Das Statistische Bundesamt meldet für das Jahr 2025 ein Rekord-Geburtendefizit – mit deutlichen regionalen Unterschieden. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ging leicht zurück.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 654.300 Kinder geboren – das sind 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, ist die Geburtenzahl damit bereits das vierte Jahr in Folge gesunken und erreicht den niedrigsten Stand seit dem Nachkriegsjahr 1946.
Gleichzeitig starben 2025 rund 1,01 Millionen Menschen. Die Zahl der Sterbefälle überstieg die der Geburten damit um etwa 352.000 – das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit, heißt es. Gründe dafür sind laut Destatis vor allem die geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er-Jahre, die nun ins Elternalter kommen, sowie eine seit 2022 sinkende Geburtenziffer. Einen Geburtenüberschuss gab es laut Destatis zuletzt 1971.
Regional zeigen sich laut Statistischem Bundesamt deutliche Unterschiede: In den ostdeutschen Bundesländern gingen die Geburtenzahlen stärker zurück (-4,5 Prozent) als im Westen (-3,2 Prozent). Hamburg war das einzige Bundesland mit einem leichten Plus (0,5 Prozent). Den stärksten Geburtenrückgang gab es in Mecklenburg-Vorpommern mit -8,4 Prozent.
Familienverband : „Dramatischer Weckruf“
Der Deutsche Familienverband hat die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Geburtenrate als „dramatischen Weckruf“ bezeichnet. „Dass die Geburtenzahl auf den niedrigsten Stand seit 1946 gesunken ist, ist kein historischer Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen strukturellen Benachteiligung von Familien“, erklärte Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann am Dienstag auf Anfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die Ursachen für diesen Rückgang seien systemisch, fügte Heimann hinzu: „Unser Sozialversicherungssystem, insbesondere die gesetzliche Rente, bestraft Eltern regelrecht für ihre Erziehungsleistung, indem sie im Alter leer ausgehen. Vor allem Mütter.“ Wenn die Politik dann noch Leistungen wie das Elterngeld über Jahrzehnte nicht anhebe oder die spezifischen Bedürfnisse von Mehrkindfamilien ignoriere, dürfe sie sich über sinkende Geburtenraten nicht wundern.
Der Familienbund der Katholiken mahnte, die Familienpolitik müsse dringend handeln. Denn viele Menschen wünschten sich mehr Kinder, als sie tatsächlich bekommen, teilte der Verband dem epd mit. Der Geburtenrückgang sei daher nicht allein Ausdruck eines veränderten Lebensstils und Kinderwunsches, sondern auch Folge unzureichender Rahmenbedingungen, hieß es weiter. Wer sich gegen Kinder oder auch gegen mehr Kinder entscheide, tue dies oft nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Geld, Unterstützung und Planungssicherheit.
Bevölkerungszahl schrumpft ohne Zuwanderung
Einen Rückgang der Geburtenzahlen im Jahr 2025 melden in der Europäischen Union laut vorläufigen Ergebnissen unter anderem auch Frankreich, Österreich, Italien und Schweden. Dagegen zeichnet sich in Spanien, den Niederlanden und Finnland eine Stabilisierung der Geburtenzahlen ab.
Ohne die stark gestiegene Zuwanderung nach Deutschland seit 2015 wäre die Bevölkerung Deutschlands bis 2024 deutlich geschrumpft, heißt es in einer Analyse der Fachkreises „Bevölkerungsvorausberechnungen“ des Statistischen Bundesamts. Die Experten gehen davon aus, dass die Lücke zwischen der Zahl der Geburten und der Sterbefälle für mehrere Jahrzehnte hoch bleiben oder sogar weiterwachsen wird. Ohne eine deutlich steigende Geburtenziffer und eine mindestens moderate Nettozuwanderung wird die Bevölkerung in Deutschland deutlich schrumpfen, heißt es.
Zahl der Abtreibungen weiter über 100.000
Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist in Deutschland 2025 leicht gesunken. Nach Angaben von Destatis wurden im vergangenen Jahr rund 106.000 Abbrüche gemeldet, ein Rückgang um 0,7 Prozent gegenüber 2024. Damit lag die Zahl aber weiterhin über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020. Die große Mehrheit der Abbrüche (96 Prozent) erfolgte nach der gesetzlichen Beratungsregelung. Medizinische oder kriminologische Indikationen spielten nur eine untergeordnete Rolle. Vier von fünf Eingriffen erfolgten innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen.
Auffällig ist eine Verschiebung innerhalb der Altersgruppen. Im Vergleich zum Jahr 2015 (99.200 Abbrüche) ging die Zahl der Abtreibungen in den Altersgruppen 15 bis 17 Jahre und 20 bis 24 Jahre zurück. Dagegen stiegen die Abbrüche in allen Altersgruppen zwischen 30 und 44 Jahren deutlich.
