Premiere des Judith-Musicals in der Dortmunder Westfalenhalle. Viele tausend Zuschauer – und unsere Volontärin sitzt mittendrin.
Von Lina Ellert
Mein erstes Chormusical! Ich sitze in der Dortmunder Westfalenhalle und sehe mich um. Müsste man nur anhand der Gesichter erraten, was hier gleich stattfindet, würde man nicht auf ein Musical, sondern auf einen Gottesdienst schließen – nur in viel, viel größer.
Hinter der vorderen Bühne steht der „Kernchor“ mit Ensemble, auf den Tribünen die 3.000 übrigen Sängerinnen und Sänger. 3.000 Stimmen wurden den Zuschauern versprochen – also bekommen sie auch 3.000 Stimmen. Sie alle tragen Weiß, nehmen komplette Tribünen ein und werden auch einzeln vom Pastor der Creativen Kirche, Matthias Kleiböhmer, vorgestellt – so scherzt er zumindest. Als Stichprobe zeigt er uns die älteste Sängerin und die allerjüngste. Die Älteste war 91 und die Jüngste 7. „Die 7-Jährige singt natürlich Alt.“ Als er das sagt, fegt ein Lachen durch die Menge.
Wenn der Chor singt, will ich mich an den Armlehnen festhalten, doch es gibt keine. Der Gesang durchflutet die Halle in Wellen, denen niemand ausweichen kann. Es ist unmöglich, da nicht emotional zu werden.
Der Chor singt nicht nur, er begleitet auch die einzelnen Stücke mit verschiedenen Arten von Performance-Kunst. Bei dem Lied „Schwarz und Weiß“, tragen die Sängerinnen und Sänger schwarze Jacketts und öffneten diese im Takt, sodass die weißen T-Shirts wieder sichtbar werden. Es sieht aus wie ein enormes, mit Lamellenvorhängen behangenes Fenster – daneben ein unsichtbarer Riese, der den Vorhang öffnet und schließt. Zwischendurch gehen Chormitglieder mit Kerzen durch die Reihen, werfen bunte Ballons in die Menge, schwenken bunte Tücher und bewegen ihre Notenblätter wie Wellen. Tatsächlich erwarte ich, dass es mir irgendwann zu viel sein würde. Dass ich denke: „Ach, der Chor soll einmal stillhalten, ich will die Geschichte sehen!“ Aber dieser Moment kommt nicht. Ich bin immer weiter überrascht, was als Nächstes kommt.
Von der ersten Sekunde an bin ich auch von den Streichern und der Band begeistert. Sie sind das musikalische Sprungbrett des Chors und untermalen den Gesang. Für mich sagt die Musik dabei mehr aus als die gesprochenen Texte. Ausnahmslos alle Lieder sind Ohrwürmer. Sie strukturieren und glätten den Inhalt des Musicals. Aber welchen Inhalt eigentlich?
Worum es geht
In zwei Punkten zusammengefasst: Gott lässt uns manchmal mit dem Kopf unter die Wasseroberfläche sinken, aber niemals ertrinken. Und wir sollten niemanden hassen, nur weil sie oder er eine andere Meinung vertreten. Stattdessen: einander zuhören und verhärtete Fronten aufbrechen.
Das Musical beginnt und endet mit der Schöpfungsgeschichte. In Schnipsel zerteilt erstreckt sie sich durch die gesamte Aufführung. So spricht eine Frauenstimme Wort für Wort auf Hebräisch die Worte aus dem 1. Buch Mose, bis sie zur Erschaffung der Menschen kommt. „Und er sah, dass es gut war“ singt der Chor sechsstimmig.
Auf noch etwas muss ich eingehen: Zum minimalistischen Bühnenbild gehört ein kleiner Erdballon. Judith, die Hauptfigur der Geschichte, spielt in ihren Liedern oft mit ihm. Das vermittelt den Eindruck: Dieses „kleine“ blau-grüne Ei, gilt es zu beschützen – und im Hintergrund laufen auf einer großen Videoleinwand Aufnahmen der gigantischen Weltraumerde. Dieser Kontrast fasst für mich das Thema des Musicals zusammen.
Dann ist es vorbei. Der Mann in der Reihe vor mir hat Tränen in den Augen, springt auf und klatscht begeistert Beifall. So wie alle um mich herum. Standing Ovations, Applaus, der wie Platzregen über die Menge hereinbricht. Auch ich stehe auf. Mein erstes Chormusical war auf jeden Fall ein Erlebnis.
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Das Judith-Musical als Erlebnisbericht
Gut, nicht nur so geschrieben, sondern auch tatsächlich. Jede/r kann sich so geschildert die Westfalenhalle vorstellen, mit Menschen gefüllt und auch dergestalt, was man creativ christlich sich vorzustellen mag und auch ist. So darf Glaube sein, in der Sache fundamental gutartig, im Ton liebevoll, in allen Haltungen tolerant und in Form gebracht unverwechselbar. Ein Stück Himmel auf Erden, eine Lebensalternative, menschliche Spiegelung des Göttlichen. Jeder kann dies verstehen, es ist die gute Botschaft in musikalischer chorischer Form. Tausende die Singen und Loben wie versprochen. Mit ihnen auf der Spur als Hoffnung, die so groß ist wie fast die Unendlichkeit. Unendlichkeit in ehernen Töpfen. Das Judith-Musical auch mit „kleinem “ blau-grünem Ei, und es zu beschützen. Im Hintergrund laufen auf einer großen Videoleinwand Aufnahmen unserer gigantischen Weltraumerde. Wunderschön und sich lohnend dieses auch zu erleben mit allen Sinnen. Danke für den Bericht, liebe Volontärin.