Laut des aktuellen Armutsberichts des Paritätischen Gesamtverbands sind 13,3 Millionen Deutsche von Einkommensarmut betroffen – darunter viele Alleinerziehende und Rentner.
Der neue Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands zeigt: Fast jede fünfte Person über 65 Jahren in Deutschland ist von Armut betroffen. 29 Prozent der Alleinerziehenden und 30,3 Prozent der Alleinlebenden tragen ein hohes Armutsrisiko. Zudem seien alarmierend viele junge Erwachsene betroffen: Im Alter von 18 bis 25 Jahren trifft es 26,6 Prozent der Frauen und 23,6 Prozent der Männer, heißt es.
2020 galten dem Bericht zufolge etwa 13,2 Millionen Menschen in Deutschland arm. Bis 2023 sank die Zahl auf 12,1 Millionen. Jetzt hat sie einen neuen Höchststand erreicht. Den insgesamt 13,3 Millionen Menschen, die von Einkommensarmut betroffen seien, stehen laut Bericht – unter Verweis auf Daten der Boston Consulting Group – 700.000 Multimillionäre entgegen.
Zwei Paar Schuhe müssen reichen
Hinter diesen Zahlen verbergen sich konkrete Einschränkungen im Alltag. Viele Menschen könnten unerwartete Kosten wie die Reparatur eines Autos oder das Ersetzen einer kaputten Waschmaschine nicht mehr stemmen. Möglicherweise heizen sie weniger oder verzichten auf gesellschaftliche Teilhabe. Sie können es sich nicht leisten, einen einwöchigen Urlaub zu machen oder mehr als zwei Paar Schuhe zu besitzen.
„Wir sehen eine Gesellschaft, die sozial weiter auseinanderdriftet. Menschen spüren das. Jetzt immer neue Kürzungen zu diskutieren, schürt Angst und Unsicherheit“, kommentiert Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, den Armutsbericht. Rock appelliert an die Bundesregierung: „Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet!“
Durch weitere Kürzungen vergrößere sich nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich, sondern auch die Spaltung innerhalb der verschiedenen Regionen in Deutschland: Während im Süden bei einer Quote von 12 bis 13 Prozent deutlich mehr Wohlstand herrsche, habe sich der Wert im zurzeit ärmsten Bundesland Bremen auf 27,5 Prozent verdoppelt. Besonders angespannt sei die Lage auch in Sachsen-Anhalt (Platz zwei), Hamburg (3) und Berlin (4).
Als arm gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Zum Einkommen gehören dabei unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen.
>>> Zum vollständigen Armutsbericht (PDF)
