Fundamentalismus oder Anpassung an den Zeitgeist? Die Evangelische Allianz in der Schweiz wirbt für einen glaubwürdigen Mittelweg.
Was bedeutet christlicher Glaube in einer pluralen, postmodernen Gesellschaft? Mit dieser Frage setzte sich die Delegiertenversammlung der Schweizerischen Evangelischen Allianz in Murten auseinander. Vor rund 120 Teilnehmenden analysierte der Theologe Roland Hardmeier die Spannungen, unter denen das Christentum im Westen steht – und benannte die Gefahren beider Extreme.
Hardmeier unterschied laut einer Medienmitteilung zwischen progressiven und konservativen Ausprägungen des Christentums. Während progressive Strömungen (liberal und post-evangelikal) bemüht seien, den Glauben im Licht des Zeitgeistes neu zu deuten, wollten konservative Christeninnen und Christen (fundamentalistisch und klassisch evangelikal) ihn vor gesellschaftlicher Anpassung bewahren. Beide Pole böten Orientierung, hätten aber ihren Preis: Fundamentalismus sei anfällig für Einseitigkeit und Verschwörungstheorien, während progressiver Relativismus Glaubenssubstanz opfere, um Konflikte mit der Gesellschaft zu vermeiden.
Als Alternative warb Hardmeier für einen „Weg der Mitte“. Dieser setze Vertrauen in die Bibel, einen verbindlichen Kern des Glaubens, ernsthaftes Ringen um Wahrheit und ein erneuertes Kirchenverständnis voraus. Kirche müsse wieder als Gemeinschaft verstanden werden – und damit als bewusste Gegenkultur zum Individualismus der Postmoderne. Dabei verwies der Theologe auch auf die Urchristenheit: „Trotz des massiven gesellschaftlichen Drucks hat die Urkirche das Bekenntnis zu Jesus nicht aufgegeben. In ihren Glaubensformen und der Art, wie Kirche gelebt wurde, waren die ersten Christen anpassungsfähig. In ihren Glaubensinhalten waren sie unverrückbar.“
Die Schweizerische Evangelische Allianz besteht nach eigenen Angaben aus 83 Sektionen mit rund 670 Gemeinden und 250 christlichen Werken.
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