nicht angesprochen. Dennoch geht es zentral darum, dass alle Christen an einem Strang ziehen sollten“, findet Tobias. „Wir wollen Menschen zu Jesus führen.“

MEHR-Konferenz 2018 (Foto: Gebetshaus Augsburg)

 

Zuvor wurde am Nachmittag das gleichnamige Buch zu den Thesen vorgestellt. HERDER Verleger Manuel Herder war persönlich nach Augsburg angereist: „Ein Buch mit solchem Anspruch, die zehn Thesen für die Erneuerung der Kirche zu haben, das ist ein verlegerisches Vergnügen.“

Neben Herder waren Initiatoren und Autoren von MISSION MANIFEST auf dem Podium, um über Beweggründe und Ziele der Aktion Auskunft zu geben. Maximilian Oettingen, Leiter der Lorettobewegung (Salzburg/Wien), sprach von einer neuen Generation von Christen, die aus einer persönlichen Gottesbeziehung heraus leben wollen: „Es braucht den Moment der Bekehrung, den Moment, wo man anerkennt, dass es einen Herrn gibt, der man nicht selber ist. Und dass man sich ihm unterwirft, der uns liebt.“ Bernhard Meuser verlor auch kritische Töne zum Status Quo der Kirche: „Wir wollen keine Zuschauerkirche. Die Generation der nachfolgebereiten jungen Menschen ist das Herz der Kirche der Zukunft. Wir hoffen und wünschen, dass die Bischöfe dieses Geschenk erkennen.“

Pater Karl Wallner spitzte die Dinge noch einmal zu: „The church must send – or the church will end. Das ist logisch. Die Kirche ist nur zur Mission da; sie hat keinen anderen Zweck.“

In den kommenden Wochen kann man auf der Webseite das Manifest unterzeichnen. Wer das tut, gibt eine Selbstverpflichtung ab, sich in der Weitergabe des Glaubens konkret zu engagieren. Dafür werden ständig Projekte, Initiativen und Ideen gesammelt und beworben, die zu hunderten in den Ländern bereits existieren und eingereicht werden können.


Homepage Mission Manifest

Die Zehn Thesen aus dem Mission Manifest (Facebook-Beitrag Johannes Hartl)

6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Meine Frau und ich haben per Livestream einen guten Teil der Veranstaltungen gesehen, auch Mission Manifest. Als Freikirchler waren und sind wir begeistert, wie wunderbar die Einheit bei dieser Veranstaltung auch am Bildschirm zu spüren war. Ich persönlich glaube, das dies die wichtigste Konferenz für Deutschland in diesem Jahr war. Es ermutigt mich persönlich sehr zu erfahren, wie Gott in unserem Land wirkt und Zukunft gestaltet. Wir können als Freikirchen da viel lernen. Wir stecken viel zu oft in unseren charismatischen Gettos fest und vergessen, das Jesus kein Kirchgänger war.

    • Hallo,
      darf ich fragen, was Sie daran begeistert, dass es eine Neu-Evangelisierung innerhalb der katholischen Kirche geben soll, wenn Jesus kein Kirchgänger war? Darum geht es doch in dem Artikel?

      Viele Grüße,
      Jochen

  2. ich finde den Kommentar : Kritische Themen werden ausgeklammert “
    an dieser Stelle überflüssig,
    es war ja nicht Ziel der Konferenz die Unterschiede von evangelisch zu kaholisch dazustellen.

    Die Frage : warum müssen Katholiken diese 10 Thesen überhaupt formulieren,
    finde ich schlicht : überheblich
    ich sehe auch in vielen Freikirchen , sowie der ev. Kirche wenig persönliche Beziehung zu Gott im Alltag , und oft wird die Aufgabe der Evangelisation an theologische „Profis“ weitergeleitet ,
    ich erkenne auch evangelische Christen eigentlich nicht an ihrer Evangelisatiosfreudigkeit , wenn ich ihnen im Alltag begegne.

  3. Ich freue mich über den Aufbruch in der Katholischen Kirche, auch da ist Jesus ptäsent und kräftig am Wirken! Wie Johannes Hartel sehe auch ich es so dass es um die Einheit geht und nicht um die Unterschiedlichkeit. Es geht um Jesus im Zentrum, denn nur so kann die Welt wirklich erkennen dass Jesus der Sohn Gottes ist!

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