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Christen im Libanon: Zwischen Hoffnung und Auswanderung

Der Libanon nimmt im Nahen Osten eine Sonderstellung ein: Er ist das Land mit dem höchsten Anteil an Christen in der Bevölkerung. Aber viele von ihnen verlassen das Land.

Von Maya Saleh

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Als der Libanon 1943 seine Unabhängigkeit von Frankreich erhielt, wurde ein neues politisches System etabliert. Die politische Macht wurde konfessionell aufgeteilt und den Christen so eine bedeutende politische Vertretung gewährt. Bis heute wird das Präsidentenamt der Republik von einem Christen besetzt. Diese Regelung sollte das kommunale Gleichgewicht wahren und die Rechte von Minderheiten in einer Region schützen, in der Angehörige vieler verschiedener Religionen zusammenleben. Infolgedessen genießen Christen im Libanon traditionell ein Maß an politischer Sichtbarkeit und kultureller Freiheit, das im Nahen Osten einzigartig ist.

Wenig Geburten, viel Auswanderung

Obwohl Christen nach wie vor viel Einfluss genießen, hat ihr demografisches Gewicht in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommen. Während sie in den 1950er-Jahren über die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, sind es heute laut Schätzungen weniger als 40 Prozent. Niedrige Geburtenraten und die anhaltende Auswanderung haben den Anteil der Christen sinken lassen und so die Zahlenverhältnisse innerhalb der libanesischen Gesellschaft verändert.

Seit Jahren erlebt der Libanon eine der schlimmsten Finanzkrisen der letzten 30 Jahre. Im Jahr 2019 verhängten die Banken aufgrund des Mangels an US-Dollar sowie politischer Unruhen, Demonstrationen, Straßenblockaden und zivilgesellschaftlichem Aktivismus Beschränkungen für die Abhebung von Einlagen. Im Jahr 2020 wurde das Land von den Auswirkungen der Corona-Pandemie überwältigt, und am 4. August 2020 verursachte eine gewaltige Explosion im Hafen von Beirut (>>> Tagesschau) enorme Zerstörungen. All diese Krisen haben viele junge Christen dazu veranlasst, im Ausland nach neuen Möglichkeiten zu suchen.

Säulen für Bildung und Kultur

Trotz dieser Herausforderungen spielen Christen im Libanon weiterhin eine aktive Rolle im öffentlichen Leben, im Bildungswesen und im kulturellen Bereich. Christliche Einrichtungen, insbesondere Schulen und Universitäten, stehen Angehörigen aller Religionen offen und gelten nach wie vor als Säulen der intellektuellen Landschaft des Libanon. Darüber hinaus trägt die Präsenz von Christen dazu bei, dass der Libanon im Nahen Osten ein Ort religiöser Vielfalt und relativer Meinungsfreiheit ist.

Die Christen im Libanon stehen aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, der politischen Lähmung und der Abwanderung unter erheblichem Druck. Doch ihre historischen Wurzeln und ihre institutionelle Verankerung sind nach wie vor stark. Es bleibt zu hoffen, dass das Land es schafft, politische Reformen, wirtschaftliche Erholung und einen neuen sozialen Zusammenhalt zu erreichen. Denn die Zukunft des Christentums im Libanon ist eng damit verbunden.

Maya Saleh ist Mitarbeiterin der Bibelgesellschaft im Libanon.



Dieser Artikel ist im Bibelreport (Ausgabe 1/2026) erschienen). Veröffentlichung auf Jesus.de mit freundlicher Genehmigung der deutschen Bibelgesellschaft.

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