Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 nach Christus prägte die Entstehung des Christentums – und wurde im Mittelalter religiös neu gedeutet.
Die römische Eroberung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der jüdischen Geschichte. Römische Truppen zerstörten nach monatelanger Belagerung den Tempel – das religiöse Zentrum des Judentums. Für das jüdische Volk war dies ein Trauma mit langfristigen Folgen. Zugleich, so der Historiker Alexander Marx von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, schuf dieses Ereignis die Voraussetzungen dafür, dass sich das Christentum als eigenständige Religion etablieren konnte. Ohne die Zerstörung Jerusalems, so Marx, wäre das frühe Christentum vermutlich eine von vielen jüdischen Strömungen geblieben.
In seiner Forschung hat Marx Tausende mittelalterliche Texte ausgewertet – Chroniken, Predigten und Bibelkommentare. Dabei zeige sich: Bereits Kirchenväter des 4. Jahrhunderts hätten das Ereignis der Tempelzerstörung aufgegriffen und es im Zusammenhang mit der Passion Christi gedeutet. Im Mittelalter wurde diese Sicht prägend: Die Eroberung Jerusalems galt „im Tandem mit der Passion Christi“ als Trennlinie zwischen Judentum und Christentum. Eine über Jahrhunderte wiederholte Deutung sah die rund 40 Jahre zwischen Kreuzigung und Tempelzerstörung als Frist zur Umkehr, die Gott den Juden gewährt habe – ihr ungenutztes Verstreichen wurde als göttliche Strafe interpretiert.
Weiterlesen auf Scilog: Die römische Eroberung Jerusalems – ein historischer Wendepunkt
In der historischen und theologisch-religionsgeschichtlichen Forschung besteht Konsens darüber, dass die Zerstörung des Tempels eine Zäsur für die Entwicklung von Judentum und Christentum darstellt. Die Trennung wird dabei als längerer Prozess begriffen, wobei Forschende die Bedeutung der Tempelzerstörung unterschiedlich gewichten. Fest steht: Außerhalb Israels wurden Juden und Christen von den Römern bereits im 2. Jahrhundert als unterschiedliche Gruppen wahrgenommen und behandelt.
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Jesus selbst kündigte die Zerstörung Jerusalems an (Luk 21) und man darf es schon als Gericht Gottes verstehen, zumal die Oberen der Juden den Fluch regelrecht auf sich gezogen hatten “ sein Blut komme über uns“.
Überlagert wird dies alles von der Weisheit Gottes, “ durch ihren Fall, ist den Heiden das Heil wiederfahren ( Paulus im Römerbrief Kap. 11 ) Zum Ende hin, wendet sich Gott wiederum dem Volk Israel zu, davon dürfen wir Zeitzeugen sein, die Juden sind nach 2000 Jahren Diaspora zurück im gelobten Land !
So schließt sich der Kreis und nach Paulus „wird ganz Israel gerettet“. Das steht noch aus, wie auch die volle Anzahl geretteter Heiden. „wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege“