Die Kunst des Malens und des Kämpfens vereinte sich in dem vor 500 Jahren hingerichteten Jörg Ratgeb. Er nahm sich damals schon viele Freiheiten – und porträtierte den Verräter Judas mit einer Erektion.
Von Marcus Mockler (epd)
Er führte den Pinsel und die Waffen: Jörg Ratgeb war ein hochbegabter Maler und ein kriegerischer Bauernführer. Seinen politischen Kampf bezahlte er mit seinem Leben: Vor 500 Jahren – das genaue Datum ist unbekannt – wurde er in Pforzheim gevierteilt.
Sein berühmtestes Werk ist der Herrenberger Altar, der heute zur Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie gehört. Darin wird Christus zum Freund der einfachen Leute, während die Schergen und Mächtigen als fette, arrogante Herren erscheinen. Pontius Pilatus trägt Züge von Kaiser Maximilian I. und wird von einer Flagge mit dem Reichsadler begleitet – eine Provokation der Obrigkeit.
Alle sieben Todsünden angedichtet
Am skurrilsten ist aber die Darstellung des Judas in einer Abendmahlsszene, die mehr an eine Spelunke erinnert. Dem Verräter werden alle sieben Todsünden angedichtet, darunter die Wollust: Ratgeb malt Judas mit einer Erektion – eine kunsthistorische Premiere.
Der Ausnahmekünstler Jörg Ratgeb wurde um 1480 in Schwäbisch Gmünd geboren. Als Maler machte er schnell Karriere und leitete eine Werkstatt mit bis zu zehn Mitarbeitern. Zwischen 1514 und 1518 malte er im Frankfurter Karmeliterkloster den größten Wandgemäldezyklus nördlich der Alpen. Den Altar für die Herrenberger Stiftskirche vollendete er 1521.
Ehe mit einer Leibeigenen
Seine Konfrontation mit der Obrigkeit hatte einen sehr persönlichen Hintergrund: Ratgeb ehelichte eine Leibeigene des Herzogs Ulrich von Württemberg. Trotz seines Ansehens und seiner Bemühungen gelang es ihm nie, seine Frau und die gemeinsamen Kinder aus der Knechtschaft freizukaufen. Dieser Makel kostete ihn seine Bürgerrechte in Heilbronn und machte ihn zu einem Heimatlosen, der zwischen Stuttgart, Heilbronn und Frankfurt umherzog. Er sah sich und seine Familie als Opfer des Feudalsystems.
Als 1525 der Bauernkrieg ausbrach, erblickte Ratgeb darin die Chance auf Veränderung. Die Bauern forderten in ihren „Zwölf Artikeln“ die Abschaffung der Leibeigenschaft und mehr Gerechtigkeit.
Ratgeb, inzwischen Ratsmitglied in Stuttgart, verhandelte zunächst mit den Aufständischen. Doch bald wechselte er die Seiten und wurde zu einer führenden Figur der Rebellion. Als Kanzler und Kriegsrat kämpfte er für die Sache der Bauern.
Verurteilt und gevierteilt
Die Bewegung scheiterte. Nach der entscheidenden Niederlage bei Böblingen im Mai 1525 floh Ratgeb, wurde jedoch verraten und gefasst.
Man machte ihm wegen Hochverrats den Prozess. Die Anklage lautete auf Aufruhr und eine frühere Allianz mit dem vertriebenen Herzog Ulrich. Das Urteil war der Tod durch Vierteilung, eine besonders entehrende Strafe für Verräter.
Das Vermächtnis des schwäbischen Künstlers und Politikers lebt aber fort. Er wurde zu einer Symbolfigur des Widerstands. In der DDR stilisierte man ihn zum frühbürgerlichen Revolutionär. Der Künstler HAP Grieshaber stiftete 1977 den Jörg-Ratgeb-Preis für Kunst, die sich für Freiheit und Menschlichkeit einsetzt. Sein Leben wurde verfilmt, in Romanen erzählt und auf die Bühne gebracht.
Heute erinnern Schulen, Straßen und Plätze in Baden-Württemberg an den Maler und Rebellen. In Herrenberg entstand zum 500. Jubiläum des Bauernkriegs im vergangenen Jahr ein Skulpturenpfad, der sein Werk würdigt.
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In zwei Jahrtausenden wurde Gottes Liebe marginalisiert
Bauernführer und Künstler Jörg Ratgeb war mir mit seinen reformatorischen Anliegen leider völlig fremd. Aber seine Lebensgeschichte zeigt sehr deutlich, wie nachvollziehbar berechtigt und auch ebenso drastisch seine Kritik an diesem Unterdrückungssystem im Mittelalter war. Aber ebenso auch noch die scheinbare völlige Unmöglichkeit, dies mit friedlicheren Methoden und ohne drastische Zuspitzungen in Formulierungen der Kritik zu bewältigen.. Nun waren sodann die anderen Reformatoren auch keinerlei Engel, die Menschen damals durch die Bank ungebildet, ebenso nicht die meistens grausamen Herrscher eher selten selbstkritisch und die Denkweise der sodann damals selten querdenkenden Menschen zu wenig resilient friedlicher. Da in der Schweiz ein Mensch reformatorisch am Kirchturm zur Mahnung gegen Denkfreiheiten aufgehängt und so zu ‚Tode gebracht wurde, ist diese Methode Lichtjahre entfernt von der Weltsicht Jesu, etwa in seiner Bergpredigt. Denn die christliche Toleranz erlaubte im Apostelkonzil, die es den Judenchristen mit ihren vielen Ritualgesetzen, sowie Heidenchristen ohne des Gesetzes Werke, Toleranz sowie Vertrauen gemeinsam zu leben. Wenn zur Zeit der Urgemeinde wegen der Gewaltfreiheit Jesu, Römische Soldaten ihre Waffen wegwarfen, aber zur Zeit des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ die Menschen und ihre Beherrscher, leider der Sinn des Geschehen in der Krippe und ebenso auf Golgatha, abhanden kam: Also damit was mit Jesus mit einer fundamental anderen Sichtweise auf Gott begann, leider im Laufe langer 2000 Jahre unter den herrschenden Tyrannen und ihrer Verbindung von Thron und Altar, von Glauben und Gewalt, als Ideale verschwanden. Die Revolution der Liebe Gottes wurde bis heute einerseits modernistisch und angepasst und auf der anderen Seite fundamentalistisch überhöht. Unser Schöpfer aller Dinge will alle Dinge ändern, aber gerade deshalb bleibt er unwandelbar immer der Gleiche, ein unbegreifbarer unendlicher Geist der Liebe, der alles erschuf: Er will einen Neuen Himmel und eine Neue Erde erschaffen und bei uns auch damit anzufangen: Das neues und altes Paradies.
So bleibt Gott allerdings immer der er von Ewigkeit zu Ewigkeit war, unbegreiflich, nicht mit unseren falschen Narrativen und Vorurteilen versehen, das absolut nur Gute und jene Liebe, weshalb es das unendliche Universum und uns überhaupt gibt. Kulturell fressen wir wie jener Neandertaler uns nicht mehr gegenseitig auf, ebenso die Sklaverei wurde abgeschafft, sogar Menschenrechte und Völkerrecht formuliert. Aber dafür können wir heute mehrfach diesen schönen und Blauen Planeten in die Luft sprengen. Die neuen Tyrannen sind im Geiste immer noch die Alten, sie lieben die Atombombe, sind (als Adam und Eva als erste Menschen symbolisiert), nie Gott gehorsam. Also wie die Erbauer des Turmbau zu Babel, oder nach der Methode Trump, Verehrer/innen von allem Egoismus und großer Selbstliebe. Aus der Erzählung von Krippe und Kreuz wurde die sehr friedliche Erzählung des (gefühlten) Märchens . Also nicht mehr was es ausdrücken soll: Gott ist radikal positiver als die Denkweisen aller Tyrannen. Jesus aber zeigte uns diese Zärtlichkeit Gottes, von Anbeginn der Welt. Wir erfanden die Hölle und unterstellen sie als Gottes Wille. Es herrscht heute nur der Markt und nicht Gottes Liebe. Kirchen sind menschliche Erfindung, aber sie könnten wie unsere Urgemeinde werden, wenn es Gott auch bewirkt.