Nachwuchsmangel, fehlende Gelder, Stellenstreichungen: Der Deutsche Musikrat fordert Maßnahmen zur Rettung der Kirchenmusik.
Der Deutsche Musikrat schlägt Alarm: Um die Kirchenmusik zu retten, müsse sofort gehandelt werden. In einem Positionspapier fordert er ein umfassendes Maßnahmenpaket: Sicherung und Ausbau der Ausbildungsstätten, Erhalt von haupt- und nebenberuflichen Musikerstellen, gezielte Förderung der Jugendarbeit sowie eine deutliche Aufstockung finanzieller Mittel. Auch die Vernetzung kirchenmusikalischer Verbände und die Etablierung interreligiöser Projekte stehen auf der Agenda. „Unterbleibt zügiges Handeln, sind die gesellschaftlichen Folgen massiv“, warnt der Musikrat.
Unschätzbarer kultureller Wert
Kirchenmusik sei weit mehr als Orgel und Chor: Sie umfasse Chorgesang, Improvisation, zeitgenössische Kompositionen und auch populäre Musik. Damit präge sie die Musikgeschichte und wirke bis heute. „Seit jeher ist [Kirchenmusik] Ausdruck
und Vermittlerin des Glaubens und dient als Kulturgut darüber hinaus allen Menschen“, heißt es. Besonders im ländlichen Raum sei Kirchenmusik oft der einzige kulturelle Begegnungsort, unterstreicht der Musikrat. Die Orgel, als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt, spiele dabei eine besondere Rolle. Kirchenmusik verbindet Generationen, schafft Räume für Kreativität und öffnet Türen für Menschen, die sonst kaum Zugang zu Kultur hätten.
Zahlen und gesellschaftliche Bedeutung
Die Relevanz zeigt sich auch in den Zahlen: Von 16,3 Millionen Amateurmusizierenden in Deutschland musizieren 23 Prozent in Kirchen oder Gemeinden. Für viele Jugendliche ist Kirchenmusik der erste Zugang zur Musik und oft der Auslöser, selbst ein Instrument zu erlernen, schreibt der Musikrat. Sie stifte Gemeinsinn, stärke das Miteinander und wirke sogar im interreligiösen Kontext verbindend. Studien zeigten, dass Kirchenmusik nach Weihnachten und Familienfesten der wichtigste Grund für den Besuch von Kirchen ist – auch bei Menschen ohne Glaubensbindung.
Es gibt keine deutschlandweiten Studien darüber, wie hoch der Anteil moderner Musik (Gospel, Pop, Worship etc.) in Gemeinden und Gottesdiensten ist. Schätzungen gehen von einem Anteil im Bereich von 20 bis 40 Prozent aus. Jede EKD-Landeskirche hat inzwischen Beauftragte für Popularmusik. Ausbildungen als Popkantor/in sind möglich. Im August 2026 findet in Burgdorf eine Fachmesse für kirchliche Popularmusik statt (Popkonvent26).
