Der Libanon versinkt im Chaos. Viele Christen verlassen das Land. Maya Saleh arbeitet seit zehn Jahren für die Bibelgesellschaft im Land. Hier erzählt sie, was ihr Hoffnung gibt.
Frau Saleh, wie leben Sie als Christin im Libanon?
Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, wir gehören zur Maronitischen Kirche. Schon als Kind und Jugendliche war ich als Messdienerin aktiv und sang auch im Kirchenchor. Bis heute engagiere ich mich in unserer Gemeinde. Ich nehme an vielen Aktivitäten teil, von Bibelworkshops bis hin zu Gemeindeversammlungen. An Weihnachten helfe ich, Lebensmittel und Spielzeug für bedürftige Familien zu sammeln. Sonntags bietet die Kirche vier Gottesdienste an, darunter einen für Kinder. Den besuche ich manchmal mit meinen Nichten. Ich fühle mich gesegnet, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die im Namen unseres Herrn in ihrem Dienst lebendig ist!
Was bedeutet Ihnen die Arbeit bei der Bibelgesellschaft?
Vor zehn Jahren begann ich, bei der Bibelgesellschaft zu arbeiten. Das war ein Wendepunkt in meinem Glaubensleben. Ich fing an, die Bibel intensiv zu studieren. Im Moment nehme ich wöchentlich an einem Online-Bibelkurs teil. Derzeit beschäftigen wir uns mit dem Neuen Testament, insbesondere mit dem Johannesevangelium.
Was macht Ihnen Sorgen?
Das Leben im Libanon ist nicht einfach, besonders für junge Menschen. Die Wirtschaftskrisen und die andauernden Kriege in der Region haben ihren Glauben erschüttert. Ich habe Freunde aus Syrien und dem Irak, und durch unsere Gespräche ist mir klargeworden, mit welchen Schwierigkeiten sie als Christen konfrontiert sind.
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Wenn ich die Arbeit der Kirchen im gesamten Libanon sehe, bin ich beruhigt, dankbar und zuversichtlich. Sie engagieren sich sehr, das Wort Gottes an alle Generationen weiterzugeben. Ihre Programme richten sich an alle – Kinder, Jugendliche, Ehepaare und sogar ältere Menschen. Das ist sehr ermutigend!
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass alle Christen im Libanon und im Nahen Osten ihren Glauben frei leben und ihn vor allen Menschen offen bezeugen können. Ich wünsche mir, dass insbesondere junge Menschen in schwierigen, unsicheren Zeiten Kraft und Trost in Gottes Wort finden. Ich bete für Frieden und Stabilität und dafür, dass unser Glaube auch für künftige Generationen eine Quelle der Widerstandsfähigkeit und der Hoffnung bleibt.
Was ist Ihr Lieblingsvers in der Bibel?
Der Vers Markus 10,27 hat für mich eine tiefe Bedeutung: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“ Als ich 15 Jahre alt war, starb mein Vater. Das stürzte mich in tiefe Zweifel – Wo ist Gott? Warum musste mein Vater so früh sterben? Doch mit der Zeit fand ich meinen Weg zurück zum Glauben. Dieser Vers leitet mich bis heute. Ich lege mein ganzes Leben in Gottes Hände. Er ist da, in meinem Alltag, in Momenten des Gebets, in der Unterstützung durch Familie und Freunde und sogar in Zeiten der Unsicherheit. Durch Freud und Leid habe ich gelernt: Was mir unmöglich erscheint – bei Gott ist es möglich!

Dieses Interview ist im Bibelreport (Ausgabe 1/2026) erschienen). Veröffentlichung auf Jesus.de mit freundlicher Genehmigung der deutschen Bibelgesellschaft.
