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REF.ch:

Blasphemie – „Religion muss Kritik aushalten“

Der reformierte Theologe Matthias Zeindler verteidigt den Schweizer Blasphemie-Paragrafen als Schutz religiöser Identität. Gleichzeitig mahnt er zur Zurückhaltung – und kritisiert politische Instrumentalisierung.

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Für Matthias Zeindler ist klar: Der Schweizer Blasphemie-Artikel hat weiterhin eine Funktion. „Der Schutz des religiösen Bekenntnisses ist in der Bundesverfassung relativ hoch angesetzt“, sagt der emeritierte systematische Theologe im Gespräch mit ref.ch. Nicht als Privilegierung von Religion, sondern weil Glaube für viele Menschen ein wesentlicher Teil ihrer Identität sei. Angesichts der rauen Debattenkultur in den sozialen Medien hält Zeindler den Paragrafen deshalb „weiterhin für legitim“.

Gleichzeitig plädiert er dafür, dass sich religiöse Menschen „zurückhaltend“ auf den Artikel berufen sollten. Christlicher Glaube müsse Kritik aushalten – auch scharfe. „Kritik und Anfeindungen ist das Christentum schon seit seinen Anfängen ausgesetzt“, betont Zeindler. Deshalb habe er die Reaktion der Kirchen im Fall der ehemaligen GLP-Politikerin Sanija Ameti 1) positiv wahrgenommen: Sie setzten nach der Entschuldigung der Politikerin auf Verständigung statt Anzeige.

Politische Motive

Kritisch bewertet Zeindler, dass zwei Politiker aus dem rechten Spektrum Anzeige gegen Ameti erstatteten, die „selbst immer wieder mit pointierten und teilweise grenzwertigen Äußerungen aufgefallen [sind]“. Hier sieht er weniger religiöse Betroffenheit als politische Motive. „Da wurde ein Vorfall für eine willkommene politische Abrechnung genutzt“, glaubt er.

Persönlich störe ihn vor allem „klischeehafte und uninformierte Religionskritik“. Religion dürfe kritisiert werden, betont er, „aber sie hat ein Anrecht auf Kritik, die auf Wissen und Fakten beruht.“ Für ihn richtet pauschale Religionsschelte mehr Schaden an als jede gezielte Provokation.

>>> das komplette Interview mit Matthias Zeindler auf ref.ch.

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1) Ameti hatte im September 2024 auf die Reproduktion einer Madonna-Darstellung geschossen und Fotos davon auf Instagram veröffentlicht. Später entschuldigte sie sich beim Bischof von Chur und bat um Vergebung – was dieser auch tat. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte die ehemalige GLP-Politikerin im Januar 2026 wegen Blasphemie strafrechtlich zu einer Geldstrafe, verwies jedoch geforderte Entschädigungszahlungen der Privatkläger auf den zivilen Rechtsweg.

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8 Kommentare

  1. Ja, Religion muss Kritik aushalten. Nur die Schwachen halten keine Kritik aus. Man kann durch Erkenntnis der Wahrheit stark werden. Ich halte z.B. Glaubenskritik aus. Ja, ich habe sogar den Naturalismus besiegt und einen Artikel auf academia veröffentlicht mit dem Titel „KI plädiert für Überwindung des naturwissenschaftlichen Denkens.“

  2. Ich habe damit große Schwierigkeiten.

    Ich denke z.b. an die Mohammed-Karikaturen. So etwas muss meines Erachtens möglich sein. Für diese Freiheit mussten Künstler sterben.

    Andererseits denke man an die fürchterlichen antisemitischen Karikaturen in der NS-Zeit.

    Ich halte es fast für unmöglich, hier eine rechtlich saubere Grenze zu ziehen, die dennoch solche Kritik nicht über Gebühr einschränkt.

    • Die Revolution der Liebe Gottes wurde verwässert

      Wir möchten nicht unsere Geschwister noch unsere Eltern verhöhnen und verspotten. Genauso nie, wenn ich Gott wirklich liebe.
      Humor, auch ihre Schwester die Kunst, ist Inbegriff von Freiheit. Aber wie wird justiziabel, wenn sie körperlich/seelisch Gewalt ist.
      Im Ergebnis kann ich mich hier Chey durchaus anschließen. Setzt man allerdings bei unserem christlich-jüdischen Ursprung an, dann ist mit Abraham und Moses eine Religion entstanden, die im Ideal völlige Befreiung des Menschen will. Die Wanderung der Israeliten in 40 Jahren (vermutlich aber bedeutend länger) aus der Sklaverei in Ägypten ins Gelobte Land, beinhaltete die realste klassenlose Gesellschaft ohne König. Es wurde alles geteilt. Aber dann wurde Israel wie alle Völker mit König, so ein wenig nach dem Muster von Thron und Altar. Ein wegweisendes Buch hat 2007 Christian Nürnberger über „DAS CHRISTENTUM“ verfasst. Da haben unsere jüdischen Geschwister das Eigentum ursprünglich sozialisiert, haben sogar bereits die antike Unverletzlichkeit der Wohnung erfunden. Und mit dem Versöhnungstag alle sieben Jahre, musste jeder durch Schulden erworbenen Besitz so wieder zurück geben. Mit solchen Ideen würde ich für geisteskrank erklärt. Dieses überholt ideell „bedingungsloses Grundeinkommen“!
      Denn unsere Urgemeinde teilte alles Eigentum. Unruhe im Römischen Reich war weniger das Vorhandensein der Christen, auch nicht ihr sehr bewundernswertes Sozialleben, nicht dass diese Glaubensgemeinschaft wuchs, sondern Christen die Grundideen aller verließen: Wer nicht machtlos sein will, wollte Macht gewinnen. Ich will niemals Amboss, sondern lieber der Hammer sein.
      Dass die ersten Christen, neben anderen Individuen, in der Arena von Tieren zerfleischt wurden, war bösartige Volksbelustigung.
      Die Liebe der Heiden- und Judenchristen waren für das Machtdenken von Gewaltmenschen gefährlich. Kaiser Konstantin hatte die geniale antike Idee umgesetzt, die so unbesiegbaren Unruhestifter durch seine Umarmung zu besiegen. Jenes Christentum wurde Staatsreligion. Diese Idee führte (wie vorher bei den Juden mit Wunsch nach einem König) auch bei den Römern wieder zu Thron und Altar, unser Christentum als Staatsreligion war oft furchtbarste Gewaltausübung, mit Zwangstaufen und wer nicht freiwillig gläubig wurde, musste mit dem Leben bezahlen. Also hier wieder uraltes Narrativ. Denn bei Thron und Altar wird Gott im gleichen Aufwasch mit beleidigt, aber liegt dieser Fehler bei der Religion. Ich meine: Gott als Liebe könnte keiner beleidigen. Bei der Majestätsbeleidigung ist die himmlische Herrschaft angeblich inclusive beleidigt. Denn wenn jeder, der legitime Macht über Menschen ausübt, sogar von Gott eingesetzt ist, wird seine Beleidung eine Sache Gottes und die Verlängerung dessen, hier Aufgabe irdischer Tyrannen. So dachte Luther nie. Staatliche Macht, auch in der Demokratie, ist nur gut als jede Menschlichkeit.
      Immerhin ist die Unverletzlichkeit und Würde des Menschen sogar Verfassungsrecht. Würdeverletzung muss strafbar bleiben. Kunst muss Kunst bleiben, Meinungsfreiheit auch genauso wie Religionsfreiheit. Wer Menschen nicht nur körperlich, sondern oder nur seelisch beschädigt, überschreitet eine Grenze zur Strafbarkeit. Genauso wie jede Form und jeder Grund zu Hass+Hetze.
      Aber diese letzten Sätze sind die Quadratur des Kreises. Aber das Christentum ist eher entkernt, die Jesusrevolution fast kraftlos.

      • Die Bibel bleibt klar: Gott gab die Gesetze, Israel hielt sie nicht ein (4. Mos 14; 5. Mos 9). Schon im Alten Testament zeigt sich, dass Gnade und Barmherzigkeit Gottes zentrale Bestandteile seines Handelns sind – auch wenn das Volk wiederholt versagt. Die Wüstenwanderung als „klassenloses Ideal“ darzustellen liest menschliche Ideale in göttliche Realität hinein und verkennt die zentrale Botschaft: Gehorsam, Umkehr und Gottes gnädiges Handeln.

        Auch die Formulierung, mit Abraham und Mose sei eine Religion entstanden, die „im Ideal völlige Befreiung des Menschen“ wolle, greift zu kurz. Biblisch geht es nicht um ein Freiheitsideal, sondern um Gottes Handeln: Er befreit – aber zur Bindung an sich (2. Mos 20,2). Freiheit ist hier nicht autonom, sondern steht im Zusammenhang von Bund, Gehorsam und Gnade.

        Ebenso zeigt die Urgemeinde (Apg 2,44–45; 4,32–37), dass freiwilliges Teilen Ausdruck von Liebe zu Christus war, nicht ein politisches Modell, und Paulus betont individuelle Verantwortung (1. Kor 16,2).

        Zudem möchte ich anmerken, dass Aussagen wie „Israel habe das Eigentum ursprünglich sozialisiert“ oder „die antike Unverletzlichkeit der Wohnung erfunden“ historisch nicht haltbar sind. Alle Regeln zu Eigentum und Wohnungsschutz stammen aus Gottes Gesetz (Ex 20,15; 21,33–36) und sind Ausdruck göttlicher Ordnung, nicht menschlicher Innovation oder politischer Utopie. Von einer modernen „Sozialisierung“ oder der „Erfindung“ von Menschenrechten kann hier keine Rede sein.

        Zu Konstantin: Historisch gesichert ist, dass er das Christentum strategisch förderte und Religionsfreiheit gewährte (Edikt von Mailand 313), aber keine Zwangsbekehrungen durchführte und das Christentum nicht sofort zur Staatsreligion machte. Historische Ungenauigkeiten dieser Art mindern die intellektuelle Glaubwürdigkeit einer Argumentation, die sich zugleich moralisch oder historisch erhaben gibt.

        Christentum ist geistlich, nicht ideologisch; es fordert echte Bekehrung, Umkehr und Gehorsam, nicht romantische Sozialutopien oder politisches Wunschdenken. Die nüchterne Klarheit der Schrift bleibt der beste Maßstab, um zwischen menschlicher Machtpolitik, historischer Realität und dem Evangelium zu unterscheiden – ganz ohne Anspruch auf moralische Erhabenheit.

        • Alles auf die Goldwaage gelegt

          Für das was ich schreibe, lieber Adrian, gibt es klare Quellen, man darf natürlich auch immer die andere Meinung haben. Aber romantische Sozialutopien vertrete ich nicht. Auch habe ich noch nie behauptet, Buße und Umkehr sei nicht erforderlich, das Gegenteil stimmt. Nur es passt nicht zu jedem Thema, auch nicht dass die Israeliten in ihrer Vorkönigszeit alles teilten, zumindest am Anfang und grundsätzlich im Ideal. Ich rede auch – obwohl ich ein Laie bin – nicht einer Modernen Theologie das Wort, aber ich muss nie, weil ich Christ bin, Evangelikaler werden. Für mich darf und soll die Bibel ausgelegt werden und zwar an Jesus Christus bzw. am Neuen Testament. Aber dann kommt man unweigerlich so auf eine andere Perspektive für das eigene Gottesbild und ich unterstelle Gott niemals, er habe nur seine Meinung oder gar seine Laune geändert. Aber Gott ist eben doch göttliche Liebe. Nun kann man natürlich meine Äußerungen auf die Goldwaage legen und dann hat man immer, aber kein anderer recht. Ich habe nicht die Absicht, unser Christsein hier zu spalten, aber niemand hat hier das Recht (zwar eine Meinung zu haben) aber nie irrtumslose Deutungshoheit. Doch wenn ich die Bergpredigt zugrunde lege, was ich öfters tue, ist diese Rede von Jesus von sehr zeitaktueller Gültigkeit, sowie extrem konkret. Es ist nie meine moralische Erhabenheit, denn ich habe diese Rede leider nicht gehalten. Ebenso Ethik ist immerhin eine solche Haltung, die vor allem aus christlich-jüdischen Quellen ist. Ihre Meinungsäußerung steigt auf eine tiefe ungute persönliche Ebene herab, dies ist unangenehm, auch wenn sie nicht gegen Regeln von jesus.de verstößt. In der Politik würde man dies u. a. Populismus nennen, weil ihnen da immer nur Evangelikale klatschen. Das war mein letztes Mal, mich hierzu zu äußern. Dies macht nie Sinn, denn Sie akzeptieren nicht, da Christinnen und Christen schlicht stets unterschiedliche Meinungen haben können, da es hier keine Absolute Wahrheit gibt, es sei denn diese wäre Gott selbst. Ich habe nichts gegen Evangelikale, Liberale oder charismatische Gläubige, aber ich lasse mich niemals in enge Denkschubladen stecken. Was fehlt ist jede Toleranz und ohne solche Tugend machen Sie niemand Mut, dass Gläubige aller Formen so gemeinsam beten könnten. Sie verhindern es. Zum Schluss sei hier noch angefügt, dass ich Christian Nürnberger als Theologen glaube, der so „Das Christentum“ als eines seiner Werke veröffentlichte. Außerdem machen viele andere Quellen hier ähnliche Angaben wie bei Nürnberger. Dass mit Kaiser Konstantin niemals ein Urchristentum kam, sondern als Gegenteil Thron und Altar, habe ich (wenn ich da nicht irre), vor Jahrzehnten der Literatur in Hülle und Fülle entnommen. Gerade dieser Autor legt Wert auf die sehr hohe Frömmigkeit, die sich hier immer nur aus einer persönlichen Gottesbeziehung ergibt. Allerdings bin ich auch ein wenig empfindlich gegen Dogmen, die sich mit Vernunft niemals begründen lassen, es sei denn man versteht sie – wie vorgesehen – dann sinnbildlich. Sie dann trotzdem auszupressen, hindert daran, auch alles Fundamentale zu betonen. Dies ist aber die Liebe, die größer ist als jeder Glaube und alle Hoffnung. In meiner Bibel steht dies leider so. Ich beziehe was ich hier schreibe, grundsätzlich auf alle Inhalte meiner Kommentare. Es ist weniger was sie über mich gerne schreiben, sondern wie sie es tun. Es ist nur unschön. Denn wahrscheinlich leugnen Sie auch, dass Gottes Wort stets Gotteswort als Menschenwort ist. Wobei ärgerlich ist, dass vor langer Zeit die Evangelikalen auch dies auch unterschrieben haben. Die Bibel fiel niemals vom Himmel wie der Koran. Sondern ist menschliche Überlieferung ihrer Glaubenserfahrung, aber auch anderer Literaturgattungen. (Es tut mir leid, dass Sie jetzt volle Breitseite abbekommen für alle, die mich seit Jahren auf jesus.de kritisieren, weil ich nicht faktenbasiert schriebe, ein Atheist sei, keine richtiger Christ, zu fromm, oder falsch fromm – oder was auch immer. Wie jeder in der Landeskirche. So als ob es christlich eine in jeder Einzelheit einheitlichen Glauben gibt, nicht viele Kirchen und Konfessionen, sowie Gottesbilder. Gleichsam sind Evangelikale die lautstarke Minderheit)

          • > Für das was ich schreibe, lieber Adrian, gibt es klare Quellen,

            Die Du fast nie nennst, selbst wenn man mehrfach nachfragt.

            Und wenn, dann ist es etwas, was dir irgendein Reiseleiter mal erzählt hat o.ä.. Seriöse Quellen sind anders.

          • Danke, Bernd, für deinen Kommentar.
            Ich denke, Gott hat für jeden von uns einen, seinen, eigenen Weg. Wir können von einander lernen, uns im Austausch inspirieren lassen. Aber kein Mensch hat das Recht, den Weg Anderer zu und mit Gott zu beurteilen. Vor allem, wenn von Menschen Gehorsam gefordert wird. Niemand kann sich sicher sein, ob die Regeln, die als von Gott kommend erachtet werden, nicht in Wirklichkeit aus meinem ganz persönlichen Über-Ich stammen. Und diese Unsicherheit macht mich demütig. Ich weiß, dass ich ein Suchender bin, nach Gottes Nähe auf meinem eigenen Weg. Und es ist schön, zu erleben, wenn man mit Brüdern und Schwestern zusammen sucht, in gegenseitigem Respekt. Einander in Respekt und Liebe Zuhören, aber immer auf der Suche nach dem ganz persönlichen Heiligen Geist in uns. Und niemals glauben, dass mein Weg mit Gott genauso von jemand Anderen gegangen werden kann.

            • Lieber Gert47, dem was Du schreibst kann ich gut zustimmen. Jeder muss seinen eigenen Weg zu Gott finden und Gott findet auch immer zu jedem Menschen seinen Weg. Glauben ist essentiell ein sehr großes Vertrauen in Gott und niemals als christliche Glaubenslehre die widerspruchsfreie Erklärung der Welt.

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